Inhalt:
Das Epos „Attil und Krimkilte“, die bisher unbekannte hunnische Variante der Ereignisse um den Welteroberer Attila und seine ebenso schöne, wie für ihn fatale Geliebte Kriemhilde aus dem Nibelungensagenkreis ist endlich da. Nun schon längere Zeit angekündigt, noch länger vorher bearbeitet, geht das Buch jetzt in den Druck und ist in wenigen Tagen lieferbar sein. „Attil und Krimkilte“, das tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen wurde Jahrhunderte lang im tschuwaschischen Volk mündlich weitergegeben. Der Russlandforscher Kai Ehlers entdeckte das Epos 1992 in den Truhen des tschuwaschischen Nationaldichters Mischi Juchma, wo es die Zeiten der stalinschen Repression überstanden hatte, nachdem tschuwaschische Autoren es Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Vergessenheit der Geschichte gerettet hatten. Es ist nicht nur eine literarische Exotik; es öffnet auch einen bisher unbekannten Zugang zum Sagenkreis der Nibelungen. Es lässt einen Raum lebendig werden, der bis heute nicht nur hinter dem eisernen, sondern auch hinter einem mongolischen und einem hunnischen Vorhang verborgen war. Es ist der Raum zwischen Asien und Europa, in dem sich die Kulturen Eurasiens zu einer miteinander verwobenen Mythen-, Helden- und Sagenwelt verbinden.
Leider ist der Preis, den der Verlag offiziell angesetzt hat, nicht gerade niedrig – 42 €. Andererseits muss ich dazu sagen, dass das Buch eben auch kein gewöhnliches Sachbuch ist, sondern so etwas geworden ist wie ein literarischer Leckerbissen. Es enthält neben dem aus dem Tschuwaschischen und Russischen ins Deutsche übertragenen Epos von „Attil und Krimkilte“ selbst, das mit seinen 12 Gesängen spannend und anregend zu lesen ist, historische Erläuterungen und wissenschaftliche Aufarbeitungen unserer tschuwaschisch-russischen Partner wie auch deutscher Autoren zu den historischen Hintergründen und offenen Fragen dieser spannenden Zeit am Ende des römischen Reiches, dazu interessantes Kartenmaterial zu Attilas Zügen, eine Chronologie, sowie einen ausführlichen wissenschaftlichen Apparat und einen Nachdruck des tschuwaschischen Originaltextes. Also, salopp gesprochen, da liegt für die 42 Euro auch einiges drin – für Genießer/innen ebenso wie für Forscher/innen.
Spielfeld für einen anderen Zugang