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	<title>Kai Ehlers &#187; Forum Integrierte Gesellschaft</title>
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	<description>Kai Ehlers, Russlandforscher, stellt sich vor</description>
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		<title>Suche nach Sinn heute – Dejá vue aus dem 20. Jahrhundert?</title>
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		<pubDate>Thu, 12 May 2011 20:35:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sinnsuche und Heilserwartungen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts - Sinnsuche und Heilserwartungen heute. Was verbindet sie? Was unterscheidet sie? Vor hundert Jahren stürzten Kriegs- und Krisentraumata, Zivilisationskritik und Rückwendungen zur Natur in den Faschismus ab. Was erwartet uns heute?
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auswertung des 13. Treffens vom 8.5.2011,      Einladung zum Treffen am  23.07.2011</p>
<p>Liebe Freundinnen, liebe Freunde, des Forums integrierte Gesellschaft,</p>
<p>Beginnen wir heute einmal vom Ende her: Als Ergebnis ihres Treffens haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zurückliegenden Forums-Runde beschlossen, für das nächste Mal das Buch von Jochen Kirchhoff „Nietzsche, Hitler und die Deutschen – die Perversion des neuen Zeitalters“ zum Ausgangspunkt der kommenden Gesprächsrunde zu nehmen. Kirchhoff analysiert in seinem Buch die Sinnsuche am Anfang des letzten Jahrhunderts, die dem Schock des 1. Weltkriegs folgte, in dem der Mensch sich von der Maschine entwertet sah. Vor diesem Hintergrund skizziert er die heutige Krise und die heutige Sinnsuche als eine Art zweiten Anlauf auf neuem Niveau, ein dejá vue von historischen  Ausmaßen. Er stellt die Frage, ob wir dieses Mal die Antworten finden, die uns den notwendigen Sprung in die Zukunft ermöglichen, statt uns – wie beim ersten Anlauf im letzten Jahrhundert – in den Abgrund von Faschismus und Weltkrieg zu  stürzen. Das Buch ist antiquarisch für wenige Euro zu erwerben.</p>
<p>Die Tatsache, dass dieses Buch bereits 1990 erschien, macht es aber nicht inaktuell, sie unterstreicht vielmehr noch seine Aktualität: es erschien in der Zeit des offenen Umbruchs unserer Nachkriegsordnung, unserer Wertekoordinaten, deren Folgen bis heute andauern. Die Wellen der Veränderung, die von dieser Zeit ausgingen, breiten sich bis heute aus, nehmen immer neue Formen an und verstärken sich mit aktuellen Ereignissen zu neuer, sich beschleunigender Dynamik. Nehmen wir nur die letzten, in den Medien noch meldefähigen Ereignisse: Fukushima – Krise der technischen Moderne; die Arabische Rebellionen – Krise der nach-kolonialen Welt; die Bombardierung Libyens – NATO- und EU-Krise; die öffentliche Exekution Usama Bin Ladens – Offenbarung der ethischen Krise einer kapitalisierten Welt; die unaufhaltsamen Flüchtlingsströme – in deren Zug die „Überflüssigen“ der globalisierten Welt in die Zentren strömen. Jede Woche bringt neue Unruhe, mal als Plätschern, mal als Donnern. Viele Menschen wissen schon nicht mehr, wohin sie zuerst schauen sollen – oder ob sie lieber überhaupt nicht mehr hinschauen und hinhören wollen. Die Sehnsucht nach Auswegen aus der Krise wird immer stärker, die dazu vorgeschlagenen Wege ähneln immer mehr jenen, die auch vor hundert Jahren schon bedtreten wurden: Erneuerung der Gesellschaft, Erneuerung und Verbesserung des Menschen, Suche nach Gesundung in einer neuen Verbindung mit der Natur etc. etc. bis hin zu Heilserwartungen im Jahre 2012, die aus dem Maya-Kalender und ähnlichen Voraussagen abgeleitet werden – sofern aus ihnen nicht umgekehrt nur der endgültige „Crash“ herausgelesen wird.</p>
<p>In dieser Situation scheint es angemessen, den Blick auf die langen Wellen der Geschichte zu richten, die sich in den aktuellen Ereignissen zeigen, um wenigstens ansatzweise eine Orientierung zu behalten, klarer gesagt, wenigstens eine Ahnung zu gewinnen, was mit uns heute geschieht, ob wir mit oder ob wir gegen den Strom schwimmen wollen, was überhaupt „mit“, was „gegen“ bedeutet und was zu tun sein kann.</p>
<p>In diesem Bemühen haben wir beim letzten Treffen des Forums einen Gang durch die Ereignisse der letzten Zeit gemacht. Das soll hier nicht alles referiert werden. Wer dabei war, wird sich erinnern, wer nicht dabei war, wird herzlich eingeladen, sich beim nächsten Treffen einzuklinken. Nur soviel sei zur Orientierung für diejenigen zusammengefasst, die aus unterschiedlichen Gründen vor Ort nicht dabei sein können:  Wir sehen uns heute in einer Entwicklung, welche die von Europa ausgegangene Kolonisierung, durchaus auch auch Zivilisierung der Welt in einer den ganzen Planeten umfassenden Bewegung relativiert. Anders gesagt, Europa verliert seine Rolle als Mitte der Welt in zunehmendem Tempo, in die es Anfang des 13. Jahrhunderts gekommen war, nachdem die damalige Mitte, das muslimische Kalifat Bagdads zusammen mit dem bolgarischen Reich im heutigen Mittelrussland, durch die mongolische Invasion vernichtet worden war, das westliche Europa aber verschont blieb.  Nachdem die Vorherrschaft Europa selbst schon durch den ersten und dann durch den 2. Weltkrieg in Frage gestellt war, verliert auch der Begriff „Westen“ als Synonym für Fortschritt und Zivilisation nach europäischem Vorbild heute seinen Sinn. Diese Umwertung schließt die Krise des US-Imperiums ebenso ein wie vorher schon die der Sowjetunion. Heute bildet sich eine neue Gewichtung heraus.</p>
<p>Salopp formuliert: Perestroika hat globale Ausmaße erreicht. Die Umwandlungen betreffen die demographische Entwicklung ebenso wie die technische und politische. Das „Heer der Überflüssigen“, kann mit Zäunen, ja selbst mit militärischer Gewalt nicht abgewehrt werden, wie die Vorgänge in Nordafrika schon jetzt deutlich erkennen lassen. Letztlich handelt es sich um eine Krise der christlich-abendländischen, nach-kolonialen Werteordnung, die einen leeren Raum entstehen lässt, in den Neues – Migranten der südlichen, ehemals von Europa kolonisierten Welt und ihre Werte – einströmen. Die Aktualität des Islam mit seinem ganzheitlichen Angebot einer Einheit von Gott und Welt, ebenso wie die Ausbreitung des Buddhismus in seinen verschiedenen Formen im Westen, die hilflosen Militärmanöver der westlichen Bündnisse gegen die aufbrechenden Gesellschaften in Afrika und Asien sind Ausdruck dieser Entwicklung – die im Übrigen erst beginnt. Sie wird tiefgreifende Veränderungen der herrschenden Werteordnung nach sich ziehen – auch gegen den Widerstand des „Westens“. Besser wäre es, von Anfang an in den Dialog um die anstehenden Veränderungen miteinander zu gehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Frage lautet schlicht: Wie kann die neue Welt aussehen, so dass es keine „Überflüssigen“ mehr gibt? Womit und wie kann der Mensch sich gegen eine wuchernde Technik, die ihn zum Erfüllungsgehilfen oder gar Objekt technischer Abläufe degradiert, als Mensch behaupten – sich gar mit Hilfe der Technik als Mensch weiter entwickeln? Das sind Fragen, die heute den g a n z e n  Globus betreffen, jetzt 6.3 Mrd. Menschen, in einer Generation möglicherweise 9 oder 10 Mrd. und nicht mehr nur eine privilegierte westliche Minderheit. Vor diesem Hintergrund – damit sind wir wieder bei dem Buch von Kirchhoff – stellen sich die Fragen dringender als je zuvor: Gibt es Alternativen? Gibt es Erneuerung, gibt es Heilung und wie könnte sie aussehen, wenn sich nicht der Absturz des vorigen Jahrhunderts in rassistische und gewaltsame „Lösungen“ wiederholen soll?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Unser nächstes Treffen steht daher unter der Frage:</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Suche nach Sinn heute – Dejá vue aus dem 20. Jahrhundert?</strong></p>
<p><strong>Am 23.07.2011, 16.00 Uhr in der Rummelsburgerstr. 78 (U-1,  Farmsen)</strong></p>
<p>Wie üblich bringt Zeit, Freunde und ein bisschen zu Kabbern mit.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Bitte versucht das Buch gelesen zu haben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Es grüßt Euch  herzlich</p>
<p>im Namen des Forums        Kai Ehlers</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>(Diesen Text und die Protokolle der vorausgegangenen Treffen findet Ihr auch auf meiner Website – <a href="http://www.kai-ehlers.de/">www.kai-ehlers.de</a> unter Forum integrierte Gesellschaft)</p>
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		</item>
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		<title>Arabien, Japan &#8211; Übergänge wohin?</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2011-03-24-arabien-japan-ubergange-wohin</link>
		<comments>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2011-03-24-arabien-japan-ubergange-wohin#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 10:10:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist eine beunruhigende Reihe: Islam, China, Arabien, Japan - bevor wir Zeit und Kraft gefunden haben, das Eine wahrzunehmen, werden wir schon wieder getrieben, uns dem Nächsten zuzuwenden? Wann gab es zuletzt eine solche Phase, in der sich die Ereignisse derart verdichteten? 
