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	<title>Kai Ehlers</title>
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	<description>Kai Ehlers, Russlandforscher, stellt sich vor</description>
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		<title>Russland: Permanente Revolte oder Reformen?</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/texte/aktuelle-beitrage/2011-12-29-russland-permanente-revolte-oder-reformen</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 15:46:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erneut gingen Zehntausende in Rußland auf die Straße. Die Polizei hielt sich zurück, alles verlief friedlich. Weitere Demonstrationen sind für das Frühjahr 2012 angekündigt. Steht Rußland eine Zeit der permanenten Revolten bevor? Was sagen die Fakten dazu?
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erneut gingen Zehntausende in Rußland auf die Straße. Weder Eis, noch Schnee konnte sie hindern. Die Polizei hielt sich zurück, alles verlief friedlich. Erneut wurden Forderungen nach Neuwahl vorgetragen und dem Zorn gegen Putin Ausdruck gegeben. Weitere Demonstrationen sind für das Frühjahr 2012 angekündigt. Steht Rußland eine Zeit der permanenten Revolten bevor? Was sagen die Fakten dazu?<br />
Noch vor der Demonstration vom 24. Dezember hatte Präsident Medwedew ein Gesetz in die neue Duma gebracht, welches vorsieht, daß  Gouverneure zukünftig wieder vor Ort gewählt werden können; Parteigründungen sollen bereits anerkannt werden, wenn sie landesweit 500 Mitglieder nachweisen und nicht mehr wie bisher mangels regionaler Präsenz abgelehnt werden können. Das neue Gesetz soll ab 2013 Gültigkeit haben.<br />
Den Demonstranten gehen diese „Zugeständnisse“ nicht weit genug. Als nicht erfüllt betrachten sie ihre fünf Grundforderungen: Annullierung der Wahlergebnisse, Rücktritt des Leiters der zentralen Wahlkommission, Neuwahlen, dies aber schon zu Bedingungen, welche die von Medwedew angekündigte Reform des Wahlgesetzes erst für 2013 in Aussicht stellt. Schließlich noch die Freilassung von politischen Gefangenen. Über allem steht der Protest gegen einen Wiederantritt Wladimir Putins zu einer dritten Amtszeit als Präsident Rußlands.<br />
Neu gegenüber den vorangegangenen Aufmärschen sind die öffentlichen Stellungnahmen „Prominenter“. Michail Gorbatschow sieht in den Protesten die „Chance für einen neuen Aufbruch“, offenbar lebe das „Freiheitsgen“ (so!) noch im russischen Menschen. Er schäme sich für Putin, erklärte er und forderte ihn im Radio „Echo Moskaus“ auf, zurückzutreten.<br />
Mag manch einer Gorbatschows Position für eine späte Blüte seiner verlorenen Träume von Perestroika halten, die in Rußland niemand mehr so recht hören möchte, so ist die Stellungnahme von Ex-Finanzminister Alexeij Kudrin aber von unabweisbarer Realität: In einem Offenen Brief erklärte er, er teile die „negativen Gefühle in Bezug auf die Ergebnisse der Parlamentswahlen“ und bot sich als Vermittler für einen Dialog zwischen Regierung und Gesellschaft an, um einen friedlichen Wandel zu ermöglichen und einen gewaltsamen Umsturz zu vermeiden. Wenige Wochen zuvor war Kudrin wegen öffentlicher Kritik am Stellungstausch des Regierungstandems Medwedew-Putin von Präsident Medwedew vor laufenden Kameras als Finanzminister gefeuert, anschließend von Putin jedoch öffentlich ausdrücklich als „enger Freund“ herausgestellt worden. Kurz, Kudrin gehört, wenn auch zur Zeit als Mann ohne Amt, also gewissermaßen als Verfügungskraft, so doch zum engeren Zirkel der gegenwärtigen herrschenden Kreise um Putin und Medwedew.<br />
Bemerkenswert ist auch die Position des Menschenrechtsrates, eines dem Präsidenten direkt unterstellten Beratergremiums: Mit Hinweise auf das „massive Mißtrauen“, das in der Bevölkerung hinsichtlich der Korrektheit der Wahlen aufgekommen sei, empfahl er, den Leiter der zentralen Wahlkampfkommission von seinen Aufgaben zu entbinden, neue Wahlgesetze zu erlassen und Neuwahlen einzuleiten. Auch wenn die Stimme des Rates keine bindende Kraft hat, hat sie doch moralisches Gewicht.<br />
Festzuhalten ist weiter: Obwohl Hunderttausende in Rußland auf der Straße unterwegs sind, hat es bisher keine Gewaltausbrüche gegeben – weder von Seiten der Demonstranten, noch von Seiten der Staatsgewalt. Im Gegenteil, es sieht ganz so aus, als ob alle an den Protesten beteiligten Seiten, sei es pro oder contra, Eskalationen vermeiden wollen. Da haben es Gestalten wie Boris Beresowski, Ex-Schatten Boris Jelzins, schwer, Fuß in den Protesten zu fassen. Er hatte schon beim Aufflackern der ersten Unruhen nach der Wahl aus seinem Londoner Exil seine Bereitschaft bekundet, sich an einem bevorstehenden Sturz Putins beteiligen zu wollen.</p>
<p>Wer Noch mehr und Genaueres zu den Hintergründen der Proteste wissen möchte, lese bitte im Text &#8220;russland Zwischentöne&#8221; weiter.</p>
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		<title>Kai Ehlers zu Gast in Nowisibirsk</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/allgemeines/2011-12-27-kai-ehlers-zu-gast-in-nowisibirsk</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 21:31:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf Einladung von „Eurasia – Zentrum für sanogene Medizin“ hielt Kai Ehlers sich im Sommer 2011 zu Vorträgen in Nowosibirsk auf. Sehen Sie hier einen Filmausschnitt des "Telekanals RPK"
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Gespräch fand als Abschluß eines dreitägigen Vortrags- und Gesprächszyklus statt. Thema war „Der Mensch in der globalen Perestroika“. Der „Telekanal RPK“ ist ein &#8220;Busyness Kanal&#8221; der Stadt Nowosibirsk, der sich zunehmend für Fragen der Kultur interessieret. Das Gespräch kreiste um die Frage, wie der Mensch unter dem zunehmenden leistungs- und Konsumdruck der globalisierten Welt Mensch bleiben oder vielleicht auch überhaupt erst Mensch werden kann.</p>
<p>Die Sendung erschien im Dezember 2011.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=jUJ402Iof_M&amp;feature=youtu.be" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=jUJ402Iof_M&amp;feature=youtu.be</a></p>
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		<title>Rußland: Zwischentöne zur Wahl</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/texte/2011-12-20-rusland-zwischentone-zur-wahl</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 15:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rußland hat gewählt. Eine neue Duma wird zusammentreten. In ihr wird die „Partei der Macht“, Einheitliches Rußland, die Partei Medwedews und Putins mit 238 von 450 Sitzen zwar noch die absolute Mehrheit haben. Ein Weiter-So auf einem von einem willigen Parlament abgestützten Tandem, auf dem Medwedew und Putin nach Belieben die Plätze tauschen, wird es dennoch nicht geben. 
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rußland hat gewählt. Eine neue Duma wird zusammentreten. In ihr wird die „Partei der Macht“, Einheitliches Rußland, die Partei Medwedews und Putins mit 238 von 450 Sitzen zwar noch die absolute Mehrheit haben. Ein Weiter-So auf einem von einem willigen Parlament abgestützten Tandem, auf dem Medwedew und Putin nach Belieben die Plätze tauschen, wird es dennoch nicht geben. Putins Rating war schon im November unter 50% gesunken, als er und Medwedew den unter sich ausgehandelten Ämtertausch der Öffentlichkeit vorstellten. Der Versuch, über Druck auf die Dumawahl den Abwärtstrend der „Partei der Macht“ aufzuhalten, verwandelte sich in Massenproteste gegen das „System Putin“. Die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF) hat ihre Stimmen fast verdoppelt, auch „Gerechtes Russland“ und die rechtsextreme Liberal-Demokratische Partei Russlands (LDPR) von Wladimir Schirinowski haben Stimmen zugelegt. Die bisher unangefochtenen Macher der „gelenkten Demokratie“ sehen sich gezwungen, über neue Koalitionen in der Duma nachzudenken und Wege zur Integration der jetzt aufgebrochenen  Proteste zu finden.</p>
<p>Dieses Ergebnis ist als ein dynamisches Signal für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen wie auch für die bevorstehende neue Legislaturperiode Rußlands zu verstehen. Es bedeutet, daß die russische Gesellschaft wieder in Bewegung kommt, nachdem sie in den letzten Jahren allen Liberalisierungsankündigungen Medwedews und auch Putins zum Trotz in den Fesseln der autoritären Modernisierung der Nach-Jelzin-Ära gefangen blieb.</p>
<p>Von „Arabellion“, „weißer Revolution“ und dergleichen zu reden, wie man es in westlicher und westlich orientierter Presse nach den Massenprotesten vom 10.12. 2011 lesen konnte, dürfte allerdings nicht nur verfrüht, sondern überhaupt sinnlos sein. Förderlicher als solche Spekulationen anzustellen, ist es zweifellos, die aktuellen Vorgänge im Detail zu analysieren und vor dem Hintergrund der langen Wellen der Perestroika anzuschauen.</p>
<p>Beginnen wir mit der Wahl: „Gefälscht“ wurde schon immer, das heißt, seit im nach-sowjetischen Rußland sog. freie Wahlen eingeführt wurden. Basis möglicher Einflußnahmen waren die traditionellen Kollektive, betriebliche, kommunale und dörfliche Strukturen, in denen politische Meinungsbildung und –äußerung noch immer unter patriarchaler Aufsicht stattfindet. Bei früheren Wahlen, in denen die „Partei der Macht“ sich im Aufwind befand, hat sich nur niemand außer den kleinen Parteien darum bekümmert. Ihre Klagen blieben ohne Widerhall in der Bevölkerung. Nach Umfragen russischer Meinungsforschungsinstitute, interessieren sich 56% der Bevölkerung ohnehin nicht für die Duma-Wahlen. Selbst bei politisch Interessierten galten die Wahlen zur Duma bisher als Vorgeplänkel zu der „eigentlichen“ Wahl, der Wahl des Präsidenten im darauf folgenden Frühjahr.</p>
<p>Solange Putins Rating bei 70% und mehr lag, waren die Unregelmäßigkeiten der früheren Wahlen für die Mehrheit der russischen Bevölkerung uninteressant. Das galt auch noch, als Putin vor vier Jahren Medwedew als seinen Nachfolger präsentierte. Die ganze Aktion hatte zu der Zeit, obwohl ungewöhnlich, sogar für Kritiker Putins etwas Beruhigendes, insofern er in ausdrücklicher Anerkennung der Verfassung auf eine dritte Amtszeit verzichtete, die er sich problemlos hätte verschaffen können. Der damalige Ämtertausch weckte im Gegenteil Hoffnungen auf neue Bewegung.</p>
<p>Angesichts der unvermittelten Verwandlung des damaligen Ämtertausches in einen ohne öffentliche Beteiligung vorgenommenen Rücktausch und angesichts der Tatsache, daß Putin schon vor den Wahlen mit neuer Programmatik (Stichwort „Eurasische Union“) als Quasi-Präsident zu handeln begann, also die Funktion des Präsidenten unter Umgehung des eingespielten Wahlrituals von Duma- und darauffolgender Präsidentenwahl faktisch usurpierte, bekam diese Duma-Wahl 2011 jedoch unvermutet einen anderen Stellenwert. Sie wurde zum Glaubwürdigkeitstest für Putin und die ihn tragende politische Infrastruktur der „Partei der Macht“: Würde er es wagen, an der Bevölkerung vorbei zu regieren?</p>
<p>Zusätzliche Bedeutung wuchs den diesjährigen Wahlen in Rußland durch die „bunten Revolutionen“ in den arabischen Ländern zu. Sie aktualisierten die Reihe der „bunten Revolutionen“, die sich alle an vermeintlichen oder tatsächlichen Wahlfälschungen entzündeten. Die letzte dieser Revolutionen, die „orangene“ in der Ukraine 2004 wirkte eindeutig und nachgewiesener Maßen als Instrument US-amerikanischer Intervention in den geopolitischen Raum hinein, den Rußland generell als seine Einflußsphäre definiert.</p>
<p>Eine Eurasische Union, die Putin jetzt zu seinem Programm erklärt hat, ist aber ohne die Ukraine nicht realisierbar. Hier sind die verdeckten Konfrontationslinien, die auch in die russische Innenpolitik hineinwirken, für jeden erkennbar deutlich gezogen. Putins Vorwürfe, vom Ausland her werde versucht, über die Wahl in Rußlands Innenpolitik einzugreifen, sind von hier aus zu beurteilen. Unter den genannten Umständen ist es selbstverständlich bemerkenswert, wie unterschiedlich die Wahlvorgänge in Rußland bewertet wurden: Die Wahlbeobachtungsorganisation „Golos“ kam zu dem Ergebnis, daß diese Wahlen „weder frei noch fair“ verlaufen seien. Das betrifft nach den Erhebungen von „Golos“ sowohl die Vorwahlzeit als auch die Wahlabläufe selbst. Zu einer differenzierteren Bewertung kam die Wahlbeobachtung der OSZE. Sie registrierte ebenfalls Verstöße, konstatierte aber einen im Vergleich zu früheren Wahlen „verbesserten“ rechtlichen Rahmen, erklärte, die Fernsehdebatten, hätten eine „ausgeglichene Plattform für alle Kandidaten zur Verfügung gestellt“ usw. Noch anders äußerten sich die Beobachtermissionen der GUS, die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), sowie eine Gruppe internationaler Beobachter, die – wenn man der Erklärung des russischen Außenministeriums, die zugleich eine Untersuchung der beobachteten Verstöße ankündigte, glauben will, „die Legitimität der stattgefundenen Wahl, ihre Anpassung an die Wahlstandards nicht infrage“ gestellt hätten.</p>
<p>Anzumerken ist noch, daß die tatsächlichen amtlichen Ergebnisse der Wahlen allen möglichen Manipulationen zum Trotz nur wenig von den Exit-Polls, also den am Wahltag selbst ermittelten Hochrechnungen abwichen. Hier die Daten zweier Institute zu den vier in die Duma gewählten Parteien: „Einiges Rußland“, Hochrechnung am Wahltag: 48,5% / 45,5% – amtliches Ergebnis: 49,47%;  KPRF,  Hochrechnung: 19,8% / 21,0% &#8211; amtlich: 19,17%; „Gerechtes Rußland“, Hochrechnung: 12,8% / 14,0% &#8211; amtlich: 13,22%; LDPR, Hochrechnung: 11,67% / 13,2% &#8211; amtlich: 11,67%  Diese Zahlen beweisen selbstverständlich nicht, daß es keine Fälschungen gegeben habe; sie grenzen jedoch die faktischen Erfolge der vermuteten Fälschungen ziemlich eng ein.</p>
<p>Das tatsächliche Ausmaß der möglichen Verfälschung des gesamtrussischen Wählerwillens, heißt dies alles, ist nicht genau meßbar; es wird auch bei nachträglichen Auszählungen nicht meßbarer sein werden. Eine große Interpretationsbreite gibt es auch für die Bewertung der  Maßstäbe, nach denen die unterschiedlichen Wahlbeobachtergruppen vorgegangen sind. Was tatsächlich bleibt, ist das Mißtrauen der Menschen gegenüber der herrschenden Macht, der zugetraut wird, die Wahlen manipulieren zu wollen. In diesem Mißtrauen liegt der eigentliche Zündstoff, für den die dokumentierten Unregelmäßigkeiten der Funke waren, der gereicht hat reicht, um die Menschen auf die Straße zu bringen.</p>
<p>Damit stellt sich die nächste Frage: Wer ging auf die Straße und mit welchen Zielen? Waren die, die da auf Moskaus Plätzen und an einigen anderen Orten demonstrierten, der Kern der russischen Zivilgesellschaft, wie es die westliche und westorientierte Berichterstattung darstellt? Und wenn, welchen Charakter hat dieser Kern?</p>
