Asiens Sprung in die Gegenwart. Russland – China – Mongolei. Die Entwicklung eines Kulturraums „inneres Asien“.

Asiens Sprung in die Gegenwart Book Cover Asiens Sprung in die Gegenwart
Kai Ehlers
Asia
Pforte
2006-01
115
10,00 €

Politische und kulturelle Tendenzen und Auseinandersetzung um die Entstehung eines neuen Integrationsraumes im inneren Asien.

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Eine historische Chance

Zwischen China und Russland entsteht heute ein neuer Kulturraum, genauer, es eröffnet sich die historische Chance für eine solche Entwicklung. In Unterscheidung zu bisherigen Definitionen möchte ich ihn Inneres Asien nennen. Er bildet sich in einer Wechselwirkung zwischen den großen politischen und kulturellen Strömen heraus, die nach der Auflösung der Sowjetunion in diesem Gebiet heute wirtschaftlich und kulturell, nicht zuletzt auch in Form von neuen Wanderungsbewegungen aufeinander treffen.

Die an der Bildung des Raumes beteiligten Kräfte sind China, Russland, Europa, die USA, Zentralasien bis hinein in den indischen und arabischen Raum und schließlich, aber nicht zuletzt die Mongolei. Aus China wächst eine gigantische wirtschaftliche Expansion in den embryonalen Raum hinüber, die stimulierend, aber auch zerstörerisch wirken kann, je nachdem ob es den Chinesen gelingt, ihr Wachstum in den Griff zu bekommen, das heißt, es zu verlangsamen oder nicht. In Russland entwickelt sich eine Ökonomie und Sozio-Kultur, die nicht mehr sozialistisch, aber auch nicht kapitalistisch ist; es ist eine Ökonomie neuen Typs auf der Basis einer Symbiose von Industrie und Selbstversorgung. Das gibt Russland den Charakter eines Entwicklungslandes neuen Typs, das heißt eines Entwicklungslandes, das nicht mehr hinter den sog. entwickelten Industriestaaten hinterherläuft, um deren Stand einzuholen, wie es die bisherige Definition von Entwicklungsland beinhaltete, sondern das einen prinzipiell neuen Weg geht, der über den bisherigen Dualismus von sozialistischer und kapitalistischer Welt hinausweist. Europa versucht stabilisierend ins eurasische Zentrum hineinzuwirken, kann sich jedoch nicht entscheiden, ob es dabei den amerikanischen oder seinen eigenen Weg gehen möchte. Der eigene europäische Weg wäre bestimmt durch eine eher  ökonomische Einflussnahme, der von den USA dominierte durch eine militärisch gestützte Interventionspolitik, die versucht Russland zu isolieren, China zurückzudrängen und den Raum auf diese Weise im eigenen Interesse so neu zu ordnen, dass kein Konkurrent die gegenwärtige Hegemonie der USA in Frage stellen kann.
Die Mongolei, so klein sie ist, spielt in diesem Prozess eine außerordentlich wichtige Rolle. Sie wirkt zum einen als neutralisierender Puffer zwischen den beteiligten Hauptmächten, die jeweils eine Expansion der übrigen vermeiden wollen. Sie hat zum zweiten auf Grund ihrer besonderen nomadischen Ökonomie und Kultur die Funktion einer globalen ökologischen Ressource. In diesem Sinne verstärkt sie den von Russland ausgehenden Effekt einer anderen als der von den USA und auch von Europa zur Zeit intendierten neo-liberalen Modernisierung.

Zu den ökonomischen Faktoren kommen die kulturellen: In dem Raum Inneres Asien treffen nicht nur die großen religiösen Ströme aufeinander – Islam, Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus, Schamanismus – sondern dieses alles mischt sich auch mit dem zeitgenössischen Atheismus sowjetischer, chinesischer und auch westlicher, speziell europäischer Prägung. Aus alldem ergibt sich eine Situation, die man als Treibhaus der Evolution bezeichnen könnte. Die historische Dynamik, die Europa zum Zentrum der Welt werden ließ, scheint sich umzukehren.

Im Westen werden diese Entwicklungen heute, wenn überhaupt, dann mehrheitlich als „gelbe Gefahr“, als „islamistische Bedrohung“ oder mit den Worten Samuel P. Huntingtons als drohender „clash of cultures“ wahrgenommen. Mit den Tatsachen vor Ort sind solche Szenarien jedoch nicht in Deckung zu bringen. Sie dienen offensichtlich politischen Interessen, die darauf zielen, die Entstehung eines solchen Wirtschafts- und Kulturraumes östlicher Prägung in Eurasien zu hintertreiben, so wie es auch mit dem arabischen Kulturraum versucht wird. Solchen Angst-Szenarien kann man nur mit dem Mut zur Wahrnehmung von Tatsachen begegnen.


Inhalt

•    Eine historische Chance
•    Warum inneres Asien?
•    Die Auflösung der sowjetischen Klammer
•    Neue Kolonisation Sibiriens?
•    Altes China – Beobachtungen zur chinesischen Frage
•    Ausflug nach China
•    Junges Russland – Entwicklungsland neuen Typs
•    Irkutsk
•    Blagowèschensk
•    Wladiwostok
•    Chaos aus Europa
•    Inogate und Traceca
•    Interventionen aus den USA
•    Brzezinski – ein Zitat
•    Mongolei – Katalysator der Neutralität
•    Ein Beitrag zur Deeskalation: Kongress der Mongolisten
•    Usrprüngliche Ökologie des nomadischen Lebens
•    Professor Bìras Stichwort: Tengerismus und Globalisierung
•    Die asiatisch-arabische Flanke
•    Religion des Marktes oder Markt der Religionen?
•    Treibhaus der Evolution