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Forum integrierte Gesellschaft                                         Mittwoch, 23. März 2011<br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p>Liebe Freundinnen, liebe Freunde<br />
des Forums integrierte Gesellschaft,</p>
<p>Es ist eine beunruhigende Reihe: China hatten wir auf die Tagesordnung unseres vorletzten Treffens gesetzt – wir sahen uns veranlasst, uns mit den arabischen Ereignissen zu befassen. Arabien sollte auch weiterhin das Thema sein – da kam Japan dazu. Wie hängt das Eine mit dem anderen zusammen? Oder werden wir einfach nur durch zufällige Ereignisse gehetzt? Bevor wir Zeit und Kraft gefunden haben, das Eine wahrzunehmen, schon wieder getrieben, uns dem Nächsten zuzuwenden? Atemlos?<br />
Wann gab es zuletzt eine solche Phase, in der sich die Ereignisse derart verdichteten? Die Wende ab 1986/87/88? Ja, mit der Auflösung der Sowjetunion als Höhepunkt, dem Ende der Systemteilung, der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, der rasanten Osterweiterung von EU und NATO. Die Nachbeben spüren wir bis heute.<br />
Jetzt haben die Schauplätze gewechselt. Europa liegt plötzlich, wie es scheint, am Rande des Weltgeschehens, das „uns“ zu überrollen scheint: China, Arabien, Japan. Was wird morgen dazukommen? Können wir es noch fassen, konkret, die Konflikte, die Not, das Leiden, strategisch, die Dimension der Veränderung? Oder werden wir wieder einmal erst Jahre nach den gegenwärtigen Ereignissen ansatzweise begreifen, was mit uns geschehen ist?<br />
Die einen kämpfen um Teilhabe an den Errungenschaften der Moderne – Arabien, die anderen demonstrieren mit ihrer Not eben deren Hilflosigkeit. Eine Offenbarung der Grenzen unserer gegenwärtigen Ordnung liegt in beidem:<br />
In Arabien kommt die nach-koloniale Ordnung einer immer noch in 1., 2. und 3.  Welt klassifizierten „Globalisierung“ an die Grenze, in der sie in eine tatsächliche Öffnung der globalen Entwicklungsdynamik übergehen könnte. Die demografische Schrumpfung des Nordens und die explodierende Entwicklung des Südens gehen in den Prozess des Ausgleiches über; wohin dies führen wird, ist eine offene Frage. Die „entwickelte Welt“ zeigt sich verunsichert, gespalten, wie sie reagieren soll, wie sie reagieren kann. Die Zeiten, in denen die Massen der „unterentwickelten Länder“ Afrikas und Asiens von Autokraten und Despoten stellvertretend für den Westen ruhig gehalten werden konnten, scheinen vorbei. Soll man das politische Erwachen dieser Menschen stützen, fördern, nutzen – oder soll man es lieber einschränken und wenn, dann mit welchen Mitteln? Darüber spaltet sich der „Westen“. Die Angst ist groß, dass den bisherigen Hegemonen die Entwicklung aus dem Ruder läuft – zumal auch noch unklar ist, welche Rolle der Islam als Angebot einer anderen als der gegenwärtigen neo-liberalen Globalisierungs-Botschaft dabei spielen wird.<br />
Und Japan? Japan offenbart die Grenzen der technischen Beherrschbarkeit von Natur und Welt – wieder einmal, muss man einschränkend sagen, denn schon frühere Havarien wie in Harrisburg, wie in Tschernobyl haben schon ausreichend belegt, dass diese Technik nicht beherrschbar ist. Endgültig, das wäre daher die den Vorgängen in Japan angemessenere Bewertung – und man muss sich dafür einsetzen, dass sie greift. Aber es stellt sich angesichts der Stellungnahmen, die sich für den weiteren Bau von Atomanlagen aussprechen, schon die Frage, wie viele solcher Offenbarungen es noch geben muss, bevor wir als Menschheit in der Lage sind, daraus Schlussfolgerungen für unsere Lebensweise zu ziehen. Das gilt für jeden einzelnen Menschen ebenso wie für die Völker, Gesellschaften und Staaten, die heute den Globus bewohnen.<br />
Die soziale Verantwortung, das war der Gedanke, der bei diesem Stand des Gespräches hier ins Zentrum trat; sie beginnt dort, wo der einzelne Mensch sich um seine eigenen Entwicklungsmöglichkeiten als Mensch sorgt. Eine eigene, freie, lebensbejahende Entwicklung ist für den Einzelnen nur möglich, wo er oder sie sich dafür einsetzt, dass auch andere Menschen diese Möglichkeiten haben. Diesen Grundgedanken muss ich hier nicht weiter ausbreiten. Er ist klar. Offen ist aber die Frage, ob wir heute so weit sind, diese uralte Erkenntnis zu praktizieren, bzw. genauer, ob die sich häufenden Grenzerfahrungen, die in immer schnelleren Abständen auftretenden Offenbarungen uns dazu führen, diese Erkenntnis praktisch werden zu lassen – ohne uns dabei als ungläubig, gottlos, dogmatisch oder unaufgeklärt zu beschimpfen und uns gegenseitig unter Zwang, Druck oder auch direkte Gewaltanwendung zu setzen. Es geht doch vielmehr, so kristallisierte es sich im weiteren Gespräch heraus, um eine doppelte Bewegung, zum einen darum, dass der einzelne Mensch (westlicher Prägung) auf der Basis seiner Selbstbestimmung seine Verantwortlichkeit gegenüber der Gesamtheit der mit ihm lebenden Menschen, der Erde, des Kosmos erneuert, sie auf neuem Niveau entwickelt. Die andere Bewegung, die vornehmlich aus dem muslimischen und genereller nicht-christlichen Kulturraum heranwächst, kommt dem Individualismus spiegelbildlich entgegen. Bei ihr geht es darum, aus der ethischen, aus der gemeinschaftlich, aus der sozial-religiös und ganzheitlich-kosmisch erlebten Eingebundenheit, aus Glaubensgemeinschaften heraus die Verantwortung für eine eigene, eine individuelle Tat in dieser gemeinsamen Welt zu erkennen und praktisch zu entwickeln. Nur in der Wechselwirkung dieser beiden Pole, die man auch als Ost-West-Pole beschreiben könnte, ohne damit Festlegungen treffen zu wollen, wird das Bewusstsein entstehen, das wir heute brauchen, um nicht nur zu überleben, sondern in eine neue Phase unserer Entwicklung hineinzugehen.</p>
<p>Hier, liebe Freundinnen, liebe Freunde, streikt der Protokollant und übergibt jedem von Euch den Stab für eine eigene Runde. Im Forum wollen wir uns das nächstes Mal mit der Frage befassen, welche Schlussfolgerungen aus den gegenwärtigen Offenbarungen gezogen werden und welche wir selber ziehen wollen. Dabei wollen wir die unterschiedlichen kulturellen Färbungen – China, Japan, Muslimischer Kulturraum,<br />
Westen – aktiv einbeziehen.</p>
<p>Unser nächstes Treffen wird am Sonntag, d. 08.05.2011 um 16.00 Uhr stattfinden.<br />
Wie üblich in der Rummelsburgerstr. 78, 22147 Hamburg (U1-Farmsen)<br />
Bitte bringt Kleinigkeiten zum Knabbern mit. Übernachtungen sind möglich.</p>
<p>Herzlich im Namen des Forums, Kai Ehlers</p>
<p>Bisherige Auswertungen unter: www.kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Arabische Umbrüche</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2011-03-01-arabische-umbruche</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 16:42:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebe Freundinnen, liebe Freunde

des Forums integrierte Gesellschaft,


unser Treffen zu den Umbrüchen im arabischen Raum war sehr intensiv. Wir haben natürlich keinen Fahrplan für eine arabische Revolution entworfen – dafür sahen wir uns umso intensiver mit der Frage konfrontiert, was wir Westler, konkret auch wir in unserem Alltag mit diesen Ereignissen zu tun haben.