<p>50.000 Menschen wie aus dem Nichts durch das Internet und systemkritische Kleinstmedien mobilisiert, die gerechte Wahlen, ein Ende der Korruption, Meinungsfreiheit und generell eine Ende der „gelenkten Demokratie“ fordern – das läßt Vorstellungen einer außerparlamentarischen Opposition nach westlichem Muster aufkommen.</p>
<p>Bei genauem Hinsehen trübt sich dieses schöne Bild aber bedauerlicherweise: Zwar war das Gesamtbild der Züge von liberalen Forderungen nach Freiheit, nach Beendigung der Korruption, nach Rücktritt Putins bestimmt, das ist eine wichtige Botschaft für Rußland – aber Freiheit für wen, Gerechtigkeit für wen, Herrschaft für wen? Ersten Analysen westlicher Beobachter nach zu urteilen, veröffentlicht beispielsweise in den renommierten „Rußland Analysen“ (231 vom 16.12.2011), entstammte die Mehrzahl der Demonstranten der „neuen Mittelklasse“ Rußlands. Presse und Bildmedien war zu entnehmen, daß so gut wie keine sozialen Forderungen auf den Plakaten und Spruchbändern der Demonstranten getragen worden seien. Einheimische Moskauer Beobachter berichten, man habe keine Arbeiter auf dem Platz gesehen. Sie sprechen von einer Demonstration der Satten, also derer, deren Grundbedarf an Konsum gedeckt ist, die aber zum Konsum jetzt auch das Recht auf Selbstverwirklichung fordern. So wie auf Plakaten etwa zu lesen war: „Ich will mein Recht!“</p>
<p>Massenhaft zu sehen waren aber, neben den liberalen Forderungen, anti-kaukasische, nationalistische Parolen und Embleme rechter Gruppen. Das gibt zu denken, nicht zuletzt deshalb, weil auch die KPRF mit zu den Protesten aufgerufen hatte.</p>
<p>In den Mainstream-Medien wird diese Seite der Proteste nicht wahrgenommen. Ein kleines Schlaglicht auf das, was da verschwiegen wird, wirft jedoch ein Miniabsatz in einem ansonsten strikt Putin-kritischen Artikel der FAZ-Kommentatorin Kerstin Holm. In diesem Absatz berichtet sie, daß der „patriotische Journalist Maxim Schewtschenko“ in der Talksendung „Ehrlicher Montag“ Folgendes geäußert habe: „Er verurteile die Wahlfälschungen, habe (aber – d.V.) nicht mitdemonstriert, weil viele der auf dem Bolotnaja-Platz Versammelten  die Kaukasus-Republik am liebsten loswerden und die Russische Föderation zerfallen lassen würden.“ (FAZ, 16.12.2011)</p>
<p>Einen besonderen Platz in der Geschichte der rechten Ausleger der Poteste, die noch viel genauer untersucht und dargestellt werden müssen, als das hier zur Zeit möglich ist, nimmt der Blogger Aleksei Nawalny ein. In den Medien wird es als einer der wichtigsten Organisatoren der Proteste und als Held der demokratischen Opposition gefeiert. Die „taz“ nannte ihn gar eine „neue Kultfigur der Opposition“. Aber bitte, dies wenigstens kurz: Im Oktober 2011, also in aktuellem Zusammenhang zu heute, trat derselbe Nawalny in Moskau als Teilnehmer des diesjährigen „russischen Marsches“ hervor, zu  dem sich Rußlands anti.-kaukasische, nationalistische und offen faschistische Rechte seit Jahren zusammenrottet. Unter Losungen wie „Es reicht den Kaukasus zu füttern!“ hatte er selbst zu dem Marsch aufgerufen und dort geredet. In einem Video vergleicht er militante Kaukasier mit Kakerlaken, die anders als die Schabe nicht mit einer Fliegenklatsche oder einen Pantoffel, sondern nur mit einer Pistole zu bekämpfen seien. (Wikipedia und für Russischsprachige: http://www.youtube.com/watch?v=oVNJiO10SWw)</p>
<p>Nawalnys Rolle wirft auch die Frage nach den übrigen Organisatoren der Proteste auf. Diese Frage führt tief in das zerstrittene und zugleich um ihr gemeinsames politisches Überleben kämpfende Kader einer Opposition, die seit dem Niedergang der Liberalen am Ausgang der Jelzin Ära und nach deren endgültigem Ausscheiden aus der Duma in den Wahlen 2004 nur noch ein Ziel kennt: den Sturz Putins und die Wiedereinführung jener „Freiheiten“, die Putin nach Jelzin im Zuge der von ihm eingeleiteten restaurativen Stabilisierungspolitik abschaffte. Spitze Zungen sprechen daher von einer Versammlung politischer Bankrotteure, die nur eines verbinde, das Scheitern ihrer liberalen Konzeptionen und ihr Haß auf Putin, der den Liberalismus der Jelzin Ära stoppte; ein über die Putin-Feindschaft hinausführendes gemeinsames Programm gebe es nicht.</p>
<p>Treibende Kraft dieser Gruppe ist Solidarnost, ein Bündnis von Ultra-Liberalen, Ex-Funktionären der Jelzin- und früher Putin-Zeit, führend darin Boris Nemzow, Minister unter Jelzin, Michail Kassianow, Minister unter Putin, Garry Kasparow, ehemaliger Schachweltmeister, der sich den Sturz Putins zum Lebensziel gesetzt hat. Sie agieren in einem Umfeld von in den Medien so genannten „heterogenen Kräften“. Deren Einzugsbereich reicht von linksradikalen und anarchistischen Putinfeinden,  teils durchaus ehrbaren Leuten der menschenrechtlerischen und früheren dissidentischen Szenen, über die verbotenen National-Bolschewisten um Eduard Limonow bis weit in den nationalen rechtsliberalen bis rechtsradikalen Sumpf. Die meisten Personen dieser Szene sind aus dem „Marsch der Unzufriedenen“ (zwischen 2005 und 2007 mehrfach wiederholt) und dem 2008 aus dieser Gruppe heraus gegründeten „Komitee für freie Wahlen 2008“ sattsam bekannt.</p>
<p>Dies alles läßt sich übrigens, nicht anders als weitere Daten zu Nawalny, in Wikipedia, Facebook und Youtube Name für Name mit allen nötigen Verweisen auf das Netz der „heterogenen“ Freunde anhören, anschauen und nachlesen bis hin zu dem Hinweis Nemzows, die Revolution in Rußland werde nicht orange, sondern braun sein.</p>
<p>In die herrschende Berichterstattung zu den gegenwärtigen Protesten finden diese Informationen und Tatsachen bezeichnenderweise keinen Eingang.</p>
<p>Bleibt am Ende die Frage, ob aus den aktuellen Protesten eine allgemeine Bewegung hervorgehen werde und was daraus für die Zukunft Rußlands folgen könnte. Die Frage muß in doppelter Weise beantwortet werden: Zunächst Nein – es ist nicht zu erwarten, daß sich die Mehrheit der Bevölkerung mit den Protesten verbindet, auch wenn es jetzt noch weitere Demonstrationen zur Wahl geben wird. Der Liberalismus der Jelzintage ist nicht rückholbar; zu tief sitzt noch der Schock der sozialen und politischen Desintegration jener Zeit. Zu tief ist inzwischen auch, trotz relativer Stabilisierung unter Putin und Medwedew, die Spaltung zwischen den besser verdienenden und angenehmer lebenden Teilen der Bevölkerung und jenen, die noch immer damit beschäftigt sind, ihren Lebensstandard über der Armutsgrenze zu halten. Für die Mehrheit der russischen Bevölkerung steht die soziale Frage immer noch vor der politischen, das heißt, für sie ist soziale Sicherheit wichtiger als formale Freiheit. Anders und genauer gesagt: Für sie ist soziale Sicherheit Voraussetzung für ihre Freiheit.</p>
<p>Andererseits ist eine Generation von gut verdienenden Städtern und deren Kindern herangewachsen, die die Not der Transformationszeit schon nicht mehr kennen oder gar nicht erst kennengelernt haben. Ihnen reicht die relative Stabilität der Putinschen Restauration als Lebensperspektive nicht mehr aus, mehr noch und sehr problematisch, sie sehen ihren relativen Wohlstand durch Einwanderer aus den ärmeren Teilen der Föderation, aus dem Kaukasusus, aus Zentralasien sowie generell aus Süden und aus dem Osten bedroht.</p>
<p>Hier deutet sich eine politische Bewegung an, die bereit sein könnte, im Namen der Freiheit die eigenen Privilegien gegen ärmere Teile der Gesellschaft und vor allem gegen Einwanderer zu verteidigen. Beispiele für solche Verwandlungen des Liberalismus in eine fremdenfeindliche, rassistische, antiliberale Kraft sind aus Europa bereits bekannt. Diese Tendenz könnte auch Rußland erreichen.</p>
<p>Das vorsichtige Agieren der Staatsmacht gegenüber den Protesten vom 10.12.2011, die  Signale Putins und Medwedews, man sei bereit zu neuen Koalitionen, die öffentlich geäußerten Überlegungen des Kreml-Ideologen Surkow, man brauche eine liberale Partei lassen erkennen, daß die herrschenden Kreise Rußlands die Gefahr des Auseinanderdriftens der Gesellschaft erkannt haben, wenn es ihnen nicht gelingt, die Proteste in einen neuen gesellschaftlichen Konsens zu integrieren. Der mag nationaler oder liberaler ausgerichtet sein als zur Zeit, eins aber ist unübersehbar: Die Zeiten, in denen es möglich war, von oben einen Blitzableiter zu installieren, an dem Proteste oder Alternativen sich totlaufen, sind mit Sicherheit vorbei, auch wenn die aktuellen Proteste vorläufig wieder abebben sollten.</p>
<p>Wer immer im Frühjahr 2012 Präsident werden wird, muß eine echte Integrationsleistung auf den Weg zu bringen. Recht verstanden, liegt darin Rußlands einzige Chance.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kai Ehlers</p>
<p><a href="http://www.kai-ehlers.de/">www.kai-ehlers.de</a></p>
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		<title>Das „chinesische Prinzip“  &#8211;  Ökonomische Freiheit – politische Lenkung:  Der bessere Weg zur globalen Perestroika? Ein Vergleich.</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 09:18:58 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wer heute an China denkt, hat zwei Bilder vor Augen: Das eine wird von China-Reisenden als „happy China“ beschrieben, das andere als Parteiendiktatur, die die Menschenrechte nicht achte und jeden Ansatz zu einer Opposition ersticke. Wohin führt dieser Weg? Diese Frage wird in diesem Text anhand eines Vergleiches von Perestroika und den chinesischen Reformen vor dem Hingergrund der Geschichte beider Gesellschaften untersucht. 
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer heute an China denkt, hat zwei Bilder vor Augen: Das eine wird von China-Reisenden als „happy China“ beschrieben, das andere als Parteiendiktatur, die die Menschenrechte nicht achte und jeden Ansatz zu einer Opposition ersticke.  Für beides lassen sich reichlich Belege anführen: Die fröhliche Betriebsamkeit auf Chinas Plätzen und Straßen wird von westlichen Touristen inzwischen auf Fotos festgehalten, die sie ihren erstaunten Freunden nach ihrer Rückkehr zeigen; chinesische Betriebsamkeit überzieht den ganzen Globus mit Ware „made in China“; Chinas Politiker laden westliches Know how ein, sich im Land frei zu entwickeln; chinesische Banken zeigen sich neuerdings bereit, faule Wertpapiere aufzukaufen, um die Weltfinanzen stabil zu halten. Dem stehen Meldungen über Zensur der Presse, über Repressalien gegen kritische Blogger, über die Inhaftierung und Verschleppung Oppositioneller bis hin zur Internierung tausender Mitglieder der Falun Gong Bewegung in speziell für sie geschaffenen Lagern und das nicht zu vergessende Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens gegenüber. Ökonomische Freiheit bei politischer Repression &#8211; wie paßt das zusammen? Und wohin geht dieser Zug?</p>
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<p>Man muß hinter den Alltag in die 4000jährige Entwicklung des Landes blicken, um das zu verstehen: In die Hochkultur der chinesischen Kaiserreiche, in die koloniale Erniedrigung seit dem 18. und 19., in die Kämpfe für die nationale Befreiung am Anfang des vorigen Jahrhunderts; in die Gründung der VR-China 1949 und die ersten Jahre danach und schließlich in den zwar immer wieder von Rückschlägen aufgehaltenen, aber doch beharrlichen, schrittweisen Wiederaufstieg Chinas zu einer der führenden Weltmächte des 20. Jahrhunderts in den letzten Jahrzehnten. Am Besten läßt sich die Frage, was es mit der Freiheit in China auf sich hat und was dies über China hinaus bedeutet, jedoch im Vergleich zweier Prozesse verfolgen, die heute zeitgleich stattfinden, die einander ähneln und doch grundverschieden ablaufen. In ihnen findet auch die Geschichte ihren Ausdruck. Die Rede ist von Perestroika und ihren Folgen in Rußland und dem langen Weg der Reformen vom Tod Maos bis zum jetzt deklarierten „Anfangsstadium des Sozialismus“ im heutigen China.</p>
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<p>Vergleichbar sind die Voraussetzungen: Revolutionen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Rußland wie auch in China, die zur Gründung von Staaten mit kommunistischem, dann sozialistischem Anspruch führten. Basis waren in beiden Fällen – mit unterschiedlichen Ausprägungen, versteht sich – vorindustrielle, agrarische Verhältnisse, in denen Geld- und Naturalwirtschaft noch nebeneinander existierten. Dabei war die Naturalwirtschaft mit traditionellen Formen gemeinschaftlicher Selbstversorgung und familiärer Zusatzwirtschaft eng verknüpft. In Rußland war das die Tradition der „Óbschtschina“, der sich selbst versorgenden Bauerngemeinschaft unter der Herrschaft eines absoluten Zentrums, der zaristischen Selbstherrschaft; in China waren es die strengen Familienhierarchien unter dem absoluten Kaisertum.</p>
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<p>Es sind diese Grundformen agrarisch geprägten gemeinschaftlichen Lebens auf Basis örtlicher Selbstversorgung bei zentralistischer, bis despotische Lenkung, die Marx und Engels seinerzeit mangels eines besseren Begriffes als asiatische Produktions- und Lebensweise bezeichneten. Für Rußland beschreibt der russisch-englische Ökonom Theodor Schanin diese Wirtschafts- und Lebensweise heute als „expolare Wirtschaft“, eine Wirtschaft, die weder „kapitalistisch“ noch „sozialistisch“ sei; ein wesentliches Element darin sei, eingebettet in eine Tradition der agrarisch basierten gemeinschaftlichen Selbstversorgung, die „Gunstwirtschaft“; die im Russischen mit dem Wort „blat“ umschrieben wird. Erwiesene Gunst stehe in dieser Wirtschaftsform an der Stelle, zumindest aber gleichberechtigt an der Seite des Geldes als Äquivalent für den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Austausch: ‚Du hast mir heute einen Gefallen getan; ich schulde Dir einen Gefallen, den ich Dir  morgen zurückgebe.’  Dabei spielt der Geldwert des Gefallens eine untergeordnete oder gar keine Rolle.<a title="" href="#_edn1">[1]</a> Geldverkehr hat nur Teile des gesellschaftlichen Lebens erfaßt.</p>
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<p>Für China beschreibt die in den USA lebende chinesische Soziologin May-fair Mei-hui-Yang in ihrem 1994 veröffentlichten Buch „Gifts, favors and banquets: the art of social relationships in China“ unter dem Stichwort „Guanxixue“ eine vergleichbare Realität: „Guanxixue beinhaltet den Austausch von Geschenken, Gefallen und Gastmählern; die Kultivierung persönlicher Beziehungen und Netzwerke gegenseitiger Abhängigkeiten; die Herstellung von gegenseitigen Verpflichtungen und Schulden. Was diese Praktiken und ihr einheimisches Verständnis ausmacht, ist die Konzeption der Priorität und der bindenden Kraft persönlicher Beziehungen und deren Bedeutung, die Nöte und Wünsche des Alltagslebens zu befriedigen.“<a title="" href="#_edn2">[2]</a> Auch „Guanxixue“ wurzelte in selbstversorgerischer agrarischer, teils auch nomadischer Lebensweise, von wo aus es die gesamte chinesische Gesellschaft durchdrang.</p>