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Forum integrierte Gesellschaft                                                   Dienstag, 1. März 2011</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p>Auswertung des 10. Treffens vom 26.02.2011, Einladung zum Treffen am 19.03.2011</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Liebe Freundinnen, liebe Freunde des Forums integrierte Gesellschaft,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>unser Treffen zu den Umbrüchen im arabischen Raum war sehr intensiv. Wir haben natürlich keinen Fahrplan für eine arabische Revolution entworfen – dafür sahen wir uns umso intensiver mit der Frage konfrontiert, was wir Westler, konkret auch wir in unserem Alltag mit diesen Ereignissen zu tun haben. Ausgangspunkt unserer Gesprächsrunde waren drei Fragen: Wer sind die Träger der Proteste und worum geht es? Welche Rolle spielt der Islam in den Protesten? Welche Rolle spielt der Westen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In der Untersuchung der ersten Frage – wer? wofür? – ist der jugendliche Charakter der Proteste selbstverständlich ein auffälliges Merkmal. Hier war ein Blick auf die Analysen des Terrorforschers Gunnar Heinsohn nützlich, der auch die arabischen Unruhen entsprechend seiner Theoreme vom drohenden Jugendüberschuss („Youth bulge“) wesentlich auf den Bevölkerungsüberdruck der muslimischen Staaten zurückführt. Man muss die monokausale Zuspitzung seiner Analysen nicht teilen; nichtsdestoweniger weist er auf ein wichtiges Phänomen hin. Unter den von ihm genannten Gesichtspunkten wären die Unruhen als Wunsch nach Teilhabe der arabischen Jugend an den Werten der globalisierten Welt und deren Glücksversprechen zu interpretieren, die sie in ihren Heimatländern wegen des überquellenden Überschusses an jungen Menschen, Youth bulge“ nicht verwirklichen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Tatsache ist allerdings, dass nicht nur Forderungen nach Teilhabe an den Möglichkeiten der globalisierten Konsumwelt aus den Reihen der arabischen Regimekritiker und Demonstranten zu hören sind, sondern auch – um es kurz zu sagen – Sehnsucht nach Sinn, nach eigener, von westlichen Werten durchaus unterschiedener, sogar in der Kritik an westlichen Werten auftretender eigener Identität. Worin diese eigene Identität bestehen könnte, ist noch keineswegs klar – auf jeden Fall aber steht sie in enger Bindung an den Islam als die kulturbildende Kraft dieses Teiles der Welt, sei es in dogmatischer Rückwendung, sei es in Gestalt einer wie auch immer gestalteten Säkularisierung. Dabei verbindet sich die Orientierung am Islam untrennbar mit der antikolonialen Dynamik dieser Proteste. Diese Aussage gilt &#8211; ungeachtet aller Differenzierungen zwischen Ländern des von den Umbrüchen erfassten Raumes – für alle diese Länder, insofern sie nicht nur Teil der vom Westen kolonisierten Welt waren, sondern es in der modernen Form des Globalismus auch heute noch sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In welchem Mischungsverhältnis der Wunsch nach Teilhabe am Glücksversprechen des globalen Kapitalismus und Sehnsucht nach Sinn in einer eigenen, vom Westen unterschiedenen Identität miteinander sich bewegen, ist nicht entschieden und auf jeden Fall für uns von außen zur Zeit nicht erkennbar. Wir können lediglich ein paar historische Linien anschauen, entlang derer sich die Entwicklungen dieses Raumes bisher vollzogen haben: Aufstieg des muslimischen Kulturraumes zur hegemonialen Kraft in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung; Niedergang, bzw. Stagnation dieses Kulturaumes rund um das 13. Jahrhundert bei gleichzeitigem Aufstieg des christlich-abendländischen. Schrittweise Kolonialisierung dieses Raumes durch die Europäer bis zum ersten Weltkrieg; seit dem ersten Weltkrieg, verstärkt nach dem zweiten wachsende Modernitäts- und Identitätskrise einer sich wieder auf ihre Geschichte besinnenden muslimischen Welt –  die aber zugleich über den Grundreichtum der modernen Welt verfügt, das ÖL. All dies im Zusammenhang einer sich nach dem Zerfall der Systemkonkurrenz neu gruppierenden globalen Ordnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Faktor, den wir uns genauer angeschaut haben, ist der Charakter des Islam als Angebot einer, sagen wir es ruhig so, ganzheitlichen Welterklärung und Weltordnung, einschließlich der sozialen Alltagsordnung bis hin zur Beziehung von Männern, Frauen und Kindern zueinander. Ibn Waraqu kritisiert in seinem Buch „Warum ich kein Muslim bin“ den Islam von der Lehre her (!) als totalitäre Ideologie, die nach dem Versagen von Faschismus wie auch des Stalinismus als neue autoritäre Heilslehre sich zu verbreiten drohe und ruft zu einem „kalten Krieg“ gegen die Islamisierung der Welt und für eine Säkularisierung des Islam auf. Im Gefolge Waraqu`s ziehen – auf weit niedrigerem Niveau und in dümmlichen Vereinfachungen seiner Argumentation – zahllose Agitatoren diverser Couleur gegen die angeblich drohende Gefahr einer Islamisierung der Welt zu Felde. Diese Kampfrufe muss man nicht übernehmen, den demagogischen Zuspitzungen sogar aktiv entgegentreten, aber der von Ibn Waraqu aufgezeigten „Totalität des Islam“ liegt real der  Kern zugrunde, dass der Islam, bzw. die verschiedenen „Islame“, soweit sie sich auf den Koran berufen, nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische und soziale Orientierung bieten, in der das Politische und das Soziale zu einer Ganzheit verbunden sind. Und so stellt sich unvermeidlich die Frage, welche Rolle diese Orientierung in den gegenwärtigen Umbrüchen spielt und zukünftig spielen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nur mit größten Vorbehalten haben wir uns der ganz anderen Frage genähert, welche Rolle die westlichen Hegemonialmächte für die gegenwärtige Entwicklung im arabischen Raum gespielt haben und welche sie jetzt spielen. Wenig bekannt – aber unbedingt zur Kenntnis zu nehmen – sind die von Gunnar Heinsohn rückhaltlos offenbarten US-Strategien der präventiven Eindämmung der „Youth bulge“-Problematik, die eine unmissverständliche präventive Interventionspolitik der heute herrschenden Hegemonialmacht USA und der mit ihr verbündeten „entwickelten Länder“ beinhalten. Es darf nach allen Erfahrungen mit CIA, NATO etc. davon ausgegangen werden, dass diese Strategien zum „Abbau der Überschüsse“, die seit dem Ende der Sowjetunion entwickelt wurden, nicht nur entworfen, sondern auch in den arabischen Ländern verfolgt wurden. Aktuelle Meldungen machen bmerkenswsert spärlich zwar, aber unmissverständlich deutlich, dass der „Westen“ vor den jetzigen Unruhen aktiv in diesem Raum engagiert war.  Offen ist noch – wie. Es wäre aber ein schwerer Fehler, die gegenwärtigen Ausbrüche von Massenprotesten für ein Werk der CIA, NATO oder anderer westlicher Interventionskräfte zu erklären. Eher ist davon auszugehen, dass den westlichen Interventionisten – wieder einmal – die reale Bewegung aus dem Ruder gelaufen ist. Man wird genau hinzuschauen haben, inwieweit sie mit präventiven Interventionen am Zustandekommen der jetzigen Unruhen beteiligt waren, bzw. auch, wie versucht wird,  die Proteste jetzt einzugrenzen, bevor ihre Dynamik nicht nur die örtlichen Despotien, sondern auch die westliche Hegemonie in Frage stellen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Damit ist auch schon die letzte Frage erreicht, die am Ausklang unseres Treffens stand, nämlich, was die Ereignisse in Arabien für uns bedeuten. Bei aller Schwierigkeit, darauf eine Antwort zu finden, waren wir uns sehr schnell in einem Punkt einig, nämlich, uns davor zu hüten zu müssen, den Ereignissen einen „westlichen Hut“ überzustülpen. Vielmehr muss es im Interesse einer kooperativen und friedlichen Zukunft darum gehen, sich um ein historisches und aktuelles Verständnis des muslimischen Kulturraumes zu bemühen. Des Weiteren geht es darum, unseren eigenen Politikern auf die Finger zu schauen, wie sie mit den Ereignissen umgehen und Strategien der Vereinnahmung ebenso wie Eindämmungsversuchen entgegenzutreten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die angeschnittenen Fragen sind so offen wie der Prozess selbst.</p>
<p>Wir werden deshalb diese Diskussion beim nächsten Treffen auf Grund der dann vorliegenden Ereignisse fortsetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zur Vorbereitung empfehle ich für die, die sich etwas Zeit nehmen wollen – abgesehen von der Verfolgung der Tagesereignisse –</p>
<p>-          einen Text von mir zur  „Youth bulge“-Strategie der USA/NATO (siehe dazu meine Website <a href="http://www.kai-ehlers.de/">www.kai-ehlers.de</a> – Stichwort: „Kraft der Überflüssigen“)</p>
<p>-          Tamin Ansary, Die unbekannte Mitte der Welt, Büchergilde Gutenberg</p>
<p>-          Gunnar Heinsohn, Söhne und Weltmacht, orell füssli Verlag</p>
<p>Wenn Ihr weitere Texte empfehlen könnt, die Einsicht in die Hintergründe und Rahmendaten der gegenwärtigen Bewegung geben können – bitte, teilt sie mir mit; ich gebe sie dann durch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir treffen uns wieder am 19.03.2011 um 16.00 Uhr</p>
<p>In der Rummelsburgerstr. 78, 22147 Hamburg (U1-Farmsen)</p>
<p>Es gilt wie immer bisher: bringt Eure Freunde/Freundinnen mit, eine Kleinigkeit zu knabbern, Zeit, Lust auf  Begegnung – und seid bitte pünktlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Herzlich, Kai Ehlers</p>
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		<title>Themenwechsel im Forum integrierte Gesellschaft: Arabische Revolution</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2011-02-21-themenwechsel-im-forum-integrierte-gesellschaft-arabische-revolution</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 17:24:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forum Integrierte Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir werden uns beim kommenden Treffen mit der Frage befassen, welchen Charakter und welche Auswirkungen die arabische Revolution hat. (das angekündigte Thema China wird verschoben.)
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir werden uns beim kommenden Treffen mit der Frage befassen, welchen Charakter und welche Auswirkungen die arabische Revolution hat. (das angekündigte Thema China wird verschoben.)</p>
<ul>
<li>Arabische Revolution &#8211; Wiedergeburt der vergessenen Mitte der Welt? Auseinandersetzung mit Geschichte und Aktualität des islamischen Kulturraumes.</li>
</ul>
<p>*</p>
<p>Islam – Signal für eine andere Welt? Frage zu Möglichkeiten einen ethischen Erneuerung jenseits religiöser Dogmen.<br />
*</p>
<ul>
<li>Schrumpfendes Europa? Explodierende Ex-Kolonien? Information und Auseinandersetzung mit demographisch begründeten Eindämmungstrategien und neu-eugenischen Vorstellungen in den Think-Tanks der gegenwärtigen Hegemonialmächte.</li>
</ul>
<p>*</p>
<p>Die Fragestellungen knüpfen an den Debatten an, die wir im Forum in Ansätzen schon miteinander geführt haben:</p>
<p>Ort und Zeit bleiben wie gehabt: 26.02,2011, 16.00 Uhr, Rummelsburgerstr. 78</p>
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		<title>&#8220;Happy China&#8221; als &#8220;chinesische Prinzip&#8221;? Einladung zum Treffen des &#8220;Forums integrierte Gesellschaft&#8221;</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2011-02-05-happy-china-und-chinesisches-prinzip</link>
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		<pubDate>Sat, 05 Feb 2011 16:10:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forum Integrierte Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Demographie]]></category>
		<category><![CDATA[empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Inneres Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Modernisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Privatisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere zweite Reise nach China brachte ebenso eine Überraschung wie unsere erste vor einem Monat – nur mit umgekehrten Vorzeichen.
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unsere zweite Reise nach China brachte ebenso eine Überraschung wie unsere erste vor einem Monat – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Geplant hatten wir ausdrücklich, positive Eindrücke, Fakten, Vorstellungen zu China zusammenzutragen, um dem Bild eines autoritären Monsters, das uns letztes Mal bedrängt hatte, die Frage entgegenzustellen, ob in China nicht auch Entwicklungen stattfänden, die dem von Jeremy Rifkin benutzen Begriff einer kommenden „empatischen Zivilisation“ entsprechen könnten und wenn, dann welche. Das Ergebnis war verblüffend – mit dem für dieses Mal gewählten Ansatz landeten wir genau auf der anderen Seite des Themas wie letztes Mal, nämlich bei dem Bild einer Bevölkerung, die trotz Effektivitätsstresses staatlich geplanter Modernisierung und ungeachtet des im Westen verbreiteten Eindrucks, dort herrsche eine Diktatur, ihren Alltag in einem für westliche Begriffe nur schwer verstehbaren lockeren Gleichmut lebt.</p>
<p>Unsere Diskussion entwickelte sich dieses Mal entlang eines Fotovortrag, mit dem einer der Teilnehmer der Runde seine Eindrücke von mehrfachen Reisen nach China vorstellte. Schwerpunkte seines Vortrags waren der Bauboom am Beispiel Shanghais, der gleichwohl Raum lasse für „gemütlichen“ Altbestand. Des weiteren zeigte er Bilder, aus denen ersichtlich wurde, wie wenig, fast gar nicht Militärisches im öffentlichen Alltag präsent ist und schließlich Beobachtungen aus dem öffentlichen Raum, die eine verblüffende Diversität, Buntheit und Gelassenheit des alltäglichen Lebens ausstrahlen.</p>
<p>Andere Mitglieder unserer Runde, die sich in China aufgehalten haben – u.a. ich bei meiner Reise entlang der russisch-chinesisch-mongolischen Grenze 2002 – konnten diesen Eindrücken einer emsigen, praktisch orientierten und zugleich lässig sich um seine Alltagsbelange kümmernden Bevölkerung weitgehend zustimmen: Ja, diese Bilder einer geschäftigen, zielstrebigen und zugleich lockeren Vielfalt sind typisch für das China von  heute, gleich ob in Schanghai oder an anderen Orten des Landes – wenn man sich nicht gerade in Konfliktzonen bewegt wie in den  Uigurischen oder tibetischen Provinzen. Auf der Straße ist keine Diktatur erkennbar. In den öffentlichen Szenen dokumentiert sich so etwas wie ein „Chinesisches Prinzip“, das schon bei Laotse und Kungfutse nachzulesen ist, nämlich, dass weise Staatskunst darin bestehe, dem Volk den Bauch zu füllen, feste Rituale zu geben, den Kopf aber leer zu halten von überflüssigem Wissen. Dieses Prinzip hat die kommunistische Partei nicht erfunden; das ist uralte chinesische Staatskunst und allgemeiner kultureller Bestand.</p>
<p>Widerspruch rief jedoch ein Foto hervor, das zwei Männer zeigt, offensichtlich arbeitslose Wanderarbeiter, die mitten in der Stadt auf einer der ausladenden Eingangsballustraden eines hoch offiziellen Gebäudes kampieren. (siehe dazu das Bild im Anhang) Locker hocken sie mit nacktem Oberkörper auf ihren ausgebreiteten Decken, offensichtlich im angeregten Gespräch miteinander beschäftigt – und dies nicht  nur ein paar Stunden oder einen Tag, sondern offenbar für längere Zeit, mindestens eine Woche, ohne dass irgendjemand daran Anstoß genommen habe oder die Ordnungskräfte sie dort vertrieben hätte. Von Diktatur öffentlich nichts zu sehen, so unser Fotograf, so etwas solle man sich einmal versuchen für Deutschland vorzustellen.</p>
<p>Hier entzündete sich eine Kontroverse, in der die Sichtweisen und Meinungen heftig aufeinander prallten. Als Kern schälte sich die unterschiedliche Bewertung der  Situation der Wanderarbeiter  sowie der Rolle heraus, die sie für den gegenwärtigen Aufbruch Chinas spielen: Sind sie Opfer einer fehlgeleiteten Modernisierung, welche die Grundlage bäuerlichern Existenzen zerstört und die Menschen verarmt und entwurzelt in die Zentren treibt oder ziehen junge Leute freiwillig in die industriellen Zentren, weil sie dort bessere Entwicklungschancen für sich sehen? Wie sehen sie ihre eigene Situation? Sind sie Gestrandete oder sind sie Aufbrechende? Sind sie gleichmütig, für westliches Verständnis  vielleicht unverständlich gleichmütig, oder wächst hier ein Protestpotential heran, das die chinesische Gesellschaft mit unabsehbaren Folgen für China und für die Welt sprengen könnte? Ist die gegenwärtig stattfindende Industrialisierung und Urbanisierung Chinas ein unaufhaltsamer, sich frei nach Marx hinter dem Rücken möglicher Planbarkeit vollziehender Prozess oder hat der Mensch, auch der Mensch in China – sei es von der Partei, sei es vom Einzelnen her gedacht – Möglichkeiten in die Entwicklung steuernd einzugreifen, wenn beispielsweise deutlich würde, dass die bäuerliche und landwirtschaftliche Basis des Landes zerstört zu werden droht? Läge darin überhaupt ein Problem? Hat Landwirtschaft heute noch die gleiche grundlegende Bedeutung für die Existenz der Gesellschaft wie früher? Beruht Modernisierung heute nicht auf anderen als landwirtschaftlichen Grundlagen?</p>
<p>Also, wie schnell zu erkennen: Fragen über Fragen, zu denen es vermutlich kein Entweder-oder gibt, sondern eher ein Sowohl-als-auch. Dementsprechend gingen die Meinungen zu diesen Fragen in der Runde deutlich auseinander. Einigkeit fanden wir darin, dass diese Fragen in Bezug auf China nur dann weiter geklärt werden können, wenn man sich konkret anschaut, was bei 1,25 Milliarden Menschen 250 bis 300 Millionen Wanderarbeiter bedeuten. Darüber hinaus ist die Frage nach den Millionen der chinesischen Wanderarbeiter natürlich in die Tatsache einzugliedern, dass durch den Prozess der Industrialisierung generell immer weniger Menschen physisch für die Produktion unserer Grundversorgung wie auch für die übrige Warenproduktion gebraucht werden, während die Weltbevölkerung gleichzeitig weiter wächst. Das gilt nicht nur für China, es gilt global und ist mit Sicherheit auch als Hintergrund für die aktuellen Unruhen in den arabischen Ländern zu sehen. Aber China steht, schon wegen seiner Größenordnung, exemplarisch für diesen Prozess.</p>
<p>Wir haben deshalb beschlossen, unser Gespräch an dieser Frage fortzusetzen, die nächstes Mal Thema sein soll, nämlich:</p>
<p><strong>Wie ist die Lage chinesischen Wanderarbeiter und welche Rolle spielen sie im Modernisierungsprozess Chinas für China selbst und über China hinaus?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Das nächste Treffen ist für Samstag, 26.02.2011 angesetzt, selber Ort, selbe Zeit. 16,00 Uhr, Rummelsburgerstr. 78</strong></p>
<p><strong>Im Anhang findet Ihr einen Text von mir: „Die demographische Falle und die Kraft der Überflüssigen“, der allgemeine Anregungen zum Thema der in der Produktion von heute und morgen nicht mehr Gebrauchten liefert. Zum konkreten Stand der chinesischen Wanderarbeiter bitte ich alle Interessierten, selbst nach Euren Möglichkeiten zu recherchieren. </strong></p>
<p>Aus gegebenem Anlass sei noch einmal gesagt: Wir verstehen das Forum integrierte Gesellschaft als Begegnungsrunde, in der das Gespräch im Mittelpunkt steht. Bringt also Fragen mit, wenn´s geht gute Laune, Zeit, eine Kleinigkeit zu knabbern und Eure Freunde oder Freundinnen. Aber bitte meldet Euch vorher an und wenn ihr Tipps und Links zum Thema habt, lasst es mich vorher wissen, damit sie herumgehen können.</p>
<p>Berichte von früheren Treffen unter Kategorie: Forum integrierte  Gesellschaft</p>
<p>Wer sich angesprochen fühlt für eine Beteiligung: <a title="Kontakt" href="http://kai-ehlers.de/?p=2330">Kontakt</a></p>
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		<item>
		<title>Chinas Aufbruch &#8211; Chance oder Bedrohung für die Welt?</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2011-01-05-chinas-aufbruch-chance-oder-bedrohung-fur-die-welt</link>
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		<pubDate>Wed, 05 Jan 2011 16:12:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forum Integrierte Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Inneres Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturrevolution]]></category>
		<category><![CDATA[Mao Tse Tung]]></category>
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		<category><![CDATA[Partei]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere Eingangsfrage lautete:  Welches Bewusstsein wächst heute in China und über China hinaus in Asien heran?