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<p>So wie „Blat“ in die sowjetische, so wurde „Guanxixue“ nach der Revolution in die Gesellschaft der VR-Chinas als „2. Gesellschaft“, als Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft integriert. Der Westen konnte diese Strukturen, in denen das Private als Gunstwirtschaft, als familiäre Zusatzwirtschaft, also gewissermaßen als privates Rückzugsgebiet unter dem Diktat und im Rahmen der Kollektivierung überlebte, und nicht nur überlebte, sondern die Gesellschaft lebendig erhielt, nur als Korruption wahrnehmen. Zur Korruption werden „blat“ und „Guanxixue“, sowie andere Formen der Selbstversorgung aber erst, wenn die definierten staatlichen Strukturen durch die privaten unterlaufen oder beherrscht, das heißt, für persönliche Zwecke und Karrieren mißbraucht werden. Die Übergänge sind selbstverständlich fließend – wichtig ist jedoch zu verstehen, daß sowohl „Blat“ als auch „Guanxixue“ und die damit verbundenen Selbstversorgungsnetze eine von der Tradition getragene und tief im Volkskörper verwurzelte Realität des Lebens sind. Das gilt für China nicht anders als für Rußland. Mehr noch – angestoßen durch den Blick auf „Blat“ und „Guanxixue“ wird auch die glatte Oberfläche westlicher kapitalistischer Gesellschaften transparent für die ihnen unterliegenden Realitäten informeller Gunstbeziehungen, auch wenn diese hier inzwischen den substituierenden Charakter weitgehend verloren haben.</p>
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<p>Kehren wir aber zurück auf die Hauptspur unseres Vergleiches: Rußland wie auch China, also Lenin/Stalin ebenso wie dem Beispiel der Sowjetunion folgend Mao-Tse-Tung unterwarfen ihre agrarischen, teils auch nomadischen  Gesellschaften einer gewaltsamen, an westlichen Vorbildern orientierten nachholenden Industrialisierung. Sie brachte eine staatlich gelenkte Schwerindustrie und die Kollektivierung einer mechanisierten Landwirtschaft hervor. Die Bedürfnisse und Wünsche des Alltags wurden der Industrialisierung, wurden dem „sozialistischen Fortschritt“ untergeordnet, „Blat“, nicht viel anders als „Guanxixue“ blieben dabei aber substituierende Elemente der volkswirtschaftlichen Versorgung, noch klarer gesprochen, Rückversicherung des Überlebens auch unter krisenhaften Bedingungen.</p>
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<p>In ihren Phasen, Tempi und einzelnen Abläufen unterscheiden sich der russische und der chinesische Ablauf von Revolution sowie gegenwärtiger Transformation  selbstverständlich voneinander: Rußland mußte keinen langen Befreiungskrieg führen; der Zarismus war selbst imperiale Macht; die Sowjetunion war der VR-China mit der Gründung eines sozialistischen Staates gut dreißig Jahre voraus; 1956 trennten die chinesischen Kommunisten sich sogar von ihrem sowjetischen Vorbild, nachdem Nikita Chruschtschow erklärt hatte, daß die Phase des „Sozialismus in einem Lande“ vorbei sei und künftig von einer der „Koexistenz“ abgelöst werden müsse. Mao dagegen blies zur selben Zeit zum „Großen Sprung“, der China ganz und gar auf seine eigene revolutionäre Entwicklung fokussieren sollte. Dem folgte 1966 – 1977 die Kulturrevolution, die diese Orientierung noch einmal ins Extrem trieb, während die Sowjetunion unter Leonid Breschnew den Weg der Koexistenz praktisch erprobte.</p>
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<p>Ungeachtet dieser unterschiedlichen Dynamiken aber baute sich gegen Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in China wie auch in der Sowjetunion ein Entwicklungsstau auf, der nach grundlegenden Reformen verlangte. In der Sowjetunion verstrickte sich die überalterte Partei seit 1979 im Afghanistankrieg, der die schon Jahre zuvor erkennbare Modernisierungskrise soweit zuspitzte, daß ein weiteres Ausweichen nicht mehr möglich war. In China hinterließ der Tod Mao Tse Tungs 1976 zwar ein industriell, genauer schwerindustriell hochgerüstetes Land; dessen Gesellschaft war aber durch die Kulturrevolution zurückgeworfen, dessen Umwelt war verwüstet und es erzeugte pro Kopf nicht mehr Getreide als 1957 vor  Beginn des „Großen Sprungs“.<a title="" href="#_edn3">[3]</a></p>
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<p>Aber wie unterschiedlich liefen die Reformen in Rußland und in China! Michael Gorbatschow schwebte ein schrittweiser ökonomischer Umbau vor, eine Reform des Sozialismus. Mit seinen Parolen von Glasnost und Perestroika öffnete er jedoch alle Schleusen der Kapitalisierung zugleich. Unter den Parolen „Nehmt Euch soviel Souveränität wie ihr wollt!“,  „Bereichert Euch!“ und „Abschaffung des Monopols der KP als alleiniger Staatspartei “ beschleunigte Boris Jelzin diesen Ansatz 1990/91 zur „Schocktherapie“, die viele Menschen als Zwangsprivatisierung erlebten. Sie ging in die russische Sprache schlicht als „Prichwatisierung“ ein, Raub. „Das Alte wird zerstört, Neues wird nicht aufgebaut“, kommentierte der Volksmund. Ergebnis war die Bereicherung einiger Weniger, die das Volksvermögen an sich rissen – während die große Mehrheit der Bevölkerung verarmte. Salopp gesagt: Jelzins „Reform“ lebte vom Speck, den die Sowjetunion, konkret die Arbeitskollektive sich in den Jahren des „realen Sozialismus“ zugelegt hatten und in denen der Einzelne versorgt war. Es mußte ein Restaurator, Putin, kommen, um den Zerfall zu stoppen. Seitdem ächzt die russische Entwicklung im Korsett der Restauration, in dem sich die ständig wiederholten Modernisierungsaufrufe verfangen.</p>
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<p>Wie anders in China! Deng Hsiao Ping, der Mao-Tse Tung nach dessen Tod 1976 in der Parteispitze folgte, hat Worte wie Glasnost, Perestroika, Privatisierung, Entkollektivierung, Souveränität, Abschaffung des Monopols der kommunistischen Partei und dergleichen nicht in den Mund genommen. Vor allem aber hat er es nicht zugelassen, die Partei, das heißt., die zu der Zeit einzige organisierende Struktur des Landes, aufzulösen. Statt dessen hat er das Experimentierfeld einer schrittweisen Zulassung privater Interessiertheit geöffnet, beginnend mit dem Zugeständnis an einige Bauernkollektive einer abgelegenen Provinz, ihr gemeinsames Land in eigener Regie zu bebauen. Die Bauern nutzten das Zugeständnis, das nach wie vor im Gemeinschaftsbesitz verbleibende Land individuell zu bearbeiten. Als die Produktivität in diesen Kollektiven auf diese Weise erkennbar stieg, gab die Partei Grünes Licht, diesem Modell im ganzen Lande zu folgen.</p>
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<p>Und so ging es Schritt für Schritt: Die Landwirtschaft boomte, die Bauern kamen zu bescheidenem Wohlstand. Sie brauchten Landmaschinen, Geräte und Maschinen für Haus und Hof. Es entstanden kleine Produktionsbetriebe auf dem Lande, Dienstleistungsangebote. Jetzt gab die Partei weiteres grünes Licht für die Gründung von Betrieben auf dem Lande. Vom Land sprang die Bewegung auf die Städte über: Die Partei erlaubte dort zunächst kleine Betriebe mit sieben Beschäftigten, wenig später wurde auch diese Beschränkung aufgehoben. Staatlicher und privater Sektor entwickelten sich nebeneinander. Sonderwirtschaftszonen wurden eingerichtet, in denen privates Wirtschaften in Konkurrenz zu den Staatsbetrieben  erprobt wurde. Inzwischen ist der staatliche Sektor zugunsten des privaten bis auf die strategischen Betriebe abgespeckt usw. usf. Weitere Details sollen hier nicht aufgezählt werden. Ein Blick auf die Chronologie der letzten Jahre zeigt, daß dieser Prozeß sich bis heute Schritt für Schritt fortsetzt. Alles dies geschah und geschieht unter Aufsicht der Partei. Sie legalisierte die „Experimente“ zunächst als „sozialistische Marktwirtschaft“, erweiterte ihre Definition dann auf das „Anfangsstadium des Sozialismus“. Wer zu weit aus der Reihe tanzte, wurde abgestraft. Opposition war und ist nur innerhalb der Partei, nicht außerhalb möglich. Aber Schritt für Schritt erweiterte sich der individuelle Spielraum für eigene, selbst verantwortete und selbst organisierte wirtschaftliche Tätigkeit und mit ihm, wenn auch zögernd und widerständig, der individuelle Rechtsraum. Neuere Beispiele dafür sind die Parteitagsbeschlüsse zum Schutz des Privateigentums 2006, die Einführung eines allgemeinen Arbeitsvertragsrechtes 2008, die Kodifizierung einer erneuerten Sozialgesetzgebung, selbst Ansätze zur Reform des Strafrechts, welche die sog. „administrativen Maßnahmen“, d.h., Verhaftungen und Verurteilungen ohne gerichtliche Verfahren abschaffen sollen. Interessanterweise geschieht dieser Ausbau des Rechtsraumes in intensiver Zusammenarbeit mit deutschen Beratern.</p>
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<p>Der Unterschied zwischen dem chinesischen und dem russischen Transformationsprozeß könnte krasser kaum sein und er wirft prinzipielle Fragen auf: Glasnost und Perestroika gaben Freiheit, ja! Selten konnte man sich in der Welt so unbehelligt bewegen wie im Rußland Jelzins. Aber was für eine Freiheit war das, die zugleich alle sozialen Sicherungssysteme auflöste und so die Bewegungsfreiheit der Mehrheit der Bevölkerung ökonomisch drastisch einengte? Im Ergebnis hat diese Freiheit zur Verelendung der Mehrheit der russischen Bevölkerung geführt, was nur deshalb nicht zu Hungereinbrüchen führte, weil die Menschen sich auf die Netzwerke der familiären Zusatzwirtschaft, Datscha, und ihre Gunstbeziehungen stützen konnten. Viele ältere Menschen können heute nicht einmal mehr den Bus zur Datscha bezahlen. Freiheit ist zu einer leeren Vokabel geworden. Putins restaurative Notbremse hat diesen Prozeß nur bedingt stoppen können, mehr noch, der Einschränkung, die die Bevölkerung durch den Verlust ihrer gemeinschaftlichen Sicherungssysteme erlitt, hat er im Bestreben, die Staatsmacht zu restaurieren, noch die Abschaffung der Basisorgane der örtlichen und regionalen Selbstverwaltung hinzugefügt und sie durch das System, der „gelenkten Demokratie“ ersetzt, die Initiativen von unten nach oben kaum durchläßt.</p>
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<p>Deng Hsiao Ping und seine Nachfolger dagegen schafften es, das Niveau persönlicher Interessiertheit und Produktivität wie auch der sozialen und rechtliche Absicherung Schritt für Schritt zu heben, indem sie die Erweiterung ökonomischer Spielräume davon abhängig machten, ob sie zur Anhebung der gemeinschaftlichen Versorgungsmöglichkeiten beizutragen geeignet wären.<a title="" href="#_edn4">[4]</a> Freiheit ist in China erkennbar kein Wert an sich, der individuell definiert wird, sondern eine Funktion des allgemeinen Volkswohlstandes, der Stabilität, Motto: Je höher das allgemeine Versorgungsniveau, desto größer die Bewegungsfreiheit für die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft. Die Partei kontrolliert diesen Prozeß, in dem sie sich auch selbst verändert, das heißt, in dem sie um die Zulassung dieser oder jener Neuerungen, die Lösung dieses oder jenes Problems wie etwa das der Wanderarbeiter interne Richtungskämpfe austrägt. Opposition findet innerhalb der Partei statt; sie repräsentiert das Ganze. Wer die Partei in Frage stellt, stellt China in Frage.</p>
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<p>Extremer könnten sich zwei unterschiedliche Verständnisse von Freiheit nicht gegenüberstehen: In Rußland verfassungsrechtlich garantierte individuelle Freiheit, die sich unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse für die Mehrheit der Bevölkerung jedoch in Abhängigkeit verwandelt, in China Parteidiktatur, unter deren Kontrolle sich an der Basis der Bevölkerung zunehmende individuelle Selbstständigkeit im Rahmen eines allgemein wachsenden Wohlstandes entwickelt. Angesichts dieser Tatsachen sagen heute nicht wenige Menschen in Rußland: ‚Ach, wären wir doch auch den chinesischen Weg gegangen!“ Auch aus dem Westen sind solche Stimmen zu hören. Aber ist dies wirklich eine Option?</p>
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<p>Drei Fragen müssen dafür noch genauer betrachtet werden:</p>
<p>1. Was ist der Kern des Unterschiedes zwischen dem chinesischen und dem russischem Weg? Wo liegen seine kulturellen Wurzeln?</p>
<p>2. Hätte Rußland den chinesischen Weg gehen können? Kann es das jetzt?</p>
<p>3. Ist der chinesische Weg – auch mit Blick auf die heutigen globalen Probleme – der richtigere, oder gar einer, der die Zukunft bestimmt?</p>
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<p>Um mit der Frage nach dem Kern zu beginnen: Er liegt im unterschiedlichen Verständnis von der Rolle des Staates. Im traditionellen Denken Chinas ist der Mensch Teil eines ganzheitlichen Kosmos, dazu berufen, die Beziehungen zwischen Himmel und Erde als harmonische Ordnung zu erkennen und diese Harmonie in seinem sittlichen Handeln zu fördern. Ein Jenseits hinter dieser Harmonie gibt es nicht, also auch keine Hoffnungen auf eine Erlösung aus dem diesseitigen „Jammertal“ in ein jenseitiges Paradies. Die Erfüllung des Lebens findet hier und jetzt statt. Der Staat ist dann gut, wenn er diesen Zielen dient. Und viele chinesische Kaiser haben versucht so zu handeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Rußland steht, obwohl auch durch Asien stark beeinflußt, eher in der Tradition orthodoxer christlicher Jenseitigkeit, in der das leibliche Wohl dem geistigen, das Diesseits dem Jenseits untergeordnet wurde. Scharf gesprochen: Die Kirche kümmerte sich um die „Seelen“, die Körper blieben staatlicher Willkür überlassen. Die Frage einer allgemeinen Wohlfahrt im Diesseits wurde erst von der Oktoberrevolution auf die Tagesordnung gebracht, erwies sich aber mit deren Orientierung auf den kommenden Kommunismus, in dem es keinen Staat, keine Ausbeutung und keine Unterdrückung mehr geben werde, als Fortsetzung der traditionellen Vertröstungen auf das bessere Jenseits.</p>