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Treffen des &#8220;Forums integrierte Gesellschaft&#8221;: Unser letztes Treffen zum Thema „China“ verlief bemerkenswert. Um es einmal ganz „chinesisch“ zu sagen: Es stand voll und ganz im Zeichen der ineinander übergehenden Komplementarität der Dualität von Yin und Yang. Unsere Eingangsfrage lautete:  Welches Bewusstsein wächst heute in China und über China hinaus in Asien heran? Diese Frage knüpfte an die vorhergehenden an, die nach dem Signal gefragt hatten, das von der gegenwärtigen Dynamik des Islam, bzw. auch des Islamismus ausgeht. Unsicherheiten waren aufgetreten, ob unsere Fragestellung nach einem Miteinander der Religionen, mehr noch nach einem überkonfessionellen, über die Grenzen der einzelnen Religionen hinausgehenden mitmenschlichen Diskurs, in dessen Mittelpunkt das gegenseitige Interesse an einer Verwirklichung als selbstbewusster, selbstverantwortlicher Mensch steht, auch die Menschen der chinesischen Kultur mit einschließt. Scharf wurde gefragt: Ist in der chinesischen Kultur, die keinen monotheistischen Gott kennt, dem der Einzelne sich gegenüberstellen oder es (als „Sünder“) auch  lassen kann, sondern in der sich der Menschen als Teil des Kosmos begreift, eine Freiheit des Einzelnen denkbar? Ist er nicht einfach Teil des Ganzen – ob er oder sie will oder nicht? Und ist die heutige gesellschaftliche Realität Chinas nicht Ausdruck dieses Bewusstseins?     Die Frage führte zunächst direkt zum Zeichen des Yin und Yang als originärem Ausdruck chinesischen Denkens. Himmel und Erde, Mann und Frau, Staat und Volk, die einander komplementär gegenübergesetzt aber eins im anderen angelegt sind und eins auf das andere einwirken. Der Mensch ist im Kosmos verwoben, Objekt und Subjekt zugleich. Himmel und Erde wirken auf ihn, seine Handlungen wirken auf Himmel und Erde. So wird der Herrscher verantwortlich gemacht, wenn Erdbeben, Überschwemmungen, Seuchen oder andere Nöte die Menschen plagen. Der Himmel ist durch sein schlechtes Handeln in Unordnung geraten und das wirkt auf die Erde zurück. Der Herrscher muss  durch gutes Handeln die Ordnung wieder herstellen oder den Platz als Herrscher räumen. Ich will auf die Details, die wir an diesem Abend zu diesen traditionellen Vorstellungen gehört haben, hier nicht weiter eingehen. Nur soviel an dieser Stelle: Vor uns öffnete sich ein Bild Chinas, dessen Entwicklung bei aller Kontinuität seiner über 3000jährigen Geschichte durch ständige Korrekturen, Umbrüche und Revolten – kleine und große – gegen die jeweilige Zentralmacht gekennzeichnet ist. Unsere Vorstellung von „China“ als einem Ganzen zerfiel in eine Vielheit von Völkern, Räumen, Sprachen, Epochen, Dynastien, Klassen und Schichten – die am Ende keine andere Gemeinsamkeit mehr erkennen ließ als ihre pure Gegenbewegung: die immer wiederkehrenden Maßnahmen einer Zentralisierung dieses Großraumes, weil nur eine Zentralgewalt ein Überleben und eine Entwicklung ermöglichte – das „Reich der Mitte“, das seinen eigenen Kosmos definierte und diesen Kosmos immer wieder auch mit Gewalt wiederherstellte – bis hin zur heutigen Parteidiktatur.     Ich darf ehrlich sagen, dass unser Gang durch die chinesische Geschichte bis hier hin, bei allen Versuchen, eine geistesgeschichtliche oder gar eine realgeschichtliche Kontinuität zu erkennen und     bei aller Informiertheit derer, die China aus eigenem Studium und aus eigener Erfahrung schildern konnten, eher etwas vom Tasten im Nebel hatte, bei dem das vormals vorhandene Bild der „chinesischen Kultur“ sich in viele einander widersprechende Facetten auflöste und die Frage nach einer erkennbaren heutigen Bewusstseinsentwicklung des heutigen China immer unfassbarer wurde.     In den Vordergrund schob sich dagegen immer drängender der „Bruch“ durch die Revolution, die die „alten Zöpfe“ mit Gewalt abgeschnitten habe, Massenchaos durch die „Kulturrevolution“, die heutige Realität der Parteidiktatur. Die Schilderungen der autoritären Strukturen, der Unterdrückung im Namen der Partei, die immer noch das Label des „Kommunismus“ und der „Weltrevolution“ vor sich her trage, obwohl sie inzwischen faktisch eine Partei des herrschenden Kapitals sei, begann den Gang der Diskussion zu bedrücken – als ob es in China, trotz aller vorher diskutierten Unterschiede &#8211; nur die Perspektive einer gleichmacherischen Modernisierung gebe.      An dieser Stelle geschah, was geschehen musste: Der weiße Punkt in der schwarzen Hälfte des Yin/Yang Zeichens weitere sich zu der Frage, ob es denn nicht eine Gegenbewegung gegen die vom System mit Gewalt forcierte Modernisierung gebe. Und siehe da! Wie von ungefähr stand auf einmal der Satz im Raum: „In China ist alles möglich!“ Mehr noch: „Die Menschen Chinas“, erklärte der Referent des Abends, „sehnen sich nach Möglichkeiten der persönlichen Verwirklichung, nach Mitgefühl und Empathie / Liebe. Zahllose Initiativen und Alternativen schießen aus dem Boden.“      Damit waren wir – zur Erleichterung aller – wieder beim Ausgangsthema angekommen, jetzt zugespitzt auf die Frage, ob die gewaltsame Modernisierung in China Kräfte der Empathie hervorbringe und welche. Unter dem Motto „In China ist alles möglich“ beschlossen wir, diese Frage zum Thema unseres nächsten Treffens zu machen.  Das nächste Treffen wird stattfinden<br />
am Samstag, den 29. 01, 2011 um 16.00 Uhr  Thema: In China ist alles möglich – Ansätze für die Entwicklung von emphatischem Bewusstsein in China.  Wir setzen darauf, dass sich alle nach ihren Möglichkeiten aktuelle Infos zu dieser Frage beschaffen, ggflls. auch „ergoogeln“.  Habt Ihr interessante Quellen, schickt sie mir; ich gebe sie weiter. Wir vom Forum aus tragen ebenfalls das unsere dazu bei.<br />
Für die, die sich über die konkrete chinesische Situation hinaus vorbereiten wollen, empfehle ich: Jeremy Rifkin, Die empathische Zivilisation, Wege zu einem globalen Bewusstsein, Campus.<br />
Erinnert sei auch noch einmal an: Kai Ehlers, Asiens Sprung in die Gegenwart, Die Entwicklung eines Kulturraums „Inneres Asien“, Pforte</p>
<p>Im Übrigen gilt, was immer für unsere Einladung gilt: Kommt pünktlich, bringt Neugier und eine Kleinigkeit zum Knabbern mit.<br />
Und bitte meldet Euch an.  Herzlich,<br />
im Namen des Forums integrierte Gesellschaft<br />
Kai Ehlers, www.kai-ehlers.de</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Integrierte Gesellschaft – was kann das sein?</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2010-11-22-integrierte-gesellschaft-was-kann-das-sein</link>
		<comments>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2010-11-22-integrierte-gesellschaft-was-kann-das-sein#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Nov 2010 16:30:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forum Integrierte Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
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		<description><![CDATA[Treffen des "Forum integrierte Gesellschaft": Was können wir uns heute unter einer integrierten Gesellschaft vorstellen? 
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Treffen des &#8220;Forum integrierte Gesellschaft&#8221;: Was können wir uns heute unter einer integrierten Gesellschaft vorstellen? Das Gespräch verlief in einer sehr lebendigen Atmosphäre, nicht zuletzt Dank der Teilnahme einer stattlichen Anzahl junger Menschen, die das erste Mal dabei waren. Die unerlässliche Einführung der neu dazu Gekommenen führte vor allem dazu, noch einmal die Normen heraus zu arbeiten, in denen Judentum, Christentum und Islam sich gleichen, bzw. unterscheiden, worin sich darüber hinaus die monotheistischen Religionen anderen Religionen gleichen, bzw. sich unterscheiden. Danach konzentrierte sich die Runde auf die Frage, wie ein Gespräch aussehen kann, das die im Islam liegende Kritik an einer „gottlosen Welt“  aufgreift, die von  materiellen Interessen dominiert wird, das sich aber nicht in die Dogmatik, gar einen Dogmatismus der einen oder anderen religiösen Richtung zurückbewegt. Gibt es Möglichkeiten der „Übersetzung“ zwischen den unterschiedlichen Religionen und Ethiken, wie sind sie im Gespräch miteinander zu finden? Gibt es so etwas wie ein allgemeines ethisches Grundempfinden, das allen Menschen jenseits aller religiösen oder gar konfessionellen Unterschiede eigen ist – zumindest greifbar wäre, wenn sie sich darum  bemühten oder sich öffneten? Braucht es eine monotheistische Gottesvorstellung, um Werte wie Glaube, Liebe, Hoffnung – Menschenwürde und Freiheit zu entwickeln? Unterschiedliche Positionen wurden dazu geäußert: Nur ein Gott, der seiner Schöpfung gegenüberstehe, erlaube dem Menschen, sich frei zu ihm zu entscheiden, d.h., sich zu befreien. Wenn Gott in allem sei, sei eine solche freie Entscheidung zu ihm nicht möglich. Das provozierte die Frage: Können Buddhisten, können Taoisten also nicht frei werden, weil sie sich dem Kosmos, der Welt nicht gegenüber stellen, sondern sich als Teil davon erleben? Das war uns nicht vorstellbar – führte uns aber vor Augen, dass hier Fragen liegen, die nach Bearbeitung verlangen. Wie kommen wir zu einer „neuen Innerlichkeit“, fragte ein Teilnehmer, wie kommen wir dazu, eine in Konsum, in der Ökonomie versinkenden Welt, mit neuem Geist zu beleben, wenn wir sie nicht verlassen wollen, wie sie ist? Alle diese Fragen führten geradewegs zu der Sicht, dass ein „neuer Sinn in einer sinnentleerten Welt“ heute nur in der individuellen Suche, nicht in den Normen überkommener religiöser Vorstellungen gefunden werden kann, ja, nicht nur in der individuellen Suche, sondern eben in der Selbst- und Welterkentnis des einzelnen Menschen als Mensch jenseits der bisherigen religiösen Normen – und in der individuellen Begegnung miteinander. Das Bild dafür: Wir stehen alle rund um einen Berg, der von jedem Menschen aus einer anderen Perspektive gesehen wird – und tauschen uns darüber aus.</p>
<p>Soweit, so gut; das schien Konsens  – aber dann tauchte die Frage auf, was geschieht, wenn jemand zu diesem Gespräch nicht fähig oder bereit ist? Um diese Frage kreiste der letzte Teil des Gespräches und ich muss ehrlicherweise sagen, dass wir darauf keine verbindliche, keine alle befriedigende Antwort gefunden haben, die als Regel einfach anwendbar wäre. Gewalt als Mittel der Überzeugungsversuche sei auszuschließen, darüber herrschte Einigkeit. Rituale, Regeln, Gesetze sollen dem Schutz des Einzelnen in seinem Verhältnis zum anderen Einzelnen dienen, aber wo die gegenseitige Überzeugung, wo die Überredung, wo der Konsens, wo das für alle verbindliche Gesetz endet und wo Gewalt beginnt, darüber gingen die Meinungen doch sehr auseinander. Die Debatte um diese Frage zog sich – entlang nicht enden wollender Beispiele aus dem Alltag – weit in den Abend hin. Sie machte klar, dass jede Begegnung, gleich wie milde oder schroff,  gleich unter welchen Regeln oder Gesetzen sie stattfindet, nur konkret vor Ort in Erwägung der individuellen Ziele, Motive und Umstände gelöst werden kann. – Wir beendeten das Gespräch in dem Bewusstsein, dass wir an dieser Frage noch reichlich arbeiten müssen.</p>
<p>Für das nächste Forum allerdings wollen wir den Blick erst noch etwas weiten, indem wir uns der Frage zuwenden, die schon verschiedentlich vorher und auch in diesem Treffen wieder aufleuchtete. Die Frage lautet: Welches Bewusstsein wächst heute in China und über China hinaus in Asien heran? Mit dieser Frage wollen wir auch eine mögliche Einengung auf den Islam sprengen. Zum Treffen werden wir China-Erfahrene unter uns haben.  Schaut, wenn Ihr wollt, auch in das Büchlein:</p>
<p>Wenn Ihr zum Thema vorher etwas anregen oder herumschicken wollt, gebt mir Bescheid.</p>
<p>Wir haben das nächste Treffen angesetzt für:</p>
<p><strong>18. 12. 2010, 16.00 Uhr in der Jurte.</strong></p>
<p><strong>(Rummelsburgerstr. 78., 22147 Hamburg, U1 bis Farmsen.)</strong></p>
<p><strong>Thema: Welches Bewusstsein wächst heute in China und über China hinaus in Asien heran? </strong></p>
<p><strong>Mögliche Vorbereitung: Kai Ehlers, „Asiens Sprung in die Gegenwart“, Pforte.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Bitte gebt Bescheid, ob Ihr kommen wollt. Bringt interessierte Freundinnen oder Freunde mit. Übernachtung ist möglich.</p>
<p>Ein bisschen zum Knabbern dabei zu haben, kann auch nicht schaden, aber nicht zu viel. Und bitte seid pünktlich.</p>
<p>Herzlich, Kai</p>
<p>P.S.</p>
<p>Wer diese Einladungen nicht bekommen möchte – Nachricht genügt. Danke.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Streben monotheistische Relionnen &#8220;naturgegeben&#8221; nach Dominanz?</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2010-10-25-3798</link>
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		<pubDate>Mon, 25 Oct 2010 16:41:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Forum Integrierte Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Abendland]]></category>
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		<description><![CDATA[Treffen des "Forums integrierte Gesellschaft": Ist eine andere als eine Dominanzbeziehung zwischen den monotheistischen Religionen möglich?