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<p>Zur Verdeutlichung des chinesischen Verständnisses der Beziehung von Mensch, Staat und Welt sei hier zitiert, wie der Religionsforscher Helmuth von Glasenapp die „Grundgedanken der chinesischen Weltanschauung“ beschreibt. Unter dem Stichwort „Universalismus“ heißt es bei ihm: „Nach diesem bilden Himmel, Erde und Mensch die drei Komponenten des einheitlichen Alls, sie stehen in innigen Wechselbeziehungen zueinander und werden von einem allumfassenden Gesetz regiert. Alle Erscheinungen des Makrokosmos haben im physischen, geistigen und sittlichen Leben des Menschen ihre  Entsprechung, andererseits aber ist auch das, was die Ordnung in der menschlichen Gesellschaft aufrechterhält, die Richtschnur für das Weltgebäude. So heißt es im Buch der Sitte: ‚Die Kraft der Sitte ist es, durch die Himmel und Erde zusammenwirken, durch die die vier Jahreszeiten in Harmonie kommen, durch die Sonne und Mond scheinen, durch die die Sterne ihre Bahnen ziehen, durch die Gut und Böse geschieden wird, durch die Freude und Zorn den rechten Ausdruck finden, durch die die Unteren gehorchen, durch die die Oberen erleuchtet sind, durch die alle Dinge trotz ihrer Veränderungen nicht in Verwirrung kommen.’ In einem der ältesten Stücke des ‚Shu-ching’ heißt es:’ Es ist ein innerster Zusammenhang zwischen dem Himmel oben und dem Volke unten, und wer das im tiefsten Grunde erkennt, der ist der wahre Weise.“<a title="" href="#_edn5">[5]</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mensch dürfe sich aber nicht damit begnügen, den Kreislauf der Natur zu beobachten, schreibt Glasenapp weiter, er müsse vielmehr „auch bestrebt sein, durch seine ethische Gesinnung das erhabene Beispiel des Himmels nachzuahmen. Was für das Individuum gilt, gilt aber auch für die Gemeinschaft. Denn die Ordnung (tao) in der Natur, im Reich, in der Gesellschaft und im Leben des einzelnen sind auf innigste miteinander  verflochten: das eine bedingt das andere, und eine Störung in dem einen Teil des Universums hat auch Disharmonien in den anderen zur Folge.“ Für das chinesische Staatsverständnis bedeute das: „Der Herrscher des Reiches der Mitte galt ihnen daher als der alleinige und rechtmäßige Vertreter des Himmels auf Erden. Nach dem erhabenen Vorbild des Himmels hatte er das Weltreich zu  regieren; dem Himmel war er für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich.“<a title="" href="#_edn6">[6]</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bei Laotse, mit Konfuzius einer der bekanntesten Philosophen des chinesischen Altertums, aber im Unterschied zu diesem keineswegs ein Freund übertriebener staatlicher Kontrolle, nimmt dieses Denken in der Strophe 3 seines „Tao-Te-King“ folgende Form an:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Die Tüchtigen nicht bevorzugen,</em></p>
<p><em>so macht man, daß das Volk nicht streitet.</em></p>
<p><em>Kostbarkeiten nicht schätzen, so macht man, daß das Volk nicht stielt.</em></p>
<p><em>Nichts Begehrenswertes zeigen,</em></p>
<p><em>so macht man, daß des Volkes Herz nicht wirr wird.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Darum regiert der Berufene also:</em></p>
<p><em>Er leert ihre Herzen und füllt ihren Leib.</em></p>
<p><em>Er schwächt ihren Willen und stärkt ihre Knochen</em></p>
<p><em>Und macht, daß das Volk ohne Wissen</em></p>
<p><em>Und ohne Wünsche bleibt,</em></p>
<p><em>und sorgt dafür,</em></p>
<p><em>daß jene Wissenden nicht zu handeln wagen. </em></p>
<p><em>Er macht das Nichtmachen. So kommt alles in Ordnung.“ <a title="" href="#_edn7"><strong>[7]</strong></a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Um Mißverständnissen vorzubeugen, sei gleich erklärt: Das „Herz“ ist im Chinesischen der Sitz der Begierden; „Wille“ ist im Sinne von Willkür und Ehrgeiz zu verstehen; „Wissen“ ist gleichbedeutend mit überflüssiger Information, inhaltslosem Intellektualismus; „jene Wissenden“ sind diejenigen, die das Volk mit falscher Gelehrsamkeit oder sinnlosen Informationen in die Irre führen oder gar betrügen. Der „Berufene“ ist der Erkennende, im Idealfall die höchste Kraft im Staate, der Kaiser, der dafür zu sorgen hat, daß die Ordnung des Himmels (und der Erde) nicht gestört, sondern durch kluges „Nichtmachen“ gewahrt und gefördert wird. „Nichtmachen“ bedeutet aber nicht etwa nichts zu tun, sondern sich entsprechend der dem Kosmos immanenten Gesetze zu bewegen. Das setzt ein Studium dieser Gesetze und den Willen voraus, ihnen zur Geltung zu verhelfen. Ordnung, so faßte es Konfuzius, der in dieser Frage strenger war als Laotse, ist die Voraussetzung für Freiheit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Durchaus zutreffend wird in dies in Wikipedia folgendermaßen beschrieben:</p>
<p>„Zentraler Gegenstand der Lehre des Konfuzius ist die (Gesellschafts-)Ordnung, also das Verhältnis zwischen Kind und Eltern, Vorgesetzten und Untergebenen, die Ahnenverehrung, Riten und Sitten. Konfuzius lehrte, daß erst durch die Ordnung sich überhaupt Freiheit für den Menschen eröffnet. So wie die Regeln eines Spiels Bedingung dafür sind, daß die Freiheit des Spielens entsteht, so bringt die wohlgeordnete Gesellschaft erst die Strukturen für ein freies Leben des Menschen hervor. Wie jeder Spieler aus Freiheit die Regeln akzeptiert, so akzeptiert auch der Edle Sittlichkeit und Pflichten. Ordnung unterdrückt also nicht die Freiheit, sondern eröffnet erst einen Handlungsraum, in dem menschliche Tätigkeiten einen Sinn bekommen…“.<a title="" href="#_edn8">[8]</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es darf nicht übersehen werden, daß die konfuzianische Ethik ein Ideal ist, das im tatsächlichen Verlauf der chinesischen Geschichte immer wieder auch zur Erstarrung neigte., besonders aber im späten Kaisertum. Als dogmatischer Ritualismus, der an seinen festgefahrenen Zeremonien erstickte, trug es nicht unwesentlich zu dessen Niedergang im 17. und 18. Jahrhundert bei. Der revolutionäre Aufbruch Mao Tse Tungs, der dem „Nichtmachen“ der chinesischen Traditionalisten den Kampf gegen „alte Zöpfe“, den nationalen Befreiungskampf für die Gründung der VR-China und die von ihm eingeleitete Industrialisierung entgegensetzte, riß China aus dieser Erstarrung. Die Kulturrevolution machte sich zur Aufgabe die Wurzeln des Traditionalismus für alle Ewigkeit auszureißen. Mit dem Pragmatiker Deng Hsiao Ping, der Demokratie als Funktion wirtschaftlicher Stabilität begriff, kehrte die alte chinesische Staatsweisheit, in deren Verständnis Entwicklungen nicht erzwungen, sondern nur zugelassen werden können und die Rechte des Einzelnen untrennbar an seine seinen Pflichten für das Wohlergehen der Gemeinschaft gebunden sind, in modernisierter Form an ihren angestammten Platz zurück.</p>
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<p>Daß es auch in der heutigen Erneuerung des Verständnisses vom „guten Kaiser“ keineswegs alles „harmonisch“ verläuft, das sei hier noch einmal ausdrücklich betont, beweisen Ereignisse wie die am Platz des himmlischen Friedens, der Unterdrückung der Falun Gong Bewegung und auch die wachsende Spaltung der chinesischen Gesellschaft in Superreiche und das Heer der „Überflüssigen“, die keine Arbeit finden. Unübersehbar ist aber auch, daß die übergroße Mehrheit der chinesischen Bevölkerung der Partei heute vertraut und den von ihr vorgegebenen Rahmen sowie die darin geltenden Regeln als ihre eigenen akzeptiert, die man zwar um individuelle Spielräume erweitern möchte, die man aber nicht grundsätzlich in Frage stellt. Welche Verbindung dieses Verständnis mit der sich beschleunigenden Kapitalisierung Chinas in Zukunft eingehen wird, ist selbstverständlich eine offene Frage.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ganz im Gegensatz dazu steht Rußland. Damit kommen wir zu der zweiten Frage, ob Rußland einen chinesischen Weg hätte gehen können, bzw. heute gehen könnte: Es sei gleich gesagt: Nein, konnte es nicht und könnte es nicht. Warum? Ausgehend von einem grundlegend anderen Staatsverständnis und entsprechenden historischen Erfahrungen, nämlich denen, daß der Staat seinen Zweck nicht darin sieht, dem Volk den ‚Leib zu füllen’ und die ‚Knochen zu stärken’, sondern im Gegenteil, sich am Volk zu bereichern, notfalls auch mit brutaler Gewalt, ist die russische, besser gesagt, die multi-ethnische russländische Bevölkerung von einem grundlegenden Mißtrauen gegenüber allem erfüllt, was mit dem Staat zu tun hat. Der Staat ist immer das Fremde, dem die eigene Welt, die eigene Gemeinschaft gegenübersteht. Freiheit, Vertrauen, Ethik liegen für die Mehrheit russländischer Menschen nicht innerhalb, sondern außerhalb staatlicher Ordnung. Der russische Begriff für dieses Verständnis von Freiheit lautet „volje“, was soviel wie Losgelassenheit, unbeschränkte Spontaneität, Regellosigkeit bedeutet, schließlich auch Wille, der in seinem Drang zur Selbstverwirklichung keine Rücksicht auf die bestehende Ordnung, ja nicht einmal auf das eigene Leben zu nehmen bereit ist. Damit geht „volje“ bereits in Willkür über. Dieses Verständnis von Freiheit ist tief in der russischen Kultur verankert, die in den schroffen Gegensätzen von derber, nicht selten brutaler Diesseitigkeit lebt und der extremen Sehnsucht ihr zu entkommen. Das Wesen dieser Sehnsucht ist eine irrationale Ungeduld, die auf Verwirklichung des Lebens hier und jetzt, auf Alles oder Nichts setzt – gleich, was es kostet. Dem gegenüber ist das modernere, gemäßigtere, eher westlich orientierte Verständnis eines weiteren Begriffes für Freiheit, „Swoboda“, als Freiheit von äußerem Zwang, von Bevormundung und individueller Unabhängigkeit in einer demokratisch verfaßten Gesellschaft eher von ergänzender Bedeutung, ohne daß beide Elemente immer klar voneinander zu unterscheiden wären.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Ergebnis hat dieses in  sich widersprüchliche Verständnis von Freiheit jedoch systemsprengende Kraft, die ihrerseits die Gewalt der Staatsmacht auf den Plan ruft. So eskalieren sich beide Seiten gegenseitig. Das galt schon für die Zeit des Zarismus. Das galt, um den Druck der gewaltsamen Industrialisierung verstärkt, auch für die Zeit nach der Revolution und die weiteren Jahre der Sowjetunion unter Stalin und danach: Der Staat blieb der Fremde, wurde geradezu zum Feind, dem eine Gegengesellschaft, genauer ein ganzes Netz von Gegengesellschaften entgegenwuchs.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kurz gesagt: Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte sich ein Potential an Ungeduld in der Bevölkerung der Union angesammelt, das nicht mehr unter dem Deckel gehalten werden konnte – es sei denn durch eine Wiederholung von Repression stalinschen Ausmaßes. Gorbatschow und die hinter ihm stehenden Kräfte hatten, so gesehen, überhaupt keine Wahl. Eine andere Frage ist, ob Jelzins Beschleunigung der Perestroika zur „Schocktherapie“ unvermeidlich war. Tatsache ist, daß schon Jelzin mit der Beschießung des „weißen Hauses“ und der Eröffnung des Krieges gegen die Tschetschenische Unabhängigkeitsbewegung den Rückwärtsgang einlegte, den Wladimir Putin dann mit voller Kraft fortsetzte. Das Grundproblem Rußlands, die tiefe Entfremdung der Bevölkerung vom Staat, der von der Bevölkerung immer noch, ja, durch den räuberischen Gang der Privatisierung erneut verstärkt, als Monster, als Betrüger, als Krake erlebt wird, die alle aussaugen will, ist auch nach zwölf Jahren Putinscher Restauration (Medwedew mit eingerechnet) nicht gelöst. Das reduziert die Chancen Rußlands, jetzt noch einen „chinesischen Weg“ einzuschlagen, das heißt, die Bevölkerung für einen dem chin esischen auch njur annähernd vergleichbaren nationalen Aufbruch zu stimulieren, in dem persönliche Freiheit als Funktion allgemeinen Wohlstands begriffen wird, ziemlich weit gegen Null – es sei denn, es gelänge einem zukünftigen Präsidenten Putin, der russischen Bevölkerung glaubhaft vorzuführen, daß das Ziel staatlichen Handelns darin läge, das Wohlergehen der Mehrheit der Bevölkerung mit allen Mitteln zu fördern. Dies müßte aber vor allem anderen heißen, das von Putin selbst installierte System der “gelenkten Demokratie“ in Frage zu stellen, ja, dessen Aufhebung zu fördern und die Modernisierung von oben, die der individuellen Bereicherung einiger Weniger nützt, durch eine Förderung von wirtschaftlichen Aktivitäten von unten abzulösen oder zumindest aktiv zu ergänzen, die den Wohlstand in Dörfern und Kommunen und Regionen höbe. Ob Putin dieses Kunststück einer Selbstdemontage aus eigener Kraft zustande bringt, muß bezweifelt werden.</p>
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<p>Hilfe liegt vielleicht in einer engeren Kooperation Rußlands mit China – und damit sind wir bei der dritten Frage, nämlich, ob der chinesische Weg der richtigere, vielleicht gar ein die Zukunft bestimmender sein könnte. Auch diese Frage ist, so gestellt, zunächst klar mit Nein zu beantworten. Kein Land in der Welt kann wie China, auf eine so alte und so tief verankerte Tradition der Einordnung des Individuellen in ein kosmisch begründetes Allgemeininteresse zurückgreifen. Das gilt wie gezeigt auch für Rußland. Die traditionelle chinesische Ethik, so hoch sie steht, kann nicht einfach auf die Welt übertragen werden, nicht einmal auf das China von heute – dies um so weniger, als sie durch die Flecken aus der jüngsten Geschichte beschmutzt ist. Zudem ist offen, wie China zukünftig mit Opposition umgehen wird, wenn die weitere Kapitalisierung des Landes zu schärferen sozialen Spannungen führen sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nicht zu übersehen ist jedoch auch, daß die in der UNO vertretenen Völker, ungeachtet westlicher Kritik an der Verletzung der Menschenrechte durch China, sich immer wieder hinter die Position Chinas stellen, wonach Menschenrechte nicht nur individuell, sondern auch kollektiv zu verstehen und die Rechte auf Entwicklung, Nahrung und Arbeit als vollgültige Menschenrechte zu werten seien.<a title="" href="#_edn9">[9]</a> Nicht von der Hand zu weisen ist auch, daß chinesischer Pragmatismus, getragen von dem Wunsch, die „himmlische Ordnung“ im eigenen Interesse auch auf dem Feld der globalen Politik verwirklicht zu sehen, potentiellen Brandstiftern der Weltpolitik in den Arm fällt. Das könnte Rußland die notwendige Atempause, aber auch anderen „global playern“, sowie kleineren Völkern die notwendige Ruhe geben, am Übergang von einer aus dem Ruder laufenden globalen Finanzdiktatur, die Freiheit nur als Recht der individuellen Bereicherung kennt, zu einer internationalen Ordnung zu arbeiten, deren Freiheitsverständnis an der Entwicklung eines Wohlstands für alle Menschen, genauer, an einer Verbindung von individueller Freiheit und Gemeinwohl orientiert ist. In einer Welt der zunehmenden gegenseitigen Abhängigkeiten stehen wir heute offensichtlich an der Schwelle, vom Entweder-Oder der Art: Schutz des Einzelnen vor der Gemeinschaft oder Schutz der Gemeinschaft vor dem Einzelnen in eine Welt des Sowohl-als-Auch überzugehen. Das bedeutet, die Wechselwirkung chinesischen und westlichen Verständnisses der Menschenrechte als Bereicherung für die Welt von morgen zu begreifen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Kai Ehlers, <a href="http://www.kai-ehlers.de/">www.kai-ehlers.de</a>                                                                   16.10.2010</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aktuelle Ergänzung:</strong></p>
<p><strong>US-Amerikaner aermer als Chinesen</strong></p>
<p><strong>Gallup-Umfrage dokumentiert globale Verschiebung</strong></p>