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Treffen des &#8220;Forums integrierte Gesellschaft&#8221;: Ist eine andere als eine Dominanzbeziehung zwischen den monotheistischen Religionen möglich? Das war die Frage zu unserem letzten Treffen. Ausgegangen waren wir dabei von der Erkenntnis, dass die gegenwärtige globale Dynamik des Islam als Aufforderung zu verstehen ist, die Beziehung von Welt und Gott, Politik und Religion, Glauben und Wissen neu zu durchdenken. In der nächsten Runde ging es um die Dominanz des islamischen Kulturraums in der Zeit vom 6. – 11./12. Jahrhundert, danach um die Frage, wie die Ablösung der islamischen durch die christlich-abendländischen Kulturraum zustande kam. Die Gründe dafür sollen hier nicht wiederholt werden. Nur eins sei hier ausdrücklich hervorgehoben, weil es bisher kaum beachtet wurde: die Rolle des Mongolensturms im 13. Jahrhundert, der Bagdads zertrümmerte (1248), aber Europa zu gleicher Zeit zwar besiegte, aber verschonte (Schlacht von Liegnitz 1241) und so die Waagschale zugunsten des entstehenden europäischen Raumes  steigen ließ. Mehr noch, die christlichen Kreuzzügler suchten das Bündnis mit den Mongolen gegen den Islam.</p>
<p>Unsere erste Antwort auf die Frage, ob eine andere als eine Dominanzbeziehung zwischen Judentum, Christentum und Islam möglich ist lautete: Nein, von ihrer Lehre her beanspruchen alle drei Religionen Dominanz –  wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung. Der jüdische „Bund“ forderte die radikale, auch physische Durchsetzung des Monotheismus. Das Christentum setzte diesen Impuls, wenn auch nicht physisch, aber geistig als Missionsanspruch fort. Der Islam erschien als „letzte Mahnung“ zur Wiederherstellung der göttlichen Ordnung, die Gehorsam fordert bei Strafe des jüngsten Gerichtes. Die Geschichte zeigt aber auch, das war unsere zweite Antwort – dass es unter den drei Varianten der „Buchreligionen“ – oder auch Religionen des BUNDES -  immer wieder Verständigungen über die Dogmen der eigenen Lehre hinweg gab, ja, dass es auch immer wieder Verhältnisse gab, wie etwa die Zeit des mongolischen Großreiches, in denen alle ethischen Systeme und Religionen gleichberechtigt miteinander existierten, anders gesagt: wechselseitig integriert waren.</p>
<p>Einzelheiten dazu will ich hier nicht aufzählen. Wichtig ist die weiterführende Frage, die sich aus dieser Debatte ergab, nämlich: Was waren frühere Bedingungen einer solchen wechselseitigen Integration? Was können sie heute sein? Also klar gefragt:</p>
<p>Was sind die aktuellen Bedingungen einer integrierten globalen Gesellschaft?</p>
<p>Mit dieser Frage wollen wir in das nächste Treffen gehen.</p>
<p>Es wird am 20.11.2010 wie üblich in der Jurte Rummelsburgersstr. 78 stattfinden.</p>
<p>Beginn 16,00 Uhr. Bitte seid pünktlich, damit wir gemeinsam beginnen können.</p>
<p>Zur Vorbereitung empfehlen wir einen Text von Thomas Assheuer</p>
<p>aus der „ZEIT“ vom 9.10. 2003</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/2003/42/ST-Assmann?page=all&amp;print=true">http://www.zeit.de/2003/42/ST-Assmann?page=all&amp;print=true</a></p>
<p>Denen, die mehr Zeit investieren können und den Rahmen des Themas weiter abstecken wollen, möchte ich auch das kleine Buch von mir: „Grundeinkommen – Sprungbrett in eine integrierte Gesellschaft“, Vlg. Pforte Entwürfe ans Herz legen.</p>
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		<title>Islam &#8211; Signal wofür?</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/allgemeines/2010-10-06-islam-signal-wofur-2</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Oct 2010 16:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
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		<description><![CDATA[Treffen des "Forums integrierte Gesellschaft": Wir setzten mit der Frage ein, wofür das verstärkte Aufkommen des Islam in der globalen Auseinandersetzung heute ein Signal sein könnte. 
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Freundinnen, liebe Freunde</p>
<p>des Forums integrierte Gesellschaft,</p>
<p>Unser letztes Treffen fand in sehr reduzierter Runde statt, weil fast die ganze sonstige Besetzung sich aus unterschiedlichen Gründen entschuldigen musste. Nächstes Mal sind wir hoffentlich wieder vollzählig – plus, plus, plus.</p>
<p>Nichtsdestoweniger war das Treffen fruchtbar in Bezug auf die Klärung der Fragen, die wir des Weiteren behandeln wollen. Ein knapper Rückblick auf die Schwerpunkte der letzten Treffen mag für das Verständnis des kommenden Themas nützlich zunächst sein. Unten findet Ihr das neue Thema und den Termin:</p>
<p>Wir setzten mit der Frage ein, wofür das verstärkte Aufkommen des Islam in der globalen Auseinandersetzung heute ein Signal sein könnte. Die bloße Erklärung, dass „der“ Islam nach „dem“ Kommunismus die Stelle des für die eigene Identitätsbildung der westlichen, amerikanisierten Welt notwenigen Feindbildes einnehme, reicht aus unserer Sicht nicht aus. Der Islam, in welcher Konsequenz auch immer vertreten, hat, solange er überhaupt als Islam vertreten wird, der sich auf den Koran als letzte Wahrheit bezieht, den Charakter einer „letzten Warnung“ Gottes, Allahs, zu den durch die jüdischen und christlichen Propheten offenbarten Glaubenswahrheiten zurückzukehren – wenn der der Mensch nicht der ewigen Verdammnis und dem ewigen Feuer anheimfallen will. Der Islam tritt in seinem Grundverständnis als letzte, unabweisbare Reform alt- und neutestamentarischer Offenbarung auf. Allah fordert  - zum letzten Mal &#8211; Unterwerfung unter seine längst erlassenen und wieder vergessenen Gebote – wer nun immer noch nicht hören will, muss später fühlen. Sofern jemand sich zum Koran als dem „offenbarten  Wort Gottes“ bekennt, will und muss er daher die „Ungläubigen“ von dieser endgültigen Botschaft überzeugen – wie auch immer, sei es freiwillig oder mit Gewalt. Ein Ausweg kann nur in Resignation liegen &#8211; wenn der gläubige Muslim gegenüber dem „Ungläubigen“ aufgibt sich um dessen seelische Rettung zu kümmern. Diese Grundsituation gilt für jede Form des Islam, auch den aufgeklärtesten &#8211; sofern er sich, was jeder Islam tut, auf den Koran als Gottes unmittelbares Wort bezieht.</p>
<p>Mit dieser Skizze lasse ich unseren Ansatz  stehen, ohne dass damit alle Fragen beantwortet wären, versteht sich. So ausgerüstet konnten wir jedoch zur nächsten Frage übergehen. Sie lautete: Auf welcher Grundlage konnte sich nach Auftreten des Islam die Hegemonie eines des muslimischen Kulturraumes ausbilden, der die Weltgeschichte über sechs/sieben Jahrhunderte prägen und dominieren konnte. Diese Frage führte uns  tiefer in den Charakter des Islam hinein, nämlich im Wesentlichen zu der Tatsache, dass der von dem Reformator Mohammed gestiftete Islam  die vom Christentum vorgenommene Trennung von Staat und Kirche rückgängig macht, ebenso wie die vom Christentum entwickelte Dreieinigkeit Gottes, die Mohammed als Rückfall  in Vielgötterei, also „Götzentum“ missverstand und daher mit der Forderung nach der Anerkennung der Einheit Gottes, Allahs, als Alleinigem und Einzigem bekämpfte. In dieser Forderung nach Allah als dem EINZIGEN kam Mohammed in der Zeit nach dem Auseinanderfallen des römischen Reiches einem Zeitbedürfnis nach Sicherheit, Einheit und Heimat der damaligen Menschen nach, in der sich. In der Einfachheit der Glaubensanforderungen, die sich im Prinzip in der Anerkennung dieser Einheit Gottes erschöpft, konnte sich zugleich die tatsächliche Vielfalt dieser nachrömischen Welt regenerieren und in weiten Strecken in die Fußstapfen des zerfallenden römischen Reiches treten. Auch dies sind nur Annäherungen an die Frage nach dem Wesen dieses Kulturraumes, die weiterer Vertiefungen und Erweiterungen bedürfen.</p>
<p>Wir setzten aber im dritten  Treffen trotzdem mit einer frischen Frage an, nämlich: Welches sind die Ursachen für die Ablösung des muslimischen Kulturraumes durch die Entstehung der christlich-abendländischen Hegemonie im Laufe des 13. und 14. und 15. Jahrhunderts? Ganz sicherlich sind sie nicht nur, nicht einmal ursächlich in den Kreuzzügen des 12. und 13. Jahrhunderts zu suchen; sie sind Ausdruck und Verstärkung einer bei ihrem Aufkommen bereits stattfindenden Kräfteverschiebung, obwohl diese Kriege verstärkend zu den Kräfteverschiebungen beigetragen haben. Die Ursachen fanden wir eher in inneren Problemen des islamischen Kulturraumes, also etwa in der Überdehnung des Einheitsanspruches, dem die tatsächliche Pluralität des vereinnahmten Raumes in stark voneinander unterschiedene geografische, ethnische und kulturelle Facetten des Glaubens entglitt. Anders als die christliche Welt entwickelte die muslimische ja keinen Papst als höchste geistliche Autorität der weltlichen Macht, so dass Staat und Kirche auch getrennt voneinander existieren konnten, sondern weltliche und geistliche Macht waren im Kalifat vereint – allmächtig, solange der Kalif an der Macht war, aber dem Auf und Ab der Völkerbewegungen und politischen Veränderungen unterworfen, wenn der Kalif schwächelte. Eine entscheidende Rolle für den hegemonialen Stafettenwechsel zwischen dem muslimischen Kulturraum und dem christlich-abendländische  Raum des damaligen Europa dürften im Übrigen die Einfälle der Mongolen im 13. und 14. Jahrhundert gespielt haben, die den asiatischen Teil des muslimischem Kulturraumes unterwarfen, das westliche Europa jedoch, obwohl militärisch von ihnen besiegt, nicht besetzten. Dabei gingen die Kreuzkrieger sogar noch Bündnisse mit den Mongolen ein. Im Zuge der so skizzierten – für damalige Verhältnisse – globalen Bewegung trat das Abendland das kulturelle Erbe des islamischen Kulturraumes an, der seinerseits zuvor den persischen und griechischen zusammengeführt hatte. Hier gibt es  noch sehr viel zu forschen, was auch für das heutige Verhältnis von  „Westen“ und islamischer Kultur von Bedeutung sein dürfte.</p>
<p><strong>Fragestellung für das nächste Treffen am Samstag, d. 23.10. 2010</strong></p>
<p><strong>Ab 15.00 Uhr Sammeln. Schmausen und Plauschen; ab 17,00 Uhr Debatte. </strong></p>
<p><strong>Wie schon die letzten Male in der Jurte. </strong></p>
<p>Vor dem Hintergrund der so skizzierten Schritte – Dominanz des islamischen Kulturraumes über die christlich-jüdischen nach römischen Gemeinden, abgelöst durch die Dominanz des christlich-abendländischen Europa über den vorherigen muslimischen Raum – wollen wir beim nächsten Treffen folgender Frage nachgehen:</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ist eine andere als eine Dominanzbeziehung zwischen Islam und den anderen monotheistischen Religionen möglich? Anders ausgedrückt: Sind muslimische „Paralellgesellschaften“ im Bereich anderer Religionen, umgekehrt christliche, jüdische oder sonstige „Paralellgeselschaften“ im muslimischen Kulturraum möglich und/oder wünschenswert?</strong></p>
<p>Zu dem Thema kann selbstverständlich ausser dem, was schon zu unseren letzten Treffen als Text angegeben war auch Herr Sarrazin mit  Erkenntnisgewinn (wenn vielleicht auch nicht unbedingt mit Vergnügen) gelesen werden.</p>
<p>Außerdem kann ich Euch die neueste Ausgabe der Zeitschrift „Gazette“ (auch im Web) empfehlen, die sich mit der Frage des Islam sehr umfassend auseinandersetzt; dort findet sich unter vielen anderen recht interessanten Artikeln auch ein Text von mir.</p>
<p>Seid herzlich gegrüßt, Kai Ehlers</p>
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		<title>Eine andere Sarrazin-Debatte</title>
		<link>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2010-09-07-eine-andere-sarrazon-debatte-wie-konnte-die-europaische-hegemonie-gegenuber-dem-islamishcen-kulturraum-entstehen</link>
		<comments>http://kai-ehlers.de/forum-integrierte-gesellschaft/2010-09-07-eine-andere-sarrazon-debatte-wie-konnte-die-europaische-hegemonie-gegenuber-dem-islamishcen-kulturraum-entstehen#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 17:09:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kai</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Integrationskonflikt]]></category>
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		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Drittes Treffen des "Forum integrierte Gesellschaft": Wie konnte sich eine europäische Hegemonie gegenüber dem hochstehenden muslimischen Kulturraum entwickeln?
        <p>
            &copy; 2012 Kai Ehlers.
            <br />
            Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.
        </p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Drittes Treffen des &#8220;Forum integrierte Gesellschaft&#8221; &#8211; Unser Thema war: „Wie konnte sich eine europäische Hegemonie gegenüber dem hochstehenden muslimischen Kulturraum entwickeln, der die Zeit vom 7. bis 13. Jahrhundert bestimmt hat?  Und was bedeutet das für die heutige Auseinandersetzung mit dem Islam?“ Die Frage erwies sich als außerordentlich komplex – und konfrontierte uns mit einer Reihe von Lücken in unserem historischen Weltbild. Das betrifft zum einen die  i n n e r e n  Gründe für Wachstum und Zerfall des islamischen Kulturraumes, der für gut 600 Jahre den christlichen kulturell überstrahlte und als Imperium politisch überragte. War die Expansion wie auch der Keim des späteren Zerfalls im Wesen des Islam angelegt, der Religion und Politik missionarisch verknüpft, sich dabei in seinem zugleich praktizierten pragmatischen Pluralismus im Endeffekt aber überdehnt hat? Bemerkenswerter Weise hat die islamische Welt – außer dem Koran selbst &#8211; kein verbindliches, zentral kontrolliertes Dogma entwickelt, selbst nicht zu Hochzeiten des islamischen Kulturraumes unter Harun al Raschid. Und selbst der Koran existiert in mehreren parallelen Versionen. Als Kalif war Harun als Raschid zwar der Nachfolger Mohammeds – aber schon Mohammed war nicht Stifter eindeutiger Glaubenssätze, sondern politischer Führer einer nach und nach von ihm entwickelten islamischen Mission. Dieser Charakter des Islam wird deutlich im Unterschied zum  Christentum, dass von der Lehre her auf eine Trennung von Politik und Religion orientierte (ungeachtet späterer Verknüpfungen von Staat  und Kirche, die aber auch wieder überwunden wurden). Und kann man vor diesem Hintergrund sagen, dass die inneren Gründe für das zeitweise Zurückbleiben des christlichen Entwicklungsraumes darin zu finden sein könnten, dass das Christentum sich in seinen Ursprüngen nicht mit, sondern gegen Staat und Politik definierte, zunächst also keine politische Expansionskraft entfaltete – dies dann aber mit den Kreuzzügen (entgegen der urchristlichen Botschaft) in massiver Form tat?</p>
<p>Kurz, die Frage, wie sich das Verhältnisses von Religion und Staat, von Glaube und Welt auf die Entwicklung ausgewirkt hat, trat als eine Kernfrage aus unserem Gespräch hervor.</p>
<p>Zu den inneren traten aber auch noch eine Reihe ä u s s e r e r Faktoren, die genauerer Betrachtung bedürfen, so, wie uns scheint, als bisher kaum aufgearbeitetes Ereignis die Einwirkung der asiatischen Reitervölker auf den nachrömischen mittelmeerischen und späteren europäischen Raum. Das steigert sich mit den Mongolenstürmen des 13. Jahrhunderts, die den Niedergang des islamischen Imperiums beschleunigten, wenn nicht gar direkt verursachten – während Westeuropa trotz der vernichtenden Niederlage der vereinigten westlichen Ritterheere 1241 bei Liegnitz von einer Eroberung der siegreichen Mongolen verschont blieb. Und auch bei diesen äußeren Ereignissen spielt die Art der Beziehung von Politik und Religion eine entscheidende Rolle: mit der politischen Eroberung des islamischen Kulturraumes durch asiatische Reitervölker veränderte sich – verhärtete sich &#8211; auch der religiöse Gehalt des Islam. Mit der Nicht-Eroberung des westlichen Europa öffnete sich andererseits der Raum für eine tendenzielle (wenn auch in widersprüchlichen Sprüngen erfolgende) Trennung von Religion und Politik, Staat und Glaube; Ergebnis letztlich unsere säkularisierte Welt.</p>
<p>Soweit gekommen, liebe Freundinnen und Freunde, ereilte uns die Zeit und wir beschlossen, ungeachtet vieler noch anzuschauender offener Fragen, uns bei unserem nächsten Treffen mit jener Frage zu befassen, die als entscheidende hervorgetreten war, dem Verhältnis von Religion und Politik nämlich, und zwar allgemein, als prinzipielle Frage, wie  h e u t e  die Frage der Beziehung von Glaube und Welt zu beantworten ist.</p>
<p><strong>Thema unseres nächsten Treffens lautet also:</strong></p>
<p><strong>In welcher Beziehung stehen für uns Glaube und Welt heute? Welche Rolle spielen dabei die Religionen – die monotheistischen wie auch andere? </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Das Treffen findet am 2.10. 2010 wie üblich in der Jurte statt.</p>
<p>Wir sammeln uns ab 15.00 Uhr zu vorbereitendem Plausch und Schmaus.</p>
<p>Ab 17.00 Uhr schreiten wir zum thematischen Gespräch.</p>
<p>Zur Vorbereitung wiederhole ich die Leseempfehlung vom letzten Mal:</p>
<p>- das Referat „Islam – Signal für eine andere Welt?“ auf der Eingangsseite meiner Website sowie das kleine Büchlein „Islam und die moderne Welt“ (Verlag Pforte/Entwürfe) von Peter Norman Waage zu Hilfe zu nehmen.</p>
<p>- Im Anhang zur Einladung findet Ihr außerdem ein Interview mit einem muslimischen Geistlichen, das uns Uwe zum Thema reingereicht hat.</p>
<p>Und zu Guter letzt:</p>
<p>Kommt selbst; bringt Eure Freunde und Freundinnen mit, die den Begegnungsraum suchen und am Thema heiß ist. Wie oben gesagt: die andere Sarazin-Debatte!</p>
<p>Herzlich, Kai</p>
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