<p>Nach einer aktuellen Umfrage des amerikanischen Gallup-Instituts ist inzwischen die Armut in den USA sehr viel verbreiteter, als etwa in China. Damit widersprechen die Ergebnisse dieser Umfrage dem landläufig von den Medien gezeichneten Bild von unterversorgten Chinesen und vergleichsweise reichen Amerikanern. Den Teilnehmern der Umfrage zur Ermittlung des sogenannten &#8220;Well-Being-Index&#8221;, die in insgesamt 27 Ländern durchgeführt wurde dabei unter anderem die Frage gestellt, ob sie im vergangenen Jahr Schwierigkeiten gehabt haetten, sich ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Daß dies so sei wurde von 19% der Amerikaner bestätigt, während es im Jahr 2008 noch 8% gewesen waren.</p>
<p>Gegenüber China haben sich damit die Verhältnisse umgekehrt: 2008 lag der Anteil der befragten Chinesen, die entsprechend ihre Unterversorgung zur Kenntnis gaben, bei 16%. Bei der aktuellen Umfrage erklärten dies nur noch 6%.</p>
<p>Von seiten des chinesischen Staates war die Behebung sozialer Notlagen in der Bevölkerung zum vorrangigen Ziel erklärt worden. Auch war ein neues Arbeitsrecht eingeführt worden, das Beschäftigten eine Reihe von neuen Rechten zusichert, wie das auf einen Arbeitsvertrag, Kündigungsschutz, Abfindungen usw.. Als Vorlage dieser Gesetzgebung diente das deutsche Arbeitsrecht. In den USA wurden Versuche, die Sozialleistungen für Arme und Arbeitslose zu verbessern, weitgehend blockiert, während die Steuerbefreiungen für reiche US-Bürger ausgedehnt wurden. Auch die Konsequenzen der Finanzkrise treffen in erster Linie die armen Amerikaner und die Mittelschicht, während die Finanzindustrie wieder Rekord-Boni ausschüttete.</p>
<p>Daß die Anklagen gegenüber dem einen Prozent der reichsten Amerikaner erheblich radikaler vorgetragen werden, als etwa in Deutschland, wo sich die Protestbewegung noch vergleichsweise zahm zu Wort meldet, daß offen von &#8220;Diebstahl&#8221; und kriminellem Verhalten der Reichen und Mächtigen gesprochen wird, ist nach der hier dokumentierten Entwicklung unschwer nachvollziehbar.</p>
<p>Der Erweckungsprediger Reverend Billy bei der Besetzung der Wallstreet</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=nsMUpkckTaE&amp;feature=related">http://www.youtube.com/watch?v=nsMUpkckTaE&amp;feature=related</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Quelle: Attac Info, <a href="mailto:gw@web.de">gw@web.de</a>, 16.10.2010</p>
<p>&nbsp;</p>
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<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ednref1">[1]</a> Mehr dazu in meinem Buch „Erotik des Informellen – Impulse für eine andere Globalisierung aus der russischen Welt jenseits des Kapitalismus. Von der Not der Selbstversorgung zur Tugend der Selbstorganisation,“ edition 8, Zürich, 2004</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref2">[2]</a> May-fair Mei-hui Yang, „Gifts, favors and banquets: the art of social relationships in China“, 1994, Cornell University, USA</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref3">[3]</a> Siehe dazu: Konrad Seitz, China im 21. Jahrhundert , Alfred Herrhausen Gesellschaf für den internationalen Dialog, März 2000</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref4">[4]</a> Siehe dazu den nebenstehenden Kasten</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref5">[5]</a> Helmuth Glasenapp, „Die fünf Weltreligionen“, Heyne, München, 2001, S.  142</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref6">[6]</a> ebda S. 153</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref7">[7]</a> Laotse, Tao-Te-King, Das Buch vom Sinn und Leben, in einer Übersetzung von Richard Wilhelm, 1910, Diederichs gelbe Reihe, München, 2004</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref8">[8]</a> http://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzius</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref9">[9]</a> Siehe dazu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China">http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China</a>, 15.10.2011</p>
</div>
</div>
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		<title>VORSCHLÄGE: Themen für Sie: &#8220;Putin back&#8221; &#8211; und andere</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/vortrageseminare/2011-10-06-vorschlage-themen-fur-sie-putin-back-und-andere</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 15:24:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Folgende Themen(bereiche)  schlage ich Ihnen zur Zeit für Vorträge oder Seminare vor:
Bitte wenden Sie sich an mich für konkrete Absprachen:
info@kai-ehlers.de, Tel: 040 / 64 789 791
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong></strong><strong>Folgende Themen(bereiche)  schlage ich Ihnen zur Zeit für Vorträge oder Seminare vor:<br />
Bitte wenden Sie sich an mich für konkrete Absprachen:<br />
info@kai-ehlers.de, Tel: 040 / 64 789 791</strong></p>
<p>.</p>
<p><strong>Aktuell:</strong></p>
<p>Rußland, China:<br />
Geht Putin jetzt den chinesischen Weg?<br />
Putins eurasische Karte. Retten China und Rußland den Kapitalismus?</p>
<p>China/Rußland/Mongolei:<br />
Inneres Asien – Treibhaus der Evolution?<br />
Entstehung eines neuen Kulturraumes. Dialog der Diasporen?</p>
<p>Mongolei:<br />
Letzte Kolonie des Kapitals oder Kraftfeld für ökologisch orientierte Neutralität?<br />
Dazu auch meine Bücher: „Asiens Sprung in die Gegenwart – Entstehung eines Kulturraums Inneres Asien“ und „Zukunft der Jurte – Kulturkampf auch in der Mongolei“?</p>
<p>Islam – Signal für eine andere Welt?<br />
Betrachtung zur heutigen Rolle des Islam, ausgehend vom Beispiel eines aufgeklärten Islam in Kasan/Tatarstan. Blick auf die arabischen Staaten und auf die Türkei.<br />
Dazu auch mein Themenheft: „Modell Kasan“ und aktuelle Berichte vom Leben in Kasan.</p>
<p>Globale Perestroika:<br />
Gibt es ein Leben jenseits des Supermarktes?<br />
Dazu auch meine Bücher: Erotik des Informellen – Impulse für eine andere Globalisierung aus der russischen Welt jenseits des Kapitalismus. Von der Not der Selbstversorgung zur Tugend der Selbstorganisation“; außerdem: „Kartoffeln haben wir immer! Russlands exemplarischer Umgang mit der Krise“, sowie „Grundeinkommen – Sprungbrett in eine integrierte Gesellschaft“.</p>
<p>Schrumpfendes Europa? Schrumpfende „westliche“ Kultur? „Explodierender Süden“? Auseinandersetzung mit demografisch begründeten neo-eugenischen Strategien. – Die Kraft der „Überflüssigen“. Menschenwürde zwischen (alter) Eugenik und aktueller Sozial- und Biotechnik. &#8211; Dazu auch Texte auf meiner Website: www.kai-ehlers.de</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kulturkundliche (historische) Einführungen:</strong></p>
<p>Rußland:<br />
Was ist das Russische an Rußland?<br />
Geschichte und Aktualität der russischen Gemeinschaftsstrukturen.</p>
<p>Weiter auf der nächsten Seite<br />
China<br />
Das chinesische Prinzip:<br />
Den Leib füllen und die Herzen leeren<br />
Heute: ökonomische Freiheit bei politischer Kontrolle.</p>
<p>Mongolei:<br />
Kultur der Jurte<br />
Tengerismus, Tschingis Chan, 5-Tier-Kultur und ewige Steppe.</p>
<p>Deutschland / Rußland –<br />
Eine Ehe für die Ewigkeit?<br />
Geschichte und Aktualität der deutsch-russischen Beziehungen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Alternativen / Denkschule / Kultur:</strong></p>
<p>Begriffe für eine Welt von morgen:<br />
Integrierte Gesellschaft, Wahlfamilie, Regionalisierung, geistige Selbstversorgung &#8211; auch: Multipolar, Multikulturell, multidimensional.</p>
<p>Grammatik des Labyrinthes:<br />
Anleitung zur persönlichen Ortsbestimmung in Zeiten des Umbruchs, einschließlich des Baues von Labyrinthen und ihrer Begehung. Einführung in die Kunst der Pause.</p>
<p>Öffnung des eurasischen Vorhangs:<br />
- Lesung aus dem soeben in deutscher Übersetzung erschienenen<br />
tschuwaschischen Epos „Attil und Krimkilte“,  Blick auf den Nibelungensagenkreis aus hunnischer Sicht. Blick auf Geschichte, Epen, Mythen als gemeinsames Erbe Eurasiens.<br />
Dazu das von mir herausgegebene Buch: „Attil und Krimkilte – das Tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen“.</p>
<p>Projekt 13 &#8211; Attila, Tschingis Chan, globale Perestroika heute:<br />
Die Mitte der Welt im Rhythmus der Ost-West-Zeitenwenden. Wo stehen wir heute? Was kommt auf uns zu? Dazu auch Texte auch auf meiner Website: www.kai-ehlers.de</p>
<p>Generell bin ich ansprechbar für alle Entwicklungen, die aus der nachsowjetischen Transformation hervorgehen – in Rußland selbst, in Eurasien, global und ebenso lokal; das schließt die Entwicklung sozialer Alternativen und persönlicher Orientierung in einer Welt mit ein, die nach einer zeitgerechten Ethik sucht. Die oben genannten Themen sind als Vorschläge zur Orientierung zu verstehen. Weitere Anregungen finden Sie auf meiner Website unter „Vorschläge/Angebote“ und „Vorträge/dokumentiert“. Verabredungen entlang aktueller Ereignisse, konkreter Fragestellungen von Ihrer Seite und Formen der Präsentation besprechen wir am Besten mündlich.</p>
<p>Ich freue mich auf Ihre Antwort<br />
Es grüßt Sie freundlich</p>
<p>Kai Ehlers<br />
www.kai-ehlers.de</p>
<p>den Sie sich an mich für konkrete Absprachen:<br />
info@kai-ehlers.de, Tel: 040 / 64 789 791</p>
<p>Aktuell:</p>
<p>Rußland, China:<br />
Geht Putin jetzt den chinesischen Weg?<br />
Putins eurasische Karte. Retten China und Rußland den Kapitalismus?</p>
<p>China/Rußland/Mongolei:<br />
Inneres Asien – Treibhaus der Evolution?<br />
Entstehung eines neuen Kulturraumes. Dialog der Diasporen?</p>
<p>Mongolei:<br />
Letzte Kolonie des Kapitals oder Kraftfeld für ökologisch orientierte Neutralität?<br />
Dazu auch meine Bücher: „Asiens Sprung in die Gegenwart – Entstehung eines Kulturraums Inneres Asien“ und „Zukunft der Jurte – Kulturkampf auch in der Mongolei“?</p>
<p>Islam – Signal für eine andere Welt?<br />
Betrachtung zur heutigen Rolle des Islam, ausgehend vom Beispiel eines aufgeklärten Islam in Kasan/Tatarstan. Blick auf die arabischen Staaten und auf die Türkei.<br />
Dazu auch mein Themenheft: „Modell Kasan“ und aktuelle Berichte vom Leben in Kasan.</p>
<p>Globale Perestroika:<br />
Gibt es ein Leben jenseits des Supermarktes?<br />
Dazu auch meine Bücher: Erotik des Informellen – Impulse für eine andere Globalisierung aus der russischen Welt jenseits des Kapitalismus. Von der Not der Selbstversorgung zur Tugend der Selbstorganisation“; außerdem: „Kartoffeln haben wir immer! Russlands exemplarischer Umgang mit der Krise“, sowie „Grundeinkommen – Sprungbrett in eine integrierte Gesellschaft“.</p>
<p>Schrumpfendes Europa? Schrumpfende „westliche“ Kultur? „Explodierender Süden“? Auseinandersetzung mit demografisch begründeten neo-eugenischen Strategien. – Die Kraft der „Überflüssigen“. Menschenwürde zwischen (alter) Eugenik und aktueller Sozial- und Biotechnik. &#8211; Dazu auch Texte auf meiner Website: www.kai-ehlers.de</p>
<p>Kulturkundliche (historische) Einführungen:</p>
<p>Rußland:<br />
Was ist das Russische an Rußland?<br />
Geschichte und Aktualität der russischen Gemeinschaftsstrukturen.</p>
<p>Weiter auf der nächsten Seite<br />
China<br />
Das chinesische Prinzip:<br />
Den Leib füllen und die Herzen leeren<br />
Heute: ökonomische Freiheit bei politischer Kontrolle.</p>
<p>Mongolei:<br />
Kultur der Jurte<br />
Tengerismus, Tschingis Chan, 5-Tier-Kultur und ewige Steppe.</p>
<p>Deutschland / Rußland –<br />
Eine Ehe für die Ewigkeit?<br />
Geschichte und Aktualität der deutsch-russischen Beziehungen</p>
<p>Alternativen / Denkschule / Kultur:</p>
<p>Begriffe für eine Welt von morgen:<br />
Integrierte Gesellschaft, Wahlfamilie, Regionalisierung, geistige Selbstversorgung &#8211; auch: Multipolar, Multikulturell, multidimensional.</p>
<p>Grammatik des Labyrinthes:<br />
Anleitung zur persönlichen Ortsbestimmung in Zeiten des Umbruchs, einschließlich des Baues von Labyrinthen und ihrer Begehung. Einführung in die Kunst der Pause.</p>
<p>Öffnung des eurasischen Vorhangs:<br />
- Lesung aus dem soeben in deutscher Übersetzung erschienenen<br />
tschuwaschischen Epos „Attil und Krimkilte“,  Blick auf den Nibelungensagenkreis aus hunnischer Sicht. Blick auf Geschichte, Epen, Mythen als gemeinsames Erbe Eurasiens.<br />
Dazu das von mir herausgegebene Buch: „Attil und Krimkilte – das Tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen“.</p>
<p>Projekt 13 &#8211; Attila, Tschingis Chan, globale Perestroika heute:<br />
Die Mitte der Welt im Rhythmus der Ost-West-Zeitenwenden. Wo stehen wir heute? Was kommt auf uns zu? Dazu auch Texte auch auf meiner Website: www.kai-ehlers.de</p>
<p>Generell bin ich ansprechbar für alle Entwicklungen, die aus der nachsowjetischen Transformation hervorgehen – in Rußland selbst, in Eurasien, global und ebenso lokal; das schließt die Entwicklung sozialer Alternativen und persönlicher Orientierung in einer Welt mit ein, die nach einer zeitgerechten Ethik sucht. Die oben genannten Themen sind als Vorschläge zur Orientierung zu verstehen. Weitere Anregungen finden Sie auf meiner Website unter „Vorschläge/Angebote“ und „Vorträge/dokumentiert“. Verabredungen entlang aktueller Ereignisse, konkreter Fragestellungen von Ihrer Seite und Formen der Präsentation besprechen wir am Besten mündlich.</p>
<p>Ich freue mich auf Ihre Antwort<br />
Es grüßt Sie freundlich</p>
<p>Kai Ehlers<br />
www.kai-ehlers.de</p>
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		<title>Diashows zu verschiedenen Themen</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 07:18:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Diashows]]></category>

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		<description><![CDATA[Diese Seite entsteht gerade &#8211; beabsichtigt sind Shows zu: Geburt einer Jurte in Hamburg 2004 Umsetzen einer Jurte 2006 Schule des Labyrinthes in Nowosibirsk 2011 Anlage von Labyrinthen in der Steppe und in Ulaanbaatar 2011
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Seite entsteht gerade &#8211; beabsichtigt sind Shows zu:</p>
<ul>
<li>Geburt einer Jurte in Hamburg 2004</li>
<li>Umsetzen einer Jurte 2006</li>
<li>Schule des Labyrinthes in Nowosibirsk 2011</li>
<li>Anlage von Labyrinthen in der Steppe und in Ulaanbaatar 2011</li>
</ul>
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		<title>Mit mir geführte Gespräche</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 06:12:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[(Starttexte)]]></category>
		<category><![CDATA[Mit mir geführte Gespräche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wahrscheinlich finden Sie über Google mehr Gespräche, die mit mir geführt wurden, als ich hier dokumentieren kann. Das gilt für den deutschsprachigen und zunehmend auch für den russischsprachigen Raum. Betrachten Sie meine Sammlung daher nur als kleine Ergänzung, die en passent mit mir wuchs, wenn Zeit und Umstände es erlaubten.
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wahrscheinlich finden Sie über Google mehr Gespräche, die mit mir geführt wurden, als ich hier dokumentieren kann. Das gilt für den deutschsprachigen und zunehmend auch für den russischsprachigen Raum. Betrachten Sie meine Sammlung daher nur als kleine Ergänzung, die en passent mit mir wuchs, wenn Zeit und Umstände es erlaubten.</p>
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		<title>Gespräche, die ich geführt habe</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/starttexte/2011-09-14-gesprache-die-ich-gefuhrt-habe</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 05:53:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[(Starttexte)]]></category>
		<category><![CDATA[Von mir geführte Gespräche]]></category>

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		<description><![CDATA[Jedes Gespräch öffnet eine Welt &#8211; jede schritliche Fixierung fordert aber auch sehr viel Einsatz. Daher finden Sie hier  bishernur einige schirftlich fixierte dokumentiertSie können den Gesprächspool aber über Stichworte der Suchfunktion nutzen &#8211; so finden Sie thematischen Zugang zu Gesprächen über Texte, Themenhefte, Radio-Features und Bücher, in denen Kernstücke von Gesprächen dokumentiert sind. . [...]
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jedes Gespräch öffnet eine Welt &#8211; jede schritliche Fixierung fordert aber auch sehr viel Einsatz. Daher finden Sie hier  bishernur einige schirftlich fixierte dokumentiertSie können den Gesprächspool aber über Stichworte der Suchfunktion nutzen &#8211; so finden Sie thematischen Zugang zu Gesprächen über Texte, Themenhefte, Radio-Features und Bücher, in denen Kernstücke von Gesprächen dokumentiert sind.</p>
<p>.</p>
<p>Im Übrigen, wenn weitergehendes Interesse besteht, bitte mich einfach zu <strong>kontaktieren</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Attila, Tschingis Chan und global Perestroika today &#8211; &#8220;project 13&#8243; (english)</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/vortrage-dokumentiert/2011-09-12-projekt-13-english-version</link>
		<comments>http://kai-ehlers.de/vortrage-dokumentiert/2011-09-12-projekt-13-english-version#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2011 16:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorträge, dokumentiert]]></category>
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		<description><![CDATA[Speech about "Project 13" held on the 10th congress of Mongolists. Invitation for cooperation.
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4241" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-4241" title="2011 06 Mongolei 1 021" src="http://kai-ehlers.de/wp-content/uploads/2011-06-Mongolei-1-0211-225x300.jpg" alt="Rede am Pult" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Vortrag zum &quot;Projekt 13&quot; beim 10. Kongreß der Mongolisten.</p></div>
<p><strong>How Chingis Chan’s children clashed with the children of Attil &#8211; Changes of global Relations in 13. Century and today &#8211; Looking for a new understanding of what could be the ‘middle of the world’.  In short: Presentation and explanation of ‘Project 13’. Kai Ehlers, Hamburg, www.kai-ehlers.de</strong></p>
<p>(slightly corrected text of a speech at the 10th Congress of Mongolists in Ulaanbaatar 9. – 13. 8. 2011, Organized by the “International Association of Mongolists” (IAMS). )</p>
<p>Dear friends, welcome to this meeting.<br />
Being not a Mongolist by profession, but a private researcher of Russian Perestroika and it’s consequences for Russia itself and our world in general I am very glad, having the opportunity to talk to You about a question, which is opening somehow behind nearly 25 years of investigating perestroika and behind mere political questions. It is the question of a common Eurasian cultural und mythological space, which may be openening today and in which I see myself, some co-workers of mine in Germany and in Russia more and more involved in the last few years. The longer I worked on this question, the more it changed from a simple question into a grown up project, which seems to me not only interesting in historical respect, but inspiring in sake of rising new ideas about the changes of today, too. This question is: Which was the impact of the Mongolian expansion on the decline of medieval Islamic culture, on the rise of western civilisation, on the  rise of Russia in the beginning of the 13. century? In other words: Which was the reason for the division of the Eurasian continent into Europe as the ‘West” and as a “middle of the world” and the remaining part of Eurasia as ‘east’, good for being colonized? How took this place – and, last not least: in what way can we overcome this division today?</p>
<p><em>For better understanding: </em><br />
<em>the role of Mongolia today – how it can be seen.</em></p>
<p>Although Mongolia of today is a very small country with just three million inhabitants, it is destined for playing a significant role in global perestroika, I think, for it may take the place of a neutralizing, the place of a calming factor between world powers, world powers,  which compete with each other for influence onto the continent of Eurasia und by means of this for control over the world.  I need only to remember to the well known book “the grand chessboard” by the American stratege Sbigniew Brzezinski, who tries very hard to show, that America should look upon the continent of Eurasia as a main claim to keep it’s world hegemony.</p>
<p>I would like to say even more: It is just because of it’s today’s weakness, I think, just because of it’s cultural and ecological vulnerability, that Mongolia can take this place of neutralisation in Eurasian connections<br />
and by this, of course, as I said, influencing global process of today’s change. I  understand Mongolian situation of today as a historical lesson: Influence not by size,  but by being small; civil power instead of military power. This is something to work on and to discuss about, definitely, I think! Understanding the change of Mongolia’s from a global Goliath in the 13th and 14th century to the  David of today, we may find a new idea, how to develop  inner Asian, common Eurasian and even global cultural dialogue today.</p>
<p><em>Epos “Attil and Krimhild” emerged from cultural underground</em></p>
<p>Facing all this, I translated the old and nearly forgotten Chuvash epos “Attil and Krimkilte” into German language and – together with some co-workers &#8211; published it in 2011 in Germany. The Epos tells the story of the king of the Huns, Attil, who died by his love towards the blue-eyed western beauty Kriemkilte. Attil and Kriemkilte, Attila and Kriemhielde are – of course –  known from the German epos of the Nibelung &#8211; and actually it is the same subject: conflict of east and west, migration of people aso. – but the story of Chuvashian epos is told by the view of the Chuvash. The Chuvash understand themselves as children of the Huns, later named as Bolgar, who settled in central Russia after the death of Attil. The epos was delivered orally from 6th century up to the 19th, when it was fixed finally. In time of Stalinism it was  dangerous to death to deal with the epos – because of supposed nationalism.  Only after perestroika it was possible to attend to it openly and so it emerged from underground only in 1992.</p>
<p>I came across the epos, when I met Chuvaschian “national” writer and historic Michail (Mischi) Juchma 1992 in Tscheboksary. We had been talking about  Perestroika and  rebirth of Chuvashian culture – when he suddenly pulled a script out of the depth of one of his cupboards – handwritten – and showed it to me:</p>
<p>Attil and Krimkilte – our forgotten Epos, he explained. O yes, I know, this is possibly part of the Nibelung – ‘our’ epos, I wondered. And so we sat, looking at each other: a son of the ‘old Huns’ (as he explained himself) – and a son the ‘old Germans’ and we understood, that this was a meeting of east an west in a very special sense, will say: we felt, that the story, the different epics about Attil where not property of the east and not of the west, but common Eurasian culture, only told from different sides – with the eye of the Huns respectively with those of the west.</p>
<p>It was then, that I decided to translate and to publish the Chuvashian epos – but it still took a long time. We succeeded to publish the epos in Chuvashia in 2001 in Chuvaschian language – not without my participation, I ought to say – then in Russian language 2006, in Armenian language 2007. Only then, in spring of 2011, we succeeded to publish a German translation in Germany. But all of us – I mean Chuvashian participants as well as German ones, who were involved in that project – are more than happy now, that we succeeded to publish the translation finally, because the translation of this epos into German defenitely proves to be a big step towards a closer dialogue between us, between west an east. By this epos can be shown, can be practically and openly experienced, that Eurasian historical deliveries can’t be divided into “national” or ideological pieces, like, for instance, German NAZIs did with the epos of  Nibelung. Obviously the Chuvasch epos of “Attil and Krimkilte” and the Nibelung are only different epical variants of a common history.</p>
<p>It has been very interesting to find the differences – and on the other hand the coincidences between the different ways of telling the events: as a story of revenge, for instance in the epos of Nibelung – as a story of unhappy love of a great leader, who perishes by this, in the Chuvash version.</p>
<p>I can’t go into details here, of course – You may read about these comparisons in our scientific commentaries in the book. They explain, what was the situation of the time of Attil and in what respect western and eastern tradition differ,  in what respect they equal each other. Investigating the migration of people in 4th and 5th century, which is bound to the name of Attil, we understood, that the development of today’s  Europe and the West, too, cannot be explained without the phenomenon of Attila and his surroundings – for they fought the Roman Empire, they brought feudalism to the western European people and &#8211; getting to know the use of horses by Attila and his Huns &#8211; the early European people developed European culture of knights.</p>
<p>All this is very interesting, exciting and worthwhile to go further into details and to investigate more intensely. And, of course, I would like to tell You the Details, too, how we were welcomed with the book itself and with the idea of going further into the common Eurasian epical space after publishing the book and what proposals already came out of it – in Chuvashia, in Kasan, in Nowosibirsk and at home. Truly – it looks like opening a treasure case, which has been hidden for hundreds of years.</p>
<p><em>What we learned by investigating the Epos ‘Attil and Krimkilte”.</em></p>
<p>But in sake of being short in this text, I will go further now to describe,<br />
how “project 13” developed: Investigating the epos “Attil and Krimkilte”, especially the time after the death of Attil and the retreat of the Huns, which is described in the epos, too, we came across the rise and the fall of Bolgarstan – this empire founded by descendents of the Huns in the centre of today’s Russia. Bolgarstan, like the Epos about Attil itself, is nearly forgotten today, if we don’t talk about specialists. But it was Bolgarstan, that grew up to the strongest Empire in the area between Volga, Ural and Caspi sea after the retreat of the Huns, when Attila had died. And Bolgarstan was strongly related to the Caliphate of Bagdad, the capital of the Islamic Empire, which – after Mohamed &#8211; had developed as  the leading culture in the western hemisphere of that time. And when we started to investigate Bolgarstan, we found, that not the Russian stopped the first wave of Mongolian conquerors, but the Empire of Bolgarstan, after the Russians had been beaten at the river Kalka.</p>
<p>But the most interesting and overwhelming was: We found, that there is a very short time, sort of a corridor at the beginning of the 13th century, which decided the future development not only of Eurasia, but of our world as a whole up to today – beginning with the defeat of the Russian at the Kalka in 1223, proceeding with the long and bloody war between Mongols and Bolgarian people from 1224 up to the total destruction of the Bolgarian Empire 1236. Only after the destruction of Bolgarian Empire – forming sort of a ‘bottle neck’ on the way to the west – the Mongolian troops could go further to the west &#8211; beating the combined western allies at Liegnitz 1241 and then destroying  Bagdad 1258.</p>
<p>And going into the Details of local history, we came across another surprise: We found, that there may be possible new answers to the question, why Mongolian troops did not occupy the western part of Europe, although after the battle of Liegnitz the European country lay before them totally unprotected. Why this? The majority of historics, at least western ones talk about some riddle, which could not be explained. Leading assumption is up today, that Mongolian leaders had to return to Karakorum, because of the death of their leading Chan. – Investigations following the history of Bolgarian Empire are revealing another possible reason:<br />
Exactly in 1241 Bolgarian people went into surrection against Mongolian invaders, which meant, that Mongolian troops, going further than Liegnitz, would have been cut off from their supplies. So Mongolian leaders may have decided to retreat and in a second step preferred going south conquering and burning Bagdad, which was a “closer enemy” to them than the western counties of todays Europe. There are some new archaeological testimonies about bloody battles between Mongols and the Bolgarian resistance near Pensa 1241, which should be recognized. And it should be recognized too, that it seemed to be more important for the Mongols to fight the highly developed Islamic countries than the relatively undeveloped countries of today´s Europe.</p>
<p>To sum up: The events round about the two dates – 1241 Liegnitz  and 1258 Bagdad – changed the relations between east and west fundamentally: The Islamic Empire of  middle age decreased – western Europe increased, took the place of the Caliphate as new global Hegemon, Russia grew frontier between East an West. The middle of the world turned from the centre of Eurasia to its utmost western corner, from where the whole globe was colonized. – And now? This question occurs evidently today, of course. There seem so work some long term historical waves, what may  be understood better, if we understand, what was the origin of earlier waves, how they followed each other and – last not least – in what way they are present in peoples remembrance.</p>
<p>Necessary to add, that the change in 13. century can’t be understood as a consequence of Mongolian invasion only. There have been reasons within the Islamic world, within the development of western part of today’s Europe and within the situation of late “Kiewski Rus”, too. These processes had already been accelerated, when Mongols destroyed Bolgarstan, when they spared Europe and when they cooperated with the Russians in a sort of junior partnership after destroying Bolgarstan. Shortly said: There was a kind of collectivism of the Islamic “Umma”, which had stopped it’s inner development in contradiction to the wide spreading expansion of the empire;  there was a rising of individualism, diversity and variety in western Europe on the other hand as a consequence of Christian believe and there was sort of chaotic space in the centre of Eurasia after destruction of Bolgarstan and late, already deceasing Kiew, in which Moskowien could develop as sort of a buffer zone between Mongolian Empire and western Europe.</p>
<p>These and rather a lot more tendencies had developed. They have to be considered, if one wants to understand, why and how the division of the Eurasian continent into Western Europe and the “remaining rest”  took place after the new establishment of the Mongol empires, of course, but one fact  has to be fixed without any doubt: If the Mongolian conquerors had  n o t  destroyed Bolgarstan first, if they had n o t spared Europe from occupation and at the same time destroyed Bagdad, the inner dynamics of Eurasian continent would have developed in a very different way. And this means, the world in whole would have developed in a different way.</p>
<p><em>Going further with Epos of “Yltanpik”.</em></p>
<p>All these events and tendencies, which occurred by the confrontation of the children of Attil and the Mongolian conquerors in 13th century can be shown by another Epos, which, too, is delivered by Chuvashian folklore. It is the tragedy of Yltanpik, who was the last Zar of Bolgarstan in the beginning of 13th century and who fell together with the fall of  Bolgarian empire. The epos tells the bloody story of the war between Mongolian conquerers and Bolgarian defenders in the time from 1224 to 1236, beginning with the description of life in Bolgarstan, ending with the death of Yltanpik and the destruction of Bolgarstan.</p>
<p>Necessary to say: The Epos about Yltenpik is not the only subject, which was emerging before our eyes, when we  started to look into history, legends and myths before and after the death of Attil. It´s an amazing number of Eurasian epics, legends, myths ore just oral remembrance, which is emerging, if you once begin to look for them:</p>
<p>- There is a more general figure named „Ulyp“: We came across this name, when we were working on the text of „Attil and Krimkilte“. Further investigations in Cheboksary in April 2011 have showen, that there is another, even older epos, compiled by the late Chuvashian author Sijanin. The figure of “ulyp” could be somehow similar to the mythological hero of the western European figure of Arthur.<br />
- There is an Inguschian  Epos about „Narti“, newly found  by a young woman named Anna Kusnetsova, who contacted us.<br />
- There is the Geogian Epos  byRustaveli about the “man in tigershape”,<br />
- there are motives like the tibetian-altaian Cheser Chan, like the Turkish Dede Korkut, a Turk circle of legends a.s.o.</p>
<p>I stop here – because we are only beginning, but a whole cosmos of  common Eurasian remembrances, although shattered into different names, aspects, epics, legends and stories is already opening. We decided to pick them up step by step, while we are dealing with Yltanpik. What we see today, may be called a re-awakening of Eurasia – freed from animosities, divisions, prejustices, which have been separating the continent into civilized and uncivilized, developed and so called underdeveloped areas, into polarities of western enlightment and eastern mysticism  and so on and so on. Instead of that there could grow a new esteem of what is the original, the actual heritage of Eurasia, if it is not cut into national or ideological pieces. I would call this heritage: mutual enrichment by cultural interaction of variety. That may be the message rising from a continent, which is remembering not only its history, as it can be seen by outer facts, but the cultural origins and even spiritual powers behind it.</p>
<p><em>Focussing the next step: Epos about bolgarian Zar Yltanpik.</em></p>
<p>But this is a glance into tomorrow: As to the next step we found, that it will be useful and necessary focussing on the epos of  Yltanpik, which means, working on, talking about this small corridor of time at the beginning of 13th century, when the sight of Eurasian continent changed in that gigantic measure!</p>
<p>Work on the text already started. Behind the epos itself we want to show:<br />
1. The clash in the beginning of 13th century:<br />
- Short story of Bolgarstan before the arrival of the Mongols.<br />
- Story of the wars between 1224 und 1258.<br />
2. Consequences of Mongolian expansion:<br />
- Destruction of the Islamic Caliphates.<br />
- Rise of  Europe.<br />
- Development of Russia as „buffer zone“ in the triangle:<br />
Moscow-Kasan-  Chuvashia (late Bolgarstan).<br />
3. The events of 1224 – 1241 &#8211; 1258, seen with Mongolian eyes.<br />
4. First glance to the common Eurasian mythological space as a future question of investigation  – Ulyp/Gral.<br />
5. Scientific informations: Chronology, names a.s.o.</p>
<p><em>Inviting for cooperation</em></p>
<p>So round about the time of Yltanpik and it´s consequences there is rising a lot of questions to the children of Attila, to those of Great Bolgarstan, to the people living at the Volga today, to Russian, especially Sibirians and people of far east as well as to western historics – and to ourselves, of course. That is one side and some cooperation already started. But there is an equal lot of questions towards Mongolian scientists and to scientists, who deal with Mongolian history, maybe even more, because from that side very little is known in the West, at least at us, concerning the events in the beginning of 13th century. But there is a lot to be found on the Mongolian side, too, I am sure.</p>
<p>Important to emphasize, that we – my-coworkers and I &#8211; are not just interested in differences of views, but more: We think, it´s time, I mean, it is now possible and it is necessary to bring forgotten, repressed, even suppressed memory of Eurasian history into the light of today’s changes. This means collecting, analysing and publishing forgotten or repressed historical  views, legends, epics, myths and even stories and tales, which have been delivered only in oral way or had to survive in political and cultural underground. So this is, what we want to talk about at this congress, hoping to find co-workers, who are interested to go together with us in this project, beginning with the epos of Attil, which only opened a possible discourse, continuing with Yltanpik as the very next step of concrete investigation. Seen from both sides, that means, seen by western, Bolgarian, Russian, and western European eyes as well as by the eyes of Mongolian (ore at least Mongolists) we may find a new understanding, of what was going on at that short time of history at the beginning of 13th century – and which may be the consequences, which have to be kept in mind in respect to today’s global perestroika, when the “middle of the world” seems to be changing again.</p>
<p><strong>Kai Ehlers</strong><br />
<strong>www.kai-ehlers.de</strong></p>
<p>There are three books of mine in German language, dealing directly with questions, which are subject of “project 13”, too. The can be ordered by my internet-address.<br />
•    Asiens Sprung in die Gegenwart – Entwicklung eines Kulturraums inneres Asien, Pforte 2006,  10 € (plus Porto)<br />
•    Attil und Krimkilte, Das tschuwaschische Epos aus dem Sagekreis der Nibelungen, Rhombos, 2012, 42 € (plus Porto)<br />
•    Kultur der Jurte, Probleme der Modernisierung des nomadischen Lebens. Gespräche mit mongolischen Partnern. 14,80 (plus Porto)</p>
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		<title>Attila, Tschingis Chan und globale Perestroika heute &#8211; &#8220;Projekt 13&#8243;</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Sep 2011 08:49:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Projekt 13: Zwischen Attila und Tschingis Chan]]></category>
		<category><![CDATA[Projekte/work in progress]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie die Kinder Tschingis Chans mit den Kindern Attils zusammenstießen – Wandlungen der globalen Beziehungen im 13. Jahrhundert und heute. Auf der Suche nach einem neuen Verständnis davon, was die „Mitte der Welt“ sein könnte. Aktuelle Fassung des "Projekt 13", vorgestellt beim 10. Kongress der Mongolisten in Ulaanbaatar. (Eine englische Fassung liegt unter "Vorträge dokumentiert")
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li><strong> </strong></li>
</ul>
<div id="attachment_4226" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><img class="size-medium wp-image-4226" title="2011 06 Mongolei 1 021" src="http://kai-ehlers.de/wp-content/uploads/2011-06-Mongolei-1-021-225x300.jpg" alt="Rede beim Kongress in Ulaanbaatar" width="225" height="300" /><p class="wp-caption-text">Vortrag beim Kongress in Ulaanbaatar, August 2011</p></div>
<p><strong>Wie die Kinder Tschingis Chans mit den Kindern Attils zusammenstießen – Wandlungen der globalen Beziehungen im 13. Jahrhundert und heute. Auf der Suche nach einem neuen Verständnis davon, was die „Mitte der Welt“ sein könnte. Kurz: Vorstellung und Erklärung des „Projekt 13“.Ulaanbaatar 09.08.2011</strong></p>
<p>(überarbeitete Fassung eines Vortrags auf dem 10. Kongreß der Mongolisten vom 9.- 13. 08. 2011 in Ulaanbaatar  Der Kongreß wurde von der „Internatioalen Assoziation der Mongolisten“ (IAMS) in Ulanbaatar organisiert)</p>
<p>Liebe Freunde, willkommen zu diesem Vortrag! Da ich kein professioneller Mongolist  bin, sondern eigenständiger Forscher, der die Russische Perestroika und deren Konsequenzen für Russland selbst und darüber hinaus für die Welt untersucht, bin ich sehr froh, die Gelegenheit zu haben, zu Ihnen über eine Frage zu sprechen, die sich im Zuge meines 25jährigem Forschen zu Fragen der Perestroika hinter den bloßen politischen Fragen auftut. Es ist die Frage nach einem gemeinsamen Eurasischen kulturellen und mythologischen Raum, der sich heute öffnen könnte, in welche ich mich selbst zusammen mit Freunden in Deutschland und in Rußland in den letzten Jahren mehr und mehr involviert sehe. Je länger ich an dieser Frage arbeitete desto mehr entwickelte sie sich von einer einfachen Frage in ein handfestes Projekt, das mir nicht nur unter historischen Gesichtspunkten interessant zu sein scheint, sondern das auch zur Entwicklung neuer Vorstellungen über den heutigen Wandlungen inspiriert.<br />
Die Frage lautet: Welche Rolle hat die Mongolische Expansion am Anfang des 13. Jahrhunderts für den Niedergang der mittelalterlichen Islamischen Kultur, für den Aufstieg der westlichen Zivilisation und für die Entstehung von Rußland gespielt? In anderen Worten: Was war der Grund für die Teilung des Eurasischen Kontinentes in Europa als „Westen“ und als „Mitte der Welt“ und den verbleibenden Teil Eurasiens als „Osten“, gerade gut dafür kolonisiert zu werden? Wie ging das vor sich – und schließlich, aber nicht zuletzt: wie können wir diese Teilung heute überwinden?</p>
<p><strong>Zum besseren Verständnis:</strong><br />
<strong> Die Rolle der Mongolei heute – wie sie gesehen werden kann.</strong></p>
<p>Obwohl die Mongolei heute ein kleines Land mit gerade drei Millionen Einwohnern ist, ist es doch dazu bestimmt, eine entscheidende Rolle in der globalen Perestroika zu spielen, denke ich. Es kann den Platz eines neutralisierenden, den Platz eines beruhigenden Faktors zwischen Weltmächten einnehmen, Weltmächten, die miteinander um Einfluß auf den Eurasischen Kontinent konkurrieren und auf diesem Wege um Kontrolle über die Welt.<br />
Ich muß nur an das bekannte Buch „Die einzige Weltmacht“ des US-Strategen  Sbigniew Brzezinski erinnern, der sich bemüht zu zeigen, daß Amerika den Eurasischen Kontinent als Haupthebel nutzen müsse, um seine Weltherrschaft zu sichern.<br />
Ich möchte sogar sagen: Gerade in ihrer heutigen Schwäche, gerade in ihrer kulturellen und  ökologischen Verletzbarkeit liegt der Grund dafür, daß die Mongolei heute den Platz der Neutralität im Geflecht der Eurasischen Beziehungen einnehmen und dadurch, versteht sich, die globalen Prozesse der heutigen Veränderung beeinflussen kann. Ich sehe in der heutigen Situation der Mongolei eine historische Lehre: Einfluß nicht durch Größe, sondern dadurch klein zu sein, zivile, statt militärische Macht! Das ist etwas, wozu gearbeitet und diskutiert werden kann, unbedingt. In der Verwandlung der Mongolei vom globalen Goliath im 13. und 14. Jahrhundert zu dem David von heute können wir ein neues Verständnis für den kulturellen Dialog im inneren Asien, im ganzen Eurasien und sogar im globalen Maßstab finden.</p>
<p><strong>Das Epos „Attil und Krimkilte“ taucht aus dem Untergrund auf.</strong></p>
<p>Dies alles vor Augen, habe ich das alte, nahezu vergessene Tschuwaschische Epos „Attil und Krimkilte“ ins Deutsche übersetzt – zusammen mit einigen Kollegen – und im Frühjahr 2011 in Deutschland veröffentlicht. Das Epos erzählt die Geschichte des Hunnenkönigs Attila, der an seiner unglücklichen Liebe zu der westlichen Schönheit Krimkilte zu Tode kam. Attil und Kriemklte, an der Attila und Kriemhilde sind natürlich bekannt aus dem deutschen, bzw. westlichen Epos der Nibelungen – und tatsächlich geht es um den selben Stoff: um den Konflikt von Ost und West nämlich, um die Wanderungsbewegungen der Völker etc. – aber die Gesichte des Tschuwaschischen Epos wird aus hunnischer Sicht erzählt. Die Tschuwaschen verstehen sich als Kinder der Hunnen, später Bolgaren genannt, die sich nach dem Tod Attilas im heutigen Zentralrußland ansiedelten. Das Epos wurde seit dem 6. Jahrhundert mündlich überliefert, bis es im 19. Jahrhundert schließlich erstmals fixiert wurde. In der Zeit des Stalinismus war es lebensgefährlich sich mit dem Epos zu befassen – wegen des Beschuldigung des Nationalismus. Erst nach Perestroika war es möglich, sich öffentlich zu dem Epos zu stellen, und so tauchte es erst 1992 aus dem Untergrund auf.<br />
Ich wurde mit dem Epos erstmals bekannt, als ich den Tschuwaschischen „Nationalschriftsteller“ und Historiker Michail (Mischi) Juchma 1992 in Tscheboksary an der Wolga traf. Wir sprachen über Perestroika und die Wiedergeburt der tschuwaschischen Kultur, als er auf einmal ein Manuskript aus der<br />
Tiefe einer seiner Truhen hervorzog – handgeschrieben – und mir zeigte.<br />
Attil und Krimkilte – unser vergessenes Epos, erklärte er. Oh ja, ich weiß, das ist sicher ein Teil des Nibelungenliedes – ‚unser’ epos, vermutete ich.  Und so saßen wir da und schauten einander an: ein Sohn der ‚alten Hunnen’ (wie er selbst erklärte) und ein Sohn der ‚alten Germanen’ und wir verstanden, das dies ein Ost-West-Treffen der ganz besonderen Art war. Wir fühlten, daß die Geschichte, daß die unterschiedlichen Epen über Attila nicht Eigentum des Ostens oder des Westens sind, sondern gemeinsames Eurasisches Kulturgut, nur von unterschiedlichen Seiten her berichtet – aus der Sicht der Hunnen beziehungsweise aus der des Westens.<br />
Damals entschied ich mich, das Tschuwaschische Epos ins Deutsche zu übertragen – aber das dauerte doch noch eine lange Zeit. 2001 gelang es uns gemeinsam, das Epos in Tschuwaschischer Sprache  in Tschuwaschien zu veröffentlichen, nicht ohne meine Beteiligung, muß ich dazu sagen, 2006 folgte es in russischer Sprache, 2007 in armensicher. Er danach, im Frühjahr 2011, schafften wir die Übersetzung ins Deutsche und die Veröffentlichung in Deutschland. Dafür sind aber auch alle, die in das Projekt einbezogen waren, &#8211; also Tschuwaschen ebenso wie deutsche Teilnehmer, jetzt mehr als glücklich, daß wir es endlich geschafft haben, denn die Übersetzung dieses Epos ins Deutsche erweist sich als großer Schritt zu einer Vertiefung des Dialoges zwischen Ost und West. Mit diesem Epos kann gezeigt werden, kann praktisch und öffentlich erfahren werden, das Eurasische historische Überlieferungen nicht in nationale oder ideologische Stücke geteilt und vereinnahmt werden können, wie es zum Beispiel die NAZIS mit dem Epos der Nibelungen machten. Es ist nur allzu offensichtlich, das das Tschuwaschische Epos zu „Attil und Krimkilte“ und das der Nibelungen nur unterschiedliche epische Varianten einer gemeinsamen Geschichte sind.<br />
Es war sehr interessant die Unterschiede – und auf der anderen Seite die Übereinstimmungen herauszufinden, die zwischen den verschiednen Arten bestehen, wie der Stoff erzählt wird: als eine Geschichte der Rache im Epos der Nibelungen, als Geschichte der unglücklichen Liebe einer großen historischen Figur, die an dieser Liebe zugrunde ging, in der tschuwaschischen Version.<br />
Ich kann hier natürlich nicht in weitere Details gehen. In den wissenschaftlichen Kommentaren unseres Buches können sie mehr über diese Vergleiche lesen. Sie erklären, was für Verhältnisse zur Zeit Attilas bestanden, in welcher Hinsicht westliche und östliche Erzählung sich voneinander unterscheiden, in welcher sie übereinstimmen. Indem wir die Wanderungsbewegungen der Völker im 4. und 5. Jahrhundert untersuchten, die mit dem Namen Attila verbunden sind, wurde uns vollkommen klar, daß die Entwicklung des heutigen Europa, wie darüber hinaus die des Westens nicht erklärt werden kann, ohne das Phänomen Attila und seine Umgebung einzubeziehen – denn es sie waren es, die das römische Imperium ins Wanken brachten; sie brachten den Feudalismus zu den westlichen Völkern und – indem den Nutzen von Pferden durch Attila und seine Hunnen kennengelernt hatten – entwickelten die frühern Europäischen Völker ihre Kultur der Ritter.<br />
All dies ist äußerst interessant und wert weiter im Einzelnen untersucht zu werden. Und selbstverständlich würde ich hier auch gern berichten, wie wir mit dem Buch selbst und mit der Idee, weiter in den gemeinsamen Eurasischen Raum vorzudringen, nach der Veröffentlichung des Buches willkommen geheißen wurden und was sich an Anregungen bereits entwickelt – in Tschuwaschien, in Kasan, in Nowosibirsk und zu Hause. Wahrhaftig – es ist, als ob eine Schatztruhe geöffnet  würde, die über hunderte von Jahren versteckt war.</p>
<p><strong>Was wir durch die Untersuchung von „Attil und Kriemkilte“ lernten</strong></p>
<p>Im Interesse der Kürze dieses Textes muss ich aber doch jetzt fortfahren zu beschreiben, wie das „Projekt 13“ weiter entstand: Durch die Untersuchung des Epos „Attil und Krimkilte“, besonders der Zeit nach dem Tode Attils und dem Rückzug der Hunnen, die auch im Epos beschrieben ist, stießen wir auf  den Aufstieg und den Fall Bolgarstans – dieses Imperiums, das von den Nachkommen Attilas im Zentrum des heutigen Rußland gegründet wurde.<br />
Bolgarstan, so wie das Epos selbst, ist heute nahezu vergessen, wenn man von Spezialisten absieht. Aber es war Bolgarstan, das nach dem Tod Attils und dem Rückzug der hunnischen Völker zum stärksten Reich im Gebiet zwischen Wolga, Ural und kaspischem Meer anwuchs. Bolgarstan war stark verbunden mit dem Kalifat von Bagdad, der Hauptstadt des islamischen Imperiums, das – nach Mohammed – sich zur führenden Kultur  in der westlichen Hemisphäre jener Zeit entwickelt hatte. Und als wir begannen Bolgarstan zu untersuchen, fanden wir, dass nicht die Russen die erste Welle der Mongolischen Eroberer stoppten, sondern das Bolgarische Reich, nachdem die Russen an der Kalka geschlagen worden waren.<br />
Am interessantesten wurde für uns die Tatsache, daß es nur einen sehr kurzen Zeitabschnitt gibt, eine Art Korridor am Eingang zum 13. Jahrhundert, in dem sich nicht nur die zukünftige Entwicklung Eurasiens, sondern die unserer Welt als Ganzes entschied: Er beginnt mit der Niederlage der Russen an der Kalka 1223, setzt sich fort in dem zwölfjährigen blutigen Krieg zwischen Mongolen und Bolgaren von 1224 bis zur völligen Zerstörung des Bolgarischen Reiches 1236. Erst nach der Zerstörung des Bolgarischen Reiches, das eine Art Pfropfen im Flaschenhals auf dem Weg in den Westen war, konnten die Mongolischen Truppen  weiter nach Westen ziehen.  1241 schlugen sie bei Liegnitz die westlichen Heere, 1258 zerstörten sie Bagdad.<br />
Als wir in die Details der Geschichte vor Ort gingen, stießen wir auf eine weitere Überraschung: Wir sahen, das es möglicherweise noch neue Antworten auf die Frage gibt, warum die Mongolischen Truppen den Westen Europas nicht besetzten, obwohl nach der Schlacht bei Liegnitz das europäische Gebiet vollkommen schutzlos vor ihnen lag. Warum dies? Die Mehrheit der westlichen Historiker spricht von einem Rätsel, das nicht erklärt werden könne. Die herrschende Meinung ist bis heute, daß die Mongolischen Heerführer wegen des Todes ihres höchsten Chans nach Karakorum hätten zurück kehren müssen. – Untersuchungen der Geschichte Bolgarstans lassen jedoch einen anderen möglichen Grund erkennen: Genau 1241 ging die Bevölkerung Bolgarstans noch einmal in einen Aufstand gegen die mongolische Fremdherrschaft, was bedeutete, das die mongolischen Truppen, wenn sie über Liegnitz hinaus vorgerückt wären, von ihrem Hinterland hätten abgeschnitten werden können. So mögen denn die mongolischen Führer sich zum Rückzug entschieden und im nächsten Schritt vorgezogen haben, Bagdad zu erobern und niederzubrennen, das ein „engerer“ Feind für sie war als die Gebiete des heutigen Europa.<br />
Es gibt zu diesen Vorgängen einige neuere archäologische Zeugnisse in der Nähe Pensas im Jahr 1241 über blutige Schlachten zwischen Mongolen und dem bolgarischen Widerstand, die zu berücksichtigen sind. Zu berücksichtigen ist auch die Tatsache, daß es den Mongolen offenbar wichtiger schien, die hochentwickelten islamischen Länder als das gering entwickelte Europa zu unterwerfen.<br />
Zusammengefaßt: Die Ereignisse rund um die beiden Daten – 1241 Liegnitz und 1258 Bagdad – veränderten die Beziehungen zwischen Ost und West fundamental: Niedergang des islamischen Kulturraums, Aufstieg Europas; Eurapa übernahm den Platz des Kalifates als neuer globaler Hegemon, Rußland wurde zur Grenze zwischen Osten und Westen.  Die Mitte der Welt wanderte vom Zentrum Eurasiens an seinen äußersten westlichen Rand, von wo aus die gesamte Welt kolonisiert wurde. – Und heute? Es scheinen lange Wellen der Geschichte zu wirken, was besser zu verstehen sein kann, wenn wir untersuchen, wenn wir begreifen, was der Ursprung der früheren Wellen war, wie sie aufeinander folgten und – nicht zuletzt – in welcher Weise sie in der Erinnerung der Völker gegenwärtig sind.<br />
Notwendig zu ergänzen ist selbstverständlich, daß die Wandlungen im 13. Jahrhundert nicht nur als Ergebnis der mongolischen Invasion zu verstehen sind! Es gab auch innere Gründe, Entwicklungen innerhalb innerhalb der muslimischen Welt, innerhalb der westlichen und innerhalb des Zustandes der späten „Kiewsker Rus“. Diese Prozesse hatten sich bereits aufgebaut, als die Mongolen Bolgarstan zerstörten, als sie Europa aussparten und als sie nach der Zerstörung Bolgarstans mit Rußland in einer Art Junior-Partnerschaft kooperierten. Kurz benannt: Es gab eine Art Kollektivismus in der islamischen „Umma“, die deren innere Entwicklung im Widerspruch zu der extrem ausladenden Expansion des Imperiums bremste; es gab demgegenüber einen sich entwickelnden Individualismus, Differenzierungen und Unterschiedlichkeiten als Konsequenz des christlichen Glaubens im westlichen Europa und es gab einen relativ chaotischen Raum im Zentrum Eurasiens nach der Zerstörung Bolgarstans und dem späten, schon niedergehenden Kiew. In diesem Raum konnte Moskau sich als Puffer zwischen dem mongolischen Empire und dem westlichen Europa entwickeln.<br />
Diese und noch eine Menge weiterer Tendenzen hatten sich entwickelt. Sie müssen bedacht werden, wenn man verstehen will, warum und wie die Teilung des Eurasischen Kontinentes in West Europa und den „verbleibenden  Rest“ nach den Mongolischen Eroberungen stattfand. So oder so aber steht als Tatsache zweifelsfrei fest: Hätten die Mongolischen Eroberer n i c h t  erst Bolgarstan zerstört, hätten sie  n i c h t Europa von einer Besetzung ausgespart und zugleich Nagdad zerstört, dann hätte die innere Dynamik des Eurasischen Kontinentes einen sehr anderen Weg genommen. Und das bedeutet, daß die Welt insgesamt sich anders entwickelt hätte.</p>
<p><strong>Weiter mit dem Epos „Yttanpik“</strong></p>
<p>Alle diese Ereignisse und Tendenzen, die mit der Konfrontationn der Kinder Attils und den Mongolischen Eroberern im 13. Jahrhundert zusammenhängen, können an einem weiteren Epos gezeigt werden, das ebenfalls durch die Tschuwaschische Tradition überliefert ist. Es handelt sich um die Tragödie um Yltanpik. Er war der letzte Zar Bolgarstans am Anfang des 13. Jahrhunderts. Er er fand sein Ende zusammen mit dem Ende des Bolgarischen Reiches. Das Epos erzählt die blutige Geschichte des Krieges zwischen den Mongolischen Eroberern und den Bolgarischen Vertedigern in der Zeit von 1224 bis 1236. Es beginnt mit der Beschreibung des Lebens in Bolgarstan, es endet mit dem Tod Yltanpiks und der Zerstörung des Bolgarischen Reiches.<br />
Wichtig ist festzuhalten: Das Epos über Yltenpik ist keineswegs der einzige epische Stoff, der vor unseren Augen auftauchte, als wir begannen in die Geschichte, in die Legenden und in die Mythen vor und nach dem Tode Attils hinein zu schauen. Es ist eine erstaunliche Anzahl von Eurasischen Epen, Legenden, Mythen oder auch nur mündlichen Erinnerungen, die auftauchen, sobald man beginnt nach ihnen zu schauen:<br />
- Da ist eine allgemeinere Figur unter dem Namen „Ulyp. Wir stießen auf diesen Namen, als wir am Text „Attil und Krimkilte“ arbeiteten. Nachforschungen in Tscheboksary im April 2011 zeigten, daß es da ein weiteres, noch älteres Epos gibt, zusammengestellt durch den Tschuwaschischen Autor Sijanin. Die Figur des „Ulyp“ könnte gewisse Ähnlichkeiten mit dem westlichen mythologischen König Arthur haben.<br />
- Da ist ein Inguschisches Epos über die „Narti“. Es wurde uns bekannt durch eine junge Frau, Anna Kusnetsowa , die daran zur Zeit arbeitet und uns kontaktierte.<br />
- Da ist das Georgische Epos von Rustaveli über den „Mann im Tigergestalt“,<br />
- Da gibt es Motive wie den tibetisch-altaischen Cheser Chan, den türkischen Dede Korkut, einen türkiswchen Kreis von Legenden usw. usf.<br />
Ich halte hier ein – denn wir beginnen erst, aber schon öffnet sich ein ganzer Kosmos gemeinsamer Erinnerungen, wenn auch zersplittert in verschiedene Namen, Aspekte, Epen, Legenden und verschiedene Geschichten. Wir haben wir uns entschieden, sie behutsam Schritt für Schritt mitzunehmen, während wir uns mit Yltanpik befassen. Was wir heute sehen, kann man ein Wiedererwachen Eurasiens nennen – befreit von Feindlichkeiten, Teilungen, Vorurteilen, die den Kontinent in zivilisierte und unzivilisierte, in entwickelte und sogenannte unterentwickelte Gebiete, in Polaritäten von westlicher Aufklärung und östlichem Mystizismus usw. geteilt haben. Anstelle dessen  könnte eine neue Wertschätzung dafür treten, was das ursprüngliche, das wirkliche Erbe Eurasiens ist, wenn es nicht in nationale oder ideologische Stücke geteilt wird. Ich würde dieses Erbe als gegenseitige Bereicherung durch kulturelle Wechselwirkung und Vielfalt bezeichnen. Das könnte die Botschaft sein, die von einem Kontinent ausgeht, der nicht nur seine Geschichte erinnert, wie sie an äußeren Tatsachen gesehen werden kann, sondern die kulturellen Ursprünge und auch die spirituelle Kraft hinter ihnen.</p>
<p><strong>Konzentration auf den nächsten Schritt:</strong> <strong>Zar Yltanpik</strong></p>
<p>Aber dies ist schon der Ausblick auf Morgen: Als nächsten Schritt finden wir es nützlich und notwendig, uns auf das Epos über Yltanpik zu konzentrieren, das heißt zu arbeiten und zu sprechen über diesen schmalen Zeitkorridor am Anfang des 13. Jahrhunderts, aus dem heraus die Gestalt Eurasiens sich in dieser gigantischen Weise veränderte.</p>
<p>Die Arbeit am Text hat bereits begonnen. Über den Text des Epos hinaus möchten wir zeigen:<br />
1. Den Zusammenstoß am Beginn des 13. Jahrhunderts:<br />
- Kurze Geschichte Bolgarstans vor der Ankunft der Mongolen.<br />
- Geschichte der Kriege zwischen 1224 und 1258.<br />
2. Konsequenzen der Mongolischen Expansion:<br />
- Zerstörung des Islamischen Kalifates.<br />
- Aufstieg Europas.<br />
- Entwicklung Rußlands als Puffer im Dreieck<br />
Moskau-Kasan-  Tschuwaschien( früheres Bolgarstan).<br />
3. Die Ereignisse zwischen 1224 und 1258 aus mongolischer Sicht.<br />
4. Erste Sausblicke auf den gemeinsamen eurasischen Mythenraum als Anregung für zukünftige Forschung – Ulyp/Gral.<br />
5. Wissenschaftler Apparat: Chronolgie, Namen etc.</p>
<p><strong>Einladung zur Zusammenarbeit</strong></p>
<p>Rund um die die Zeit Yltanpiks entsteht so eine ganze Reihe von Fragen. Sie stellen sich an die Kinder Attilas, an die Nachkommen Bolgarstans, an die Menschen, die heute an der Wolga leben, an Russen, insbesondere an die Sibiriaken und an die Menschen im fernen Osten Rußlands wie auch an westliche Historiker – und selbstverständlich auch an uns selbst. Das ist die eine Seite und Kooperationen dazu haben bereits begonnen.<br />
Aber da ist eine ähnliche Reihe von Fragen, die sich an mongolische Forscher und an Wissenschaftler stellt, die sich mit Mongolischer Geschichte befassen. Mag sogar sein, daß die Reihe der Fragen hier noch länger ist, weil von dieser Seite her sehr wenig im Westen bekannt ist, zumindest gilt das für uns, soweit es die konkreten Ereignisse am Beginn des 13. Jahrhunderts betrifft. Aber ich bin sicher, daß es da eine Menge Erinnerungen zu finden gibt.</p>
<p>Wichtig hervorzuheben, hat wir – meine Kollegen und ich – nicht nur an verschiedenen Sichtweisen interessiert sind, sondern mehr: Wer denken, es ist an der Zeit, das heißt, es ist jetzt möglich und nötig vergessene, verdrängte und sogar unterdrückte Erinnerungen an Eurasische Geschichte ins Licht der heutigen Wandlungen zu heben. Das bedeutet sammeln, analysieren und veröffentlichen vergessener und verdrängter historischer Sichtweisen, Legenden, Epen, Mythen und auch einfacher Geschichten und Erzählungen, die mündlich überliefert wurden und im politischen, bzw, kulturellen Untergrund überleben mußten. Darüber möchten wir hier auf dem Kongreß wie allgemein sprechen in der Hoffnung Menschen zu finden, die interessiert sind, mit uns zusammen in dieses Projekt zu gehen, das mit dem Epos „Attil und Krimkilte“ begann, und mit uns den nächsten Schritt konkreter Untersuchung rund um die Zeit Yltanpiks zu tun. Von zwei Seiten betrachtet, gesehen mit westlichen, mit bolgarischen, mit russischen, mit westeuropäischen Augen, wie auch mit den Augen der Mongolen (oder zumindest von Mongolisten) können wir ein neues Verständnis dazu finden, was in der kurzen Zeit am Beginn des 13. Jahrhunderts unserer Geschichte geschah – und welches die Konsequenzen sein könnten, die wir heute zu bedenken haben, wenn sich im Zuge der globalen Perestroika die „Mitte der Welt“ erneut zu verschieben beginnt.</p>
<p><strong>Kai Ehlers</strong><br />
<strong> www.kai-ehlers.de</strong></p>
<p>Es gibt drei Bücher von mir, die sich direkt mit den hier angesprochenen Fragen befassen. Sie können über meine Adresse bestellt warden: info@kai-ehlers.de</p>
<p>•    Asiens Sprung in die Gegenwart – Entwicklung eines Kulturraums inneres Asien, Pforte 2006,  10 € (plus Porto)<br />
•    Attil und Krimkilte, Das tschuwaschische Epos aus dem Sagekreis der Nibelungen, Rhombos, 2012, 42 € (plus Porto)<br />
•    Kultur der Jurte, Probleme der Modernisierung des nomadischen Lebens. Gespräche mit mongolischen Partnern. 14,80 (plus Porto)</p>